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SZ-Forum zu Konzertsaal:In Briefen kommen Geldscheine für einen Neubau

Wilhelm war mehr als vorsichtig, als es darum ging, wie viel der Rundfunk tatsächlich zahlen könne und wolle. "Ein zweistelliger Millionenbetrag" sei möglich, sagte Wilhelm. Präziser könne er leider nicht werden, weil der Verwaltungsrat ja auch noch ein gewichtiges Wort mitzureden habe. Spaenle kündigte jedoch schon an, dass der Staat die öffentlich-rechtliche Anstalt hier nicht ganz aus der Verantwortung entlassen wolle.

Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, berichtete vom erfolgreichen Konzertsaalbau in Bochum, 2016 ist Eröffnung. Dieses Haus mit 980 Plätzen wird rund 35 Millionen Euro kosten, 15 Millionen Euro kamen durch Spenden zusammen. Ein Modell, das Sloane auch für München empfahl, und Wilhelm sprach denn auch von "gut 30 Millionen Euro", die für den Konzertsaal an Klein- und Großspenden einzutreiben wären: "Wir bekommen immer wieder Briefe zugeschickt, in denen sich Scheine befinden, die für den Bau gedacht sind."

Ein Konzertsaal könnte auch in Obergiesing oder Nordschwabing stehen

So viel Begeisterung in der Öffentlichkeit für einen neuen Saal erfreute auch Matthias Lilienthal, den künftigen Intendanten der Münchner Kammerspiele von der kommenden Saison an: "Hier sitzen 400 Menschen, die angefangen haben, sich mit Akustik zu befassen - das ist eigentlich eine Sensation!" Die Konzerte, die er, der gebürtige Berliner, in der Berliner Philharmonie erlebt habe, seien eine wunderbare Erfahrung für ihn gewesen. Für München wünsche er sich darüber hinaus aber auch ein Produktionszentrum im künftigen Kreativquartier und ein Migrationsmuseum. Ein Konzertsaal, findet Lilienthal, müsse nicht unbedingt in der Innenstadt sein, er könne ihn sich auch in Obergiesing oder Nordschwabing vorstellen.

Die Standortfrage, das zeigte sich im SZ-Forum erneut, ist auch der entscheidende Punkt: Solange man nicht weiß, wo so ein Saal entstehen soll, will kaum jemand Geld dafür hergeben - weder Staat noch Rundfunk noch Sponsoren aus der Wirtschaft. Eines wurde ebenfalls deutlich: Überschäumende Begeisterung ruft die "Zwillingslösung" weder im Publikum noch auf dem Podium hervor. Küppers jedoch verteidigte die Gasteig-Philharmonie, auch "als Teil eines Kulturzentrums, das alljährlich von 1,8 Millionen Menschen besucht wird".

Etwas Zuspruch bekam er zur Überraschung vieler Zuhörer auch von der internationalen Akustik-Koryphäe Karlheinz Müller: Die Philharmonie sei für einen derart großen Saal mit 2500 Plätzen von ihrer Akustik her gar nicht schlecht, könne aber noch wesentlich verbessert werden und sei für manche Konzerte auch nicht geeignet: "Ein jeder Riesensaal braucht eben eine liebe, kleine Schwester."

© SZ vom 18.03.2015/dayk
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