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SZ-Aktion:Mit Verdi ins erste Semester

Am Mittwoch begeisterte der Maestro Mariss Jansons Münchner Studenten für Verdi.

Am Mittwoch begeisterte Maestro Mariss Jansons Münchner Studenten in der Münchner Philharmonie für Verdi.

(Foto: Catherina Hess)

Die Süddeutsche Zeitung und das BR-Symphonieorchester haben Studenten in die Generalprobe des Verdi-Requiems eingeladen. Ein Angebot, das angehende Technik-Master genauso begeistert wie junge Philosophen aus China.

"Verdi? Den kenne ich bisher nur vom Namen. Meine Großmutter hat eine Porzellankröte nach ihm benannt, aber was er für Musik macht, weiß ich nicht. Ich bin neugierig", sagt Stephanie Schäpe, Biologiestudentin. Neugierde ist die beste Voraussetzung, um sich mit klassischer Musik anzufreunden. Und deshalb ist sie an diesem Mittwochmittag mit ihrer Freundin in die Philharmonie am Gasteig gekommen, um die Generalprobe des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks für Verdis Requiem zu hören. Fast 1500 Studenten taten es den beiden gleich und folgten einer Einladung von Orchester und Süddeutscher Zeitung: ein Gratis-Konzertbesuch zum Auftakt des neuen Semesters.

Ein ungewohnter Anblick in der Philharmonie: lauter junge Gesichter. Auf Facebook gingen die Tickets ganz schnell weg, für Stephanie Schäpe ist das ein wunderbarer Beginn ihres Masterstudiums an der Technischen Universität. "München ist ja so teuer, ich bin nur gekommen, weil es keine Studiengebühren mehr gibt. Trotzdem kann man sich Kulturabende nicht so oft leisten", sagt sie. Umso besser, meinen die beiden jungen Frauen, wenn es solche Angebote für Studenten gibt.

Zum zweiten Mal organisierten die SZ und die BR-Symphoniker eine solche Generalprobe nur für Studenten. Nach Simon Rattle im vergangenen Jahr leitet diesmal Chefdirigent Mariss Jansons Chor und Orchester. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, die Jugend für die klassische Musik zu gewinnen. Seit vielen Jahren probt er regelmäßig mit Jugend- und Studentenorchestern. Die Kultur braucht die Jugend, sagt Orchestermanager Nikolaus Pont zur Begrüßung: "Lassen Sie sich von Verdi ins neue Semester einstimmen, er zieht alle emotionalen Register".

Generalprobe des BR Symphonierorchesters für Studenten in München, 2013

Blick in das Publikum bei der Generalprobe des BR-Symphonierorchesters für Studenten in München.

(Foto: Catherina Hess)

Das Orchester hat sich eingestimmt, der Chor ist versammelt, die meisten sind in Jeans gekommen. Der Maestro tritt im dunkelblauen Hemd ans Pult und beginnt die Probe, ohne Worte. Ganz leise macht ein Violoncello den Auftakt. Doch Verdi wäre nicht Verdi, wenn bei ihm nicht auch das Requiem wie eine Oper klänge: mal himmlisch-schwebend, mal beschwingt mit Pauken und Trompeten, mal erdenschwer und tieftraurig. Die vier Solisten sind hoch konzentriert, Mezzosopranistin Marina Prudenskaja wirkt wie im innigen Zwiegespräch mit Jansons. Er lässt ohne Unterbrechung spielen. Am Ende scheint er zufrieden zu sein und tritt ab, begleitet vom Applaus der Studenten.

"Solche Gelegenheiten sollte es öfter geben", meint Wang Xingkui, Philosophiestudent im fünften Semester. Normalerweise kann er sich nur einen Stehplatz leisten. Der Chinese entdeckte in den USA die deutsche Philosophie, lernte Deutsch und studiert jetzt an der LMU. Zur Zeit liest er täglich Nietzsche im Original. Und wer Nietzsche liest, der sollte auch Verdi kennen.

BR Klassik übertragt das Verdi-Requiem mit Mariss Jansons am Freitag, 11. Oktober, 20 Uhr. Eine Hörprobe aus der Generalprobe gibt es in der digitalen Ausgabe der SZ: sz.de/zeitungsapp