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SZ-Adventskalender:Wenn das Geld trotz Vollzeitjob nicht reicht

Gut integriert und stolz darauf, nie Hartz-IV-Leistungen bezogen zu haben, ist der Vater von fünf Kindern.

(Foto: Robert Haas)

Die Familie von Khaled A. lebt seit vielen Jahren in Deutschland, sie ist gut integriert. Doch seit die Syrer ihren Verwandten in türkischen Flüchtlingslagern zur Hilfe kamen, sind sie nun selbst in Not.

Khaled A. ist angestellt, acht Stunden lang steht er täglich in der Metallschleiferei, fertigt Teile, die in deutsche Autos eingebaut werden. Abends fährt er wieder nach München, zu seiner Frau und seinen fünf Kindern. Oft hat er dann nicht einmal Geld, um ihnen etwas zu essen zu kaufen. Dann muss er wieder anschreiben lassen in einem der Gemüseläden. Und er muss sich noch mehr Geld von Freunden und Arbeitskollegen leihen. Das Konto von Khaled A. ist gesperrt, weil er es überzogen hat.

Khaled A. und seine Frau kommen aus Syrien. Seit er vor 14 Jahren in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erhalten hat, verdient er Geld, zahlt Steuern. Er steht morgens um fünf Uhr auf und fährt mit dem Zug nach Weilheim. Seit acht Jahren arbeitet er dort in einer Firma. Keinen einzigen Tag hat er Hartz IV bezogen, erzählt er stolz. Khaled A. hat Deutsch gelernt, er will, dass seine Kinder möglichst schnell und gut Deutsch sprechen. Sie sind zwischen drei und elf Jahre alt, besuchen die Krippe und Schule, gehen in den Hort. Khaleds Frau macht einen Deutschkurs. Sie möchte eine Ausbildung machen und arbeiten, gerne im Pflege- oder Erziehungsbereich. Man könnte sagen, die Familie hat sich vorbildlich integriert, erfüllt die Kriterien, die in Deutschland so häufig gefordert werden. Doch das Geld zum Leben reicht vorne und hinten nicht.

Der Familie geholfen, das Konto gesperrt

Eine kleine Wohnung mitten in München. Zweieinhalb Zimmer, auf dem Boden liegen zwei schmale alte Matratzen, es ist kalt. Heizkosten sind teuer. Auf dem Tisch liegen Schulhefte. In dem Kinderzimmer steht ein Bett, das ein Freund von Khaled vor Kurzem auf dem Sperrmüll gefunden hat. Drei Kopfkissen liegen ordentlich nebeneinander, dort schlafen die drei jüngsten Kinder. Die anderen beiden schlafen auf dem Fußboden.

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Besonders schwierig ist die Situation, seit Khaled A. sich vor zwei Jahren vier Wochen Urlaub genommen hat und mit seiner Frau und seinen Kindern mit dem Auto in die Türkei gefahren ist. In eines der großen Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien. Khaled A.s Geschwister, seine Nichten und Neffen, die Eltern seiner Frau, weitere Verwandte und Freunde sind vor dem Krieg aus ihren syrischen Dörfern geflohen und leben nun in Lagern in der Türkei. "In großen Zelten, sie haben nichts, sie sind krank, sie haben nicht genug zu essen", sagt Khaled A. "Es ist kein Leben, es ist nur ein Überleben dort." Deswegen haben er und seine Frau Kleidung und Lebensmittel in das Auto gepackt, alles Geld mitgenommen. Wie hätten sie mit leeren Händen zu ihren Familien kommen können? Als sie nach einem Monat zurück nach München kehrten, hat nicht nur das gebrauchte Auto den Geist aufgegeben, das Konto von Khaled A. war überzogen, die Forderungen von der Bank brachten ihn in immer größere Schwierigkeiten.

Khaled A. holt eine Mappe und zeigt Briefe, Rechnungen, Mahnungen von der Bank mit der Ankündigung, dass sein Konto geschlossen wird. Seine Bitten, in Raten zahlen zu dürfen, wurden abgelehnt. Er konnte die Miete nicht mehr zahlen. Mit der Unterstützung eines Sozialprojekts gelang es ihm, den Kredit weitgehend abzubezahlen. "Manchmal, wenn wir so verzweifelt sind, weil wir kein Geld haben, um den Kindern etwas zu essen zu kaufen, dann sagt meine Frau zu mir: ,Warum arbeitest du überhaupt?'" Khaled A. wünscht sich, endlich alle Schulden abbezahlen zu können, genug zu essen, Winterkleidung und Betten für seine Kinder.

© SZ vom 19.12.2014/vewo

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