Die „Süddeutsche“ gibt es nun seit 80 Jahren. Sie war und ist ein Bollwerk der verlässlichen Nachrichten, der Glaubwürdigkeit, ein wichtiger Baustein für eine lebendige Demokratie. Nur hat sich mit dem Internet und der Möglichkeit, mit jedem Smartphone auf Sendung zu gehen, auch ein Nachrichten-Dickicht entwickelt, bei dem nicht alle durchblicken und in dem sich auch Unglaubwürdiges tummelt. Die Folge für die seriösen Anbieter: Sie müssen ihre Arbeit erklären und den Unterschied aufzeigen zwischen denen, die einfach behaupten, und denen, die sorgsam prüfen und belegen.
Seriöse Medien können transparent machen, wie sie arbeiten – und sie tun es sehr engagiert. Bei der Süddeutschen Zeitung gab es immer schon viel Engagement in der Redaktion, um die eigene Arbeit zu erklären. Seit Juni 2021 gibt es dafür sogar einen eigenen Redakteur, den Leseranwalt (Ombudsmann) der SZ-Redaktion.
Seine Aufgabe? Vermittlungsarbeit zwischen Leserschaft und Redaktion. Ein treuer Münchner Leser nennt ihn mitunter den „Kugelfang der Redaktion“, weil er Beschwerden über redaktionelle Arbeit auf den Tisch bekommt, Fehlerhinweise – angebliche und wirkliche. Er hört Kritik an, hilft Missverständnisse aufzuklären, trägt wertvolle Hinweise auf Suboptimales oder lohnende Themen in die Redaktion, er geht Fehlerhinweisen nach und gibt sie weiter. Ein „Leseranwalt“ ist Schlichter in beide Richtungen.
Ein Instrument der Qualitätssicherung, ein Kümmerer, der so gut wie immer erreichbar ist. Einer, der die SZ-Leserinnen und -Leser liebt, obwohl ihn manche ärgern, und einer, der die SZ-Redaktion liebt, weil er seit 1982 für sie schreibt. Einer, der sich vor allem des Privilegs bewusst ist, das die Abonnement-Kundschaft der SZ-Redaktion verschafft: Wir dürfen mit Vertrauensvorschuss seriös arbeiten. Unser Maßstab sind dabei die Verfassung und der Pressekodex, die Richtlinien des Deutschen Presserates, nachzulesen im Netz unter www.presserat.de.
Doch genug der Theorie, jetzt ein paar praktische Einblicke in den Maschinenraum des Leseranwalts: Lieblingsmissverständnisse, typische Fragen aus der Leserschaft – und ein paar praktische Tipps für genussreiche SZ-Lektüre.
„Der Kommentar ist nicht objektiv“
Ganz oben auf der Rangliste: die Trennung von Nachricht und Kommentar als Grundprinzip. Wir liefern Ihnen immer erst die Sachinformation, damit Sie sich unvoreingenommen Ihr eigenes Urteil bilden können. Daneben bieten wir gerne auch Kommentare. Die sind als persönliche Meinungsangebote derer gedacht, die namentlich zeichnen, und sie sind mit voller Absicht subjektiv. Kommentar-Regel Nummer eins für Journalisten: Ohne deutliche Meinung lohnt er sich nicht.
Zudem gibt es in der SZ keine Meinungsvorgabe, auch wenn man uns natürlich oft „linksliberal“ nennt. Auch innerhalb der Redaktion gilt die von der Verfassung garantierte Meinungsfreiheit, die Chefredaktion übt kein Meinungsdiktat aus, jede Meinung ist erlaubt, solange sie nicht gegen geltendes Recht oder Grundsätze der Verfassung verstößt. Deshalb gibt es mitunter auch einander widersprechende Kommentare – und auch solche, die überhaupt nicht „linksliberal“ sind. Vielfalt ist schön. Und ehe Sie sich mal über einen Kommentar zu sehr ärgern: Das Grundgesetz erlaubt ausdrücklich, dass man unterschiedlicher Meinung sein darf. Meinungsfreiheit und Meinungstoleranz gehören zusammen und ergeben, mit Respekt angewandt, friedlichen Dialog und gute Streitkultur innerhalb einer Gesellschaft.
Lassen Sie den Boten leben
„Was die da behaupten, können Sie doch nicht im Ernst in die Zeitung schreiben ...“ So beginnt manche Tirade und wendet sich gegen den Überbringer der Nachricht statt gegen den Verursacher. Bei stark polarisierenden Themen erlebt es die Redaktion häufig, dass der Bote dann all das Negative abbekommt, das doch eigentlich anderen gilt. „Don’t shoot the messenger.“ Ein Klassiker im Leserdialog, aber auch eine lohnende Aufklärung eines seit der Antike bekannten Missverständnisses. Wer unabhängig über alle Aspekte eines Themas berichtet, bezieht auch das mit ein, was die eine oder andere Seite vielleicht als unliebsam oder falsch empfindet. Wir referieren das mitunter nur, und Sie können mit Überblick urteilen – zumal wir immer unsere Quellen klar benennen.
Weiße App, grüne App
Die SZ gibt es auf Papier. Es gibt sie aber auch digital, mit einer enorm angewachsenen Lesegemeinde (mehr als 300 000 Digitalabos). Immer wieder zeigt sich in Gesprächen mit der Kundschaft aber, dass längst nicht allen bewusst ist, dass drei verschiedene Digitalvarianten oder -kanäle genutzt werden können. Deshalb hier ein kurzer Überblick:
Das E-Paper ist ein digitales Abbild der gedruckten SZ, im PDF-Format. Manche nutzen dies, um Seiten oder Artikel zu archivieren, manche lieben die Anmutung der gedruckten SZ auch im Digitalen.
Die weiße SZ-App (kostenlos in App-Stores) ist das Navigationswerkzeug für die Nachrichten-Homepage der SZ unter www.sz.de – wo rund um die Uhr aktualisiert eine Auswahl wichtigster Nachrichten ausgespielt wird. Die Nachrichten-Homepage bietet alle nötigen Informationen auf die Frage: Was muss ich heute, hier, jetzt wissen und was tut sich gerade in der Welt?
Die grüne SZ-App (kostenlos in App-Stores) ist das Navigationswerkzeug für die abgeschlossene digitale SZ-Ausgabe, die genauso umfassend ist wie die tägliche Papierausgabe, teils aber am Abend oder am darauffolgenden Morgen noch aktualisiert wird. Im Gegensatz zur Nachrichten-Homepage („rund um die Uhr aktualisiert“) also eine umfassende digitale Ausgabe mit Redaktionsschluss und mehr Lesestoff.
Bringt doch mal Positives!
Die Nachrichtenlage war schon mal günstiger für die Welt, das spüren wir alle. Wir berichten, was von öffentlichem Interesse ist, und können an wichtigen Nachrichten leider nicht vorbei. Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten? Den Vorwurf hören wir oft und mögen ihn ebenso wenig wie schlechte Nachrichten. Deshalb bieten wir einen eigenen Nachrichtenservice für gute Nachrichten aus München, per Whatsapp-Newsletter: www.sueddeutsche.de/muenchen/gute-nachrichten-muenchen-whatsapp-kanal-sueddeutsche-zeitung-li.3282233, und auch auf Instagram gepostet. Außerdem bietet die Panorama-Redaktion in der Kolumne „Bester Dinge“ ausgewählt positive Nachrichten an unter www.sueddeutsche.de/thema/Bester_Dinge – und schauen Sie sich, falls Sie es noch nicht kennen, gleich mal das Video vom chilenischen Kajakfahrer und seinem Rendezvous mit einem Wal an.
Nur Männer auf der Leserbriefseite?
Wir wissen, dass Sie alle die Leserbriefseite sehr aufmerksam lesen. Bei manchen Themen schreiben uns nur Männer, folglich gibt es nur „Männerbriefe“ auf der Forumsseite – und danach regelmäßig Beschwerden gegen unsere „einseitige Auswahl“. Das Leserbriefteam bildet ab, was sich uns in den Zuschriften darbietet, und es verwirklicht bei der Auswahl auch nicht den eigenen politischen Geschmack, sondern bildet den Proporz der Meinungen in den Briefen ab. Da haben Leserinnen und Leser das Wort, und wir üben uns in Meinungsfreiheit und Meinungstoleranz.
Leicht daran zu erkennen, dass wir auch deutliche Kritik an unserer redaktionellen Arbeit zulassen. Kürzere, prägnantere Briefe haben höhere Chancen als lange Konvolute, und akademische Grade sind egal, solange sich nur der Inhalt aktuell und konkret auf vorangegangene Beiträge in der SZ bezieht und eine weiterführende Debatte dazu darstellt. Klar ist, dass keine Rechte Dritter verletzt werden dürfen in Leserbriefen: Herabwürdigungen, Beleidigungen, Volksverhetzung und auch pauschale Diskriminierungen von Menschengruppen sind nicht erlaubt.
Schauen Sie in unser Archiv
„Darüber hat die SZ nie berichtet!“ Mit diesem Vorwurf wird der Leseranwalt häufig konfrontiert, obwohl die SZ sogar sehr intensiv über ein Thema berichtet hat. Als Ursache stellt sich dann oft die leider nur mittelgute Suchfunktion auf unserer eigenen Homepage (www.sz.de) heraus, mit unvollständigen und schlecht sortierten Resultaten, wie Leser berichten. Klare Empfehlung des Leseranwalts: Suchen Sie in Ihrem Internetbrowser mit Google (oder anderen Suchmaschinen) nach folgendem Muster: „sz.de: [Suchbegriff] [Suchbegriff]“; die Suche lässt sich beliebig eingrenzen durch weitere Suchworte, jeweils durch Leertaste getrennt, und wirft einen wirklichen Überblick aus über alles, was die SZ zu einem Thema veröffentlicht hat. Auf diese Weise hat, wer über ein Digital-Abo verfügt, zugleich Zugriff aufs gesamte elektronische SZ-Archiv (und könnte sich das mühsame Abspeichern von PDF-Seiten aus dem E-Paper sparen). Könnte sogar ein lohnendes Extra für Papier-Abonnenten sein, zumal für sie das zusätzliche SZ-Plus-Abo nur noch einen geringen Aufpreis kostet.
Wenn Sie selbst Fragen an die Redaktion haben, mailen Sie an leseranwalt@sz.de – oder werfen einen Blick in den Transparenz-Blog der SZ (www.sz.de/transparenz), wo Sie viele Antworten finden auf Fragen zu unserem Journalismus. Und damit dieser Ombudsmann nicht immer nur Kugelfang ist: Lob für ein 80 Jahre lang stabiles Bollwerk nimmt er auch gerne entgegen ...

