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Synchronsprecher:Wie die Branche in Deutschland aussieht

Mindestens Tausend Synchronsprecher gibt es laut Odle in Deutschland. Angefangen mit den ersten Sprachaufnahmen haben die Italiener in den Zwanzigerjahren, sie kämen der deutschen Qualität heute noch am nächsten. "In keinem anderen Land sind so viele Leute an einer Synchronisation beteiligt wie bei uns." In Spanien würden die Stimmen meistens leicht machohaft klingen, und "in Polen spricht einer alle Rollen eines Films".

Gerade bei Serien-Fans ist es heute verbreitet, ein Sequel im Original anzuschauen. "Die Leute, die am meisten damit prahlen, alles im Original zu schauen, sind meistens die, die am wenigsten Englisch können." Ein Vortrag auf Englisch sei ja das eine, aber wenn viele in verschiedenen Dialekten durcheinandersprechen würden, "da bleibt dann doch viel Information auf der Strecke".

Es kommt schon vor, dass Leute seine Stimme erkennen, sagt Odle, "aber selten". Meist seien es Taxifahrer, die ihn dann fragen: Sind Sie schon einmal mitgefahren?

Die Profis kommen oft beim ersten Versuch durch einen Satz im Tonstudio, manchmal braucht man aber auch bis zu 20 Anläufe. Lippensynchron muss es sein. "Passend auf die Labiale, also M oder B", wo sich der Mund des Schauspielers auf der Leinwand öffnet oder schließt. Ein "Good morning honey" könne man deshalb nicht mit "Guten Morgen Liebling" übersetzen, weil der Zuschauer merken würde, dass auf der Leinwand der Schauspieler beim B von Liebling den Mund offen lässt, da er ja in Wahrheit "Honey" sagt.

Labial, sagt Odle dazu, muss es stimmen. Deshalb übersetzt er "Honey" dann mit "Schätzchen". Odle versucht, immer die aktuelle Straßensprache zu kennen. Nichts peinlicher, als wenn er einen Jugendlichen heute noch "endsgeil" sagen lassen würde. Und dann der Slang. "I'm like: Fuck man", was soll man damit machen? "Ich voll so: Fuck, Alter!"

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Odle, 51, konnte als Student früher aus der Disco direkt zur Aufnahme gehen, bei der Kratzstimme. Heute ist das anders. "Meine Stimme ist wie ein Auto-Getriebe, mit der Zeit braucht sie Pflege." Seine eigenen Filme ansehen? Bloß nicht, "die habe ich ja schon fünfmal gesehen, in Fünf-Sekunden-Häppchen". Reich wird man als Sprecher eher nicht. Drei Euro pro Satz ist die Faustregel, dazu noch Grundgagen.

Dafür rühmt sich die deutsche Gilde, die beste zu sein. "Als ,Lola rennt' in den USA synchronisiert wurde, war das so schlecht, dass es in Berlin noch einmal aufgenommen werden musste." Kollege Thomas Danneberg etwa hat mal in einem Film Silvester Stallone und Arnold Schwarzenegger gesprochen, ohne dass jemand etwas gemerkt hat.

Problematisch wird es, wenn Star-Schauspieler bei Animationsfilmen als Vermarktungs-Gag eingekauft werden. "Dann", sagt Odle, "sprechen die Darsteller erst ihren Text, und erst danach wird der Film dafür animiert." Schade, dass man ihn fast nie sehen kann bei der Arbeit. So ein herrlich erschüttertes Gesicht, wie er nach diesem Satz macht, darum würde ihn Will Smith beneiden.