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Synchronsprecher:Dieser Mann entscheidet, wie die deutsche Version von Game of Thrones klingt

Seine eigenen Filme ansehen? Bloß nicht, sagt Sprecher Ian Odle, "die habe ich ja schon fünfmal gesehen, in Fünf-Sekunden-Häppchen".

(Foto: Robert Haas)

Ian Odle sagt: "Die Leute, die am meisten damit prahlen, alles im Original zu schauen, sind meistens die, die am wenigsten Englisch können."

Von Philipp Crone

Ian Odle spricht nicht wie Will Smith, sondern wie ein Richter. Das liegt zum einen daran, dass der 51-jährige Münchner bis auf ganz wenige Ausnahmen nie darum gebeten wird, die kieksig ausreißenden Sätze der deutschen Synchronisation etwa von Smiths Rolle des Jay in "Men in Black" nachzusprechen. Am ehesten noch die Lache von Peter Griffin, dem Papa aus "Family Guy".

Zum anderen kommt der Sprecher am Montagabend gerade aus einer neunstündigen Schicht als Synchronisations-Regisseur für "Game of Thrones", wo er beinahe im Sekundentakt sagen muss: Der Satz passt, den noch einmal, der passt. "Ich bin ein Pedant", sagt er. Muss man sein in dem Job. Bei dem massiven Mann mit den Stoppelhaaren rund um das Gesicht sind Sätze eher Aussagen zum Aufschreiben als Anregungen zum Austausch.

Er sagt zum Beispiel: "Je mehr Wörter ich in kurzer Zeit unterbringen will, desto leiser muss ich sprechen." Vor dem Mikrofon geht es um Timing und Emotionen, in der Öffentlichkeit um Aufmerksamkeit für eine unbekannte Branche.

"Die Deutschen haben die besten Synchronsprecher", sagt Odle und greift zum Weißweinglas, das man ihm in seinem Stammrestaurant immer wieder auffüllt, wenn es leer zu werden droht. Odle gehört dazu. Mit fünf Jahren kam er zunächst eher zufällig vor ein Mikrofon, Freunde der Eltern arbeiteten in dem Bereich, und er konnte es. "Kinder sind ja wie Papageien, die sprechen dir alles nach. Es kommt aber darauf an, ob man das Timing hat." Das könne man nicht lernen.

Also stand er immer wieder vor dem Mikrofon, zusammen mit bis zu vier anderen Sprechern, "damals wurde ja noch stereo aufgenommen". Die Faszination damals wie heute: "Eine Situation glaubhaft vertonen, obwohl man in einer dunklen Kammer steht, zum Beispiel die Laute und Sätze eines angeschossenen Soldaten, der auf dem Schlachtfeld im Matsch liegt und langsam stirbt."

Dabei helfe natürlich die Original-Stimme, dazu der Regisseur für die Synchronisation, der den eigens von einem Synchronisations-Autor auf die Lippenbewegungen optimierten Text mit den Sprechern umsetzt. Aber es sei keine Seltenheit, wenn die Kollegen dann tränenüberströmt vor dem Mikrofon stünden, weil sie sich so in die Rolle reinsteigern. "Grundsätzlich ist es aber am einfachsten, Dinge zu sprechen, die man kennt." Deswegen ist der sterbende Soldat auch so schwierig.

Odles Stimme ist rauh, kratzend krächzig wie ein alter Papagei. Die Stimme passt zu ihm. "Ich wurde von Anfang an auf schräge Typen besetzt." Smith synchronisierte er allerdings schon, als den noch kein Mensch kannte, vor seiner Rolle in "Prinz von Bel Air". Zweimal hat er ihn auf Premieren getroffen, "einmal sagte er mit breitem Grinsen: I like what I hear". Sie ähneln sich zwar nicht optisch, aber vom papageien-albernen Gemüt schon.

Er spricht auch den Papa Peter in "Family Guy", mit häufig sehr hoher Stimme. Dabei sei das englische Original oft gar keine so große Hilfe. "Im Englischen ist das Substantiv ja meist am Ende, deswegen sagt man auch Punch Line, die Pointe kommt am Ende." Im Deutschen ist es oft so, dass das Verb am Ende steht.

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