Kunstgenuss und Clubbing sind am Freitag und Samstag im Zirka als immersives Erlebnis möglich. Dort findet die zweite Ausgabe von „Synaesthetix“ statt, einem im besten Sinne ungewöhnlichen Kultur- und Cluberlebnis. Für die zwei Hallen des Zirka wurde ein Parcours konzipiert, an dessen Stationen die Besucherinnen und Besucher Tanzperformances und Installationen erleben können.
Hinter dem Event stehen Walter Heun und Mirko Hecktor. Heun ist Kulturmanager und produziert seit Jahrzehnten Tanzproduktionen. Hecktor ist Balletttänzer, nach dem Ende seiner internationalen Profikarriere begann er, sich in Münchens (Sub-)Kulturszene zu engagieren, war Co-Gründer des Musiklabels „Terra Magica Rec.“ und ist selbst als DJ unterwegs.
Daher liegt die Verbindung von Tanz und Clubbing nahe. „Die Idee war, vom Raum auszugehen“, sagt Walter Heun über die Konzeption von „Synaesthetix“. Es gibt keine Vorgabe, in welcher Reihenfolge die Stationen angesehen werden sollen. „Was ich spannend finde, ist, dass sich die Zuschauer den Raum je nach Performance selbst habhaft machen. Das ist die Idee hinter dem Namen, je nachdem wie man die Performance wahrnimmt, erlebt man eine andere Vorstellung“, sagt Mirko Hecktor. So ergebe sich für jeden Besucher ein ganz eigenes Kunsterlebnis.
Die Künstlerinnen und Künstler bewegen sich spartenübergreifend zwischen Tanz, visueller Kunst und der Nutzung von künstlicher Intelligenz. Die Künstlerin Porträt XO etwa verbindet ihre Musik mit „Gesture Mapping“. Dafür werden Sensoren im Raum platziert, um Bewegungsdaten in Klang zu übertragen. „Das Publikum kann sich selbst den Raum erschließen, ohne dass jemand etwas vorgibt. Wir haben auch Künstlerinnen und Künstler gesucht, die extra etwas für das Event komponiert haben, etwa Ian Kaler“, sagt Walter Heun. Kaler wird bei seiner Tanzperformance von einer Videokünstlerin und einer Musikerin unterstützt.
Heun und Hecktor haben viel Arbeit in die Konzeption gesteckt. Hinter dem Parcours verbirgt sich ein großer technischer Aufwand, im Gespräch schwingen philosophische Betrachtungen mit. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer ist aber keine Vorbildung, kein Wissen über Tanz nötig. „Wir wollen eine Form von Begegnung schaffen, die Leuten aus allen Bereichen des Lebens mit allen Interessen einen Zugang zu einem Kunstgenuss schafft“, sagt Heun. Wenn jemand zwischendurch rauchen gehen will, kann er das tun.
Natürlich kann man hier auch den „Moneymaker shaken“
Die Motive aus dem Parcours, der Fokus auf visuelle Kunst, wird auch in den Clubbereich übertragen. „Am Ende gibt es DJs und Visuals, zu denen ich meinen ‚Moneymaker shaken‘ kann. Da waren die Performances vielleicht ein ‚ästhetisches Vorglühen‘“, sagt Heun.
Dafür ist bei „Synaesthetix“ auch Lucien Lietz mit seinem Projekt „Auge“ dabei. Lietz prägte gemeinsam mit Leonard Will als „Kreuzer Lichtmaschine“ viele Jahre lang das Nachtleben der Münchner Subkultur visuell. „Er filmt im Clubbereich und verarbeitet das zu einem Kunstwerk“, fasst Hecktor Lietz’ neues Projekt „Auge“ zusammen.
Im Clubbereich legen DJs von Radio 800 000 und Terra Magica Rec. verschiedenste Spielarten elektronischer Musik auf. Dabei kann Clubbing auch als Kunstgenuss verstanden werden: „Die Katharsis kann bei den Performances oder im Clubraum stattfinden. Vielleicht besteht zwischen Theater und Club gar nicht so ein großer Unterschied.“
Synaesthetix, Fr. & Sa., 14. & 15. November, Zirka, Kreativquartier

