Dass beide Werke als op. 30 gezählt werden, hat wohl nicht den Ausschlag gegeben, Rachmaninows drittes Klavierkonzert mit "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss beim Konzert des Symphonieorchesters des BR in der Isarphilharmonie unter James Gaffigan zu koppeln.
Doch vom berühmten, wunderbar melodiösen Einstieg über den traumhaften Beginn des langsamen Satzes bis zu den aberwitzig überbordend, manchmal originell, manchmal aber auch ein bisschen banal virtuosen Stellen des Finales war "Rach 3" eine riesige Spielwiese für den großartigen Koreaner Seong-Jin Cho. Der 28-Jährige kann alles: traumverloren leise spielen und geradezu berserkerhaft mächtig in die Tasten greifen, ohne dass es je grell oder schrill klang. Orchester und Solist verschmolzen manchmal beinahe zu einer Einheit, und anders als im Gasteig offenbarte sich dabei ein stets warmer, farbiger Klang des Flügels. Dennoch verströmte Cho mit einer zarten Händel-Zugabe den größten Zauber.
Nach der Pause "Also sprach Zarathustra", die vielschichtigste und in jeder Hinsicht reichste Tondichtung von Richard Strauss. Ihr Programm nach den Gedanken aus dem Buch Friedrich Nietzsches ist ebenso faszinierend wie deren musikalische Ausformung. Denn die Bezüge zwischen den Teilen wie das Neben- und Ineinander von Kammer- und Orchestermusik sind selbst für Strauss einzigartig.
James Gaffigan, eingesprungen für Zubin Mehta, dirigierte die BR-Symphoniker mit großer Umsicht, aber auch dem richtigen Gespür für teils subtil introvertierte, teils auch extrovertierte Wirkung. Ob die grandiose Natur- und Weltall-Szenerie des Beginns, die man nicht mehr hören kann, ohne an Kubriks "2001 - Odyssee im Weltraum" zu denken, ob eine hier gar nicht spöttisch klingende Fuge über ein Zwölfton-Thema ("Von der Wissenschaft") oder der Walzer bis zum Epilog, der so fein h-moll und C-Dur entgegensetzt: Dem BRSO gelang unter James Gaffigan eine exemplarische Aufführung.
