Symbolischer Akt Revolution aus der Tiefgarage

Vor der Oper wird die europäische Republik ausgerufen.

(Foto: Robert Haas)

Pro-Europa-Proklamation läuft in München eher still ab

Die Revolution des Jahres 2018 wirkt auf den ersten Blick wie eine von der Polizei besonders aufmerksam begleitete Stadtführung. Und sie kommt tatsächlich aus dem Untergrund, sprich aus der Tiefgarage vor dem Nationaltheater, deren Auffahrt am Samstag um kurz nach 16 Uhr ein kleiner Zug von Menschen empormarschiert. Einige haben sich Europafahnen um die Schultern gewickelt, andere schwingen Fahnen mit den goldenen Sternen auf blauem Untergrund. Bestens überwacht oder auch nur beschützt von der Polizei ("Gehen Sie bitte von der Fahrbahn runter") erklimmen die Revolutionäre die Stufen vor der Oper, rufen oben angekommen die Europäische Republik aus und erklären dafür flugs den Europäischen Rat für abgesetzt. Alle Macht dem Europäischen Parlament.

Was wie ein locker organisiertes Happening aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Die Organisatoren des European Balcony Project wollen den Nationalstaaten die Macht über ihren Kontinent nehmen und sie den Menschen geben. Dafür verlasen engagierte Europäer in München wie in fast 200 Orten und Städten Europas auf Balkonen von Theatern oder Kulturorganisationen um 16 Uhr ein entsprechendes Manifest. "Wir begründen die Europäische Republik auf dem Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit jenseits von Nationalität und Herkunft", heißt es darin. Während sich in Wien mit dem Burgtheater oder in Hamburg mit dem Thalia prominente Häuser an der symbolischen Aktion beteiligten, hielten sich die großen Münchner Theater zurück. Hier riefen unter anderen die Urbanauten und Diem25 (Democracy in Europe Movement 2015) zur Revolution auf. Sie waren aber nicht die einzigen. Den besseren Balkon für die Proklamation hatte sich das Münchner Künstlerkollektiv Polizeiklasse der Akademie der Bildenden Künste gesichert. Sie rief die europäische Republik am Stachus aus, vom Balkon einer prominenten Burger-Kette herab.

Organisiert hatte das Projekt das European Democracy Lab in Berlin. Der Termin war bewusst gewählt: Vor hundert Jahren wurden am 9. November zahlreiche Nationalstaaten ausgerufen. Am 11. November 1918 war der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen. Dazwischen sollte nun ein Tag liegen, an dem Bürger für ein gemeinsames, friedliches Europa einstehen.