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Susanne Niewalda, Baubranche:"Das Problem wird sich noch verschärfen"

Susanne Niewalda, Mediatorin, Bayerischer Bauindustrieverband e.V. Oberanger 32

Die Baubranche sucht händeringend nach neuen Mitarbeitern. Grundsätzlich begrüßt Susanne Niewalda, Rechtsanwältin beim Bauindustrieverband, das Gesetz - sie fürchtet nur, dass es ihren Unternehmen nicht helfen wird.

(Foto: Florian Peljak)

"Wir haben in der Baubranche einen massiven Fachkräftemangel. Unsere Unternehmen suchen seit Längerem händeringend gute und qualifizierte Baufachleute. Wir bräuchten also dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Auch weil diejenigen, die im Moment bei uns auf den Baustellen arbeiten, einen recht hohen Altersdurchschnitt haben. Das Problem wird sich in Zukunft also noch verschärfen.

Wir begrüßen es, dass das Gesetz es nun auch qualifizierten Fachkräften ermöglicht, nach Deutschland zu kommen, nicht mehr nur Akademikern. Aber leider sind die Voraussetzungen für eine Zuwanderung für unsere Branche fast nicht erfüllbar. Das neue Gesetz ist für uns also eher ein Fachkräfteeinwanderungsverhinderungsgesetz. Dass die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation festgestellt werden muss, macht es sehr schwierig. Denn wir haben im Baugewerbe in Deutschland eine duale Berufsausbildung mit überbetrieblichen Ausbildungszentren. Und uns ist kein Land außerhalb Europas bekannt, das auch nur annähernd so eine hochwertige Ausbildung im Baugewerbe bietet. Wo soll die Gleichwertigkeit herkommen, wie sollen Fachkräfte aus dem Ausland diese Hürde nehmen?

Wir als Verband hätten uns gewünscht, dass auch die berufspraktische Erfahrung zählt. Im IT-Bereich gibt es diese Ausnahme bereits, aber im Bau nicht. Dabei ist die Bauwirtschaft ja gerade so organisiert, dass jeder Baubeschäftigte durch seine praktische Tätigkeit alle Aufstiegsmöglichkeiten hat, bis hinauf zum Polier. Dies gilt auch für Quereinsteiger.

Ein zweiter Punkt, der sehr schwierig ist: Wer kommen will, muss ein sehr hohes Sprachniveau vorlegen. Diese Hürde ist zu hoch, gerade wenn man bedenkt, dass Deutsch als gängige Fremdsprache außerhalb Europas kaum mehr in den Schulen angeboten wird. Wir hätten uns gewünscht, dass der Spracherwerb auch in Deutschland ermöglicht wird. Ich rechne also nicht damit, dass das Gesetz unserer Branche helfen wird, den Fachkräftemangel spürbar zu verringern."

PROTOKOLL: KATHRIN ALDENHOFF

© SZ vom 29.02.2020
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