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Susanne Klatten:Der Coup der Dilettanten

Ein schlechter Versuch: Vier Männer aus dem Ruhrpott wollten die Milliardärin Susanne Klatten erpressen - jetzt wurden sie verurteilt.

Vielleicht hatte sich die Polizei einen Scherz erlaubt mit den vier Erpressern, vielleicht stand aber wirklich gerade kein BMW M5 Sportwagen zur Verfügung, wie die Fahnder später behaupteten. Jedenfalls parkte zur geplanten Geldübergabe am Morgen des 15. Juli in der Düsseldorfer Straße in Duisburg kein nagelneuer M5, wie es gefordert worden war, sondern ein schwarzer Mercedes am Straßenrand.

Susanne Klatten

Ein erneuter Verusch, Susanne Klatten zu erpressen, wurde am Münchner Schöffengericht verhandelt.

(Foto: Foto: AP)

Im Kofferraum unter dem Reserverad waren 800.000 Euro deponiert. So viel und dazu den Wagen hatte Vladen M. von der Milliardärin Susanne Klatten verlangt, damit er nicht vermeintlich intimes Bildmaterial der BMW-Großaktionärin an die italienische Presse weitergab.

Den Wagen samt Geld holte dann niemand ab: Ob's am Fabrikat lag, dass der 43-jährige M. und seine Komplizen den Mercedes einfach stehen ließen und auf das Geld verzichteten? Den vier autovernarrten Männern aus dem Ruhrpott, drei sind gelernte KFZ-Mechaniker, wäre das glatt zuzutrauen. Oder ob ihnen mulmig wurde ob ihres dilettantisches Planes?

So jedenfalls blieb die Erpressung "im Versuch stecken", wie Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte, und das erwies sich letztlich als vorteilhaft für die vier Duisburger. Am Dienstag kamen drei Angeklagte am Münchner Schöffengericht mit Bewährungsstrafen davon. Nur Vladen M. muss als Drahtzieher der Erpressung dreieinhalb Jahre in Haft.

Trotz etlicher Telefonüberwachungsprotokolle und belastender Aussagen seiner Komplizen dauerte es am Dienstag Stunden, M. zu einer einigermaßen wahrheitsgemäßen Darstellung zu bewegen. Demnach war der wegen Diebstahls und Erpressung 17 Mal vorbestrafte Mann allein auf die Idee gekommen, im "Fall Klatten" als Trittbrettfahrer tätig zu werden.

In Erpresserbriefen an das Büro Klatten log er, im Besitz kompromittierender Bilder und Videos zu sein, auf denen angeblich Klatten und Helg Sgarbi zu sehen seien. Der Schweizer hatte bekanntlich zu der Milliardärin eine Liebesbeziehung aufgebaut, sie um mehrere Millionen Euro betrogen und anschließend mit intimen Aufnahmen von den Treffen erpresst.

Im März wurde Sgarbi, dem auch andere vermögende Frauen zum Opfer gefallen waren, zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die verbüßt er in der Justizvollzugsanstalt Landsberg. Über den Verbleib des Geldes schweigt der Schweizer. Auch Teile des intimen Videomaterials sind offenbar verschwunden.

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