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Südliches Bahnhofsviertel:Zu verkehrsgünstig gelegen

Im Bahnhofsviertel gibt es viel Verkehr, aber wenige Wohnungen.

(Foto: Robert Haas)
  • An fast jede Ecke im südlichen Bahnhofsviertel wird gebaut.
  • Derzeit arbeiten viel mehr Menschen in dem Viertel, als dort wohnen - das soll sich in den kommenden Jahren ändern.
  • Bei der Stadt wird über Veränderungen in der Verkehrsführung nachgedacht.

Kaum ein Ort in München verändert sich so rasant wie derzeit das südliche Bahnhofsviertel. An fast jeder Ecke wird gebaut. Immer noch entstehen neue Hotels und Geschäftsgebäude, obwohl das Gebiet zwischen Hauptbahnhof und Klinikviertel, zwischen Sonnenstraße und Theresienwiese bereits 60 Prozent aller Münchner Hotelbetten aufweist. Seit geraumer Zeit will die Stadt die Entwicklung des Viertels in neue Bahnen lenken. Es sollen deutlich mehr Wohnungen entstehen, denn hier arbeiten zwar 20 000 Menschen, aber nur 3200 wohnen in dem Viertel. Jetzt liegt eine Studie vor, die das Planungsreferat in Auftrag gegeben hat. Die Untersuchung zeigt: Um das Viertel als Wohngebiet attraktiver zu machen, müssen Teile des Verkehrs umgeleitet werden.

Morgens staut sich der Verkehr in der Schwanthalerstraße oft von der Sonnenstraße bis zurück zur Theresienwiese. Die vierspurige Schneise verlockt viele Autofahrer dazu, durchs Bahnhofsviertel in die Innenstadt zu gelangen. Doch oft blockieren Lkw die rechten Fahrspuren, die Straße wird zum Nadelöhr. Das Konzept für das südliche Bahnhofsviertel sieht nun vor, die Schwanthalerstraße zwischen Martin-Greif-Straße im Westen und der Paul-Heyse-Straße stadteinwärts als "örtliche Einfahrtsstraße" ins Viertel einzustufen. Weiter in Richtung Sonnenstraße würde sie zur "Hauptgeschäftsstraße" mit viel Verkehr, aber auch vielen großen Geschäften. Die Hauptachse, die den Verkehr aus dem Viertel bringt, wäre der Studie zufolge die Paul-Heyse-Straße. Die Landwehrstraße wiederum könnte der Untersuchung zufolge als örtliche Geschäftsstraße eingestuft werden. Vor allem südlich der Landwehrstraße könnten Wohnstraßen ausgewiesen werden.

Grünflächen fehlen

Was theoretisch klingt, dürfte das Viertel massiv verändern. Die wegen des Lieferverkehrs chronisch verstopfte Landwehrstraße könnte etwa für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Die Schwanthalerstraße wiederum soll nicht nur die von vielen Fahrradfahrern, Anwohnern und Geschäftsleuten geforderte Radspur erhalten, auch die Gehwege müssten womöglich verbreitert werden, um den Charakter einer Hauptgeschäftsstraße zu haben. "Pro Stunde gehen eintausend Menschen von der Schillerstraße über die Schwanthalerstraße", sagt Fritz Wickenhäuser. "Da reicht der schmale Bürgersteig überhaupt nicht aus."

Der Vorsitzende des Vereins "Südliches Bahnhofsviertel" fordert deshalb nicht nur breitere Gehwege, sondern auch einen Fahrradweg durch das Viertel. Die nun vorliegende Untersuchung des Planungsreferats sei für ihn deshalb "wie ein Geschenk". Wickenhäuser und sein Verein setzen sich seit mehr als vier Jahren dafür ein, dass das südliche Bahnhofsviertel einerseits seinen bunten, internationalen Charakter behält, andererseits nicht wild weiterwächst, sondern nach einem Entwicklungskonzept.

Kultur ins Viertel

Was im Viertel völlig fehlt, sind Aufenthaltsorte und Grünflächen für die Anwohner. Und die sind dringend nötig, wenn in dem Viertel künftig deutlich mehr Menschen wohnen sollen. Im "Maßnahmenkonzept zur Stärkung des Wohnens im Südlichen Bahnhofsviertel", das Teil der Untersuchung des Planungsreferats ist, sind neue Wohnungen für etwa 1500 Einwohner vorgesehen. Damit würde sich der Anteil an Wohnraum in dem Quartier von 15 auf 25 Prozent erhöhen. Seit neun Jahren versucht die Stadt, in den innerstädtischen Quartieren den Wohnanteil auf 30 Prozent anzuheben. Das wäre im südlichen Bahnhofsviertel durch deutlich höhere Gebäude möglich. In einigen Fällen könnten die zum Teil sehr großen Innenhöfe im Quartier ebenfalls bebaut werden. Das Kerngebiet für die künftige Wohnbebauung soll der Studie zufolge zwischen Sonnen- und St.-Pauls-Straße einerseits sowie der Schwanthaler- und Pettenkoferstraße nach Süden hin liegen.

Das Planungsreferat will auch die Kultur im südlichen Bahnhofsviertel stärken. Statt Spielhallenbetreiber sollen künftig vermehrt Kulturveranstalter Menschen ins Viertel locken - gut sichtbar im Erdgeschoss.