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Südafrikanische Fußball-Fans in München:Jedes Spiel ein Fest

Im südafrikanischen Restaurant Camps Bay im Westend laufen die letzten Vorbereitungen für die WM. Hier wird es laut - spätestens, wenn die Vuvuzelas zum Einsatz kommen.

Ana Maria Michel

Noch hält Wilson T. Pearce vom Restaurant Camps Bay die Vuvuzelas unter Verschluss. Die langen Trompeten gehören in Südafrika zur Fan-Ausstattung - und Pearce weiß: Sie gelten als das lauteste Fan-Instrument der Welt. In Münchens einzigem südafrikanischen Restaurant im Westend laufen die letzten Vorbereitungen für die WM. Bei Spielen mit südafrikansicher Beteiligung könnte die Stimmung hier ähnlich gut werden wie im Gastgeberland selbst: Dann wird es im Camps Bay laut. Ob mit Vuvuzela oder ohne.

Mit der Vuvuzela machen die südafrikanischen Fußball-Fans bei den WM-Spielen Stimmung - demnächst wohl auch in München.

(Foto: ap)

Für die südafrikanischen Fans in München ist die WM im Heimatland ein ganz besonderes Ereignis. "In Südafrika war Fußball vor der WM kein besonders großes Thema", sagt Pearce. "Durch die WM steigt die Fußball-Begeisterung bei den Südafrikanern jetzt extrem an." Er kennt die Unterschiede zwischen der südafrikanischen und der deutschen Fußball-Kultur: Bei den Südafrikanern sei jedes Spiel ein großes Fest, der Spaß stehe im Vordergrund, sagt der Besitzer des Restaurants Camps Bay.

Hasstiraden auf die gegnerische Mannschaft gibt es bei internationalen Spielen in Südafrika laut Pearce nicht. Die Fans freuen sich, wenn ihre Mannschaft gewinnt, aber auch wenn das nicht der Fall ist, ist jedes Fußballspiel für sie eine große Party. Dagegen ist bei den Deutschen die Stimmung nach einem verlorenen Spiel für gewöhnlich im Keller.

Dass eine Niederlage kein Weltuntergang ist, beweist die Wette, die Pearce mit dem Besitzer des benachbarten griechischen Restaurants ausgemacht hat: "Wenn am 17. Juni Südafrika gegen Griechenland spielt und Südafrika gewinnt, müssen die Griechen rüberkommen und zu südafrikanischer Musik tanzen. Wenn die Griechen gewinnen, müssen wir bei ihnen Sirtaki tanzen", sagt Pearce und lacht.

Auch Münchner, die durch die WM Lust auf Südafrika bekommen, sind im Camps Bay willkommen. Pearce will die WM nutzen, um die Münchner mit dem schwarzen Kontinent vertraut zu machen. Er bietet südafrikansiche Spezialitäten wie Strauß oder Springbock an, daneben können die Gäste während der WM Gerichte aus den verschiedenen afrikanischen Ländern probieren. Zum Beispiel wird das nigerianische Gericht Obeata angeboten, das mit Rindfleisch zubereitet wird.

Aber nicht nur die kulinarischen Besonderheiten Afrikas werden im Camps Bay vorgestellt: Bei regelmäßigen Podiumsdiskussionen, die seit Herbst 2009 stattfinden, können sich die Gäste über Land, Leute und Geografie der einzelnen afrikanischen Länder informieren. Ihr Wissen können sie im Anschluss testen, denn im Camps Bay wird es zur WM ein Afrika-Quiz geben.

Wie es mit der Fußball-Kultur in Südafrika selbst aussieht, weiß der Weinhändler Jörg Linke aus Hohenbrunn bei München. Er vertreibt unter anderem Weine aus dem Gastgeberland der WM 2010 und kennt sich mit der südafrikanischen Fußball-Kultur aus. Während seines Politik-Studiums hat er sich mit den politischen Strukturen Südafrikas beschäftigt und seine Faszination für das Land entdeckt.

Zur WM 2010 wird Linke wieder nach Südafrika fahren. Er erhofft sich von der Fußball-WM eine integrative Wirkung: "Der Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen. Die Weißen spielen Rugby", erklärt er. Dass der Sport das Land ein Stück weit vereinen kann, hat Nelson Mandela bereits bei der Rugby-Meisterschaft 1995 gezeigt, als er sich ein Trikot des Teams "Sprinboks" überzog.

Da die Stadionkarten für die WM sehr teuer sind, werden viele Südafrikaner die Spiele in Kneipen und Restaurants verfolgen. Pearce vom Camps Bay will den Versuch starten, eine Live-Schaltung mit einem Restaurant vor Ort aufzubauen, um zu zeigen, dass die Stimmung hier in München bei der vierwöchigen WM-Party genauso gut sein kann wie in Südafrika.

Camps Bay, Bergmannstraße 28, 81927 München, Telefon 089 44499088 , www.campsbay-restaurant.de

Linke Wein, Dorfstraße 19, 85662 Hohenbrunn bei München, Telefon 08102 895868, www.linke-weine.de

© sueddeutsche.de/sonn

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