Sturmtief über München:Lebensgefahr auf den Straßen

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Bei starkem Wind ist am Freitag ein Baum auf ein Auto in der Hultschinerstraße in Münchner gestürzt. (Foto: Veronica Laber)
  • Elon und Felix werden den Münchnern ein stürmisches Wochenende bescheren. Auf den Straßen und Parks in und um München herrscht Lebensgefahr.
  • Die Münchner Feuerwehr musste bis zum Abend schon zu mehr als 120 Einsätzen ausrücken.
  • Die Stadt hat über ihr Katastrophenwarnsystem eine Warnung verschickt. Auch für weite Teile von Bayern gibt es Unwetterwarnungen.
  • Polizei und Feuerwehr sind in der gesamten Region im Dauereinsatz.

Elon und Felix kommen

Elon und Felix werden den Münchnern ein stürmisches Wochenende bescheren. Die beiden Tiefdruckgebiete werden von Orkanböen begleitet, die am Samstag im Raum München bis zu 110 Stundenkilometer erreichen können - das entspricht Windstärke 11.

Auf den Bergen, etwa im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, rechnet der Deutsche Wetterdienst sogar mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde. Bereits am Freitag fegte der Orkan mit 128 Stundenkilometern über die Gipfelkuppe des Wallbergs am Tegernsee.

In der Nacht zum Sonntag wird der Wind dann zunächst etwas abflauen, dafür gibt es dann verbreitet Schneeregen-, Schnee- und Graupelschauer, auch kurze Gewitter sind möglich. Und dann kommt der Orkan zurück. Das Bayerische Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass sich "die Hochwasserlage am Wochenende deutlich verschärfen" wird. Das gelte vor allem für den Bayerischen Wald.

Lebensgefahr in Münchens Parkanlagen

Für weite Teile Süd- und Ostbayerns wurden am Freitag Unwetterwarnungen ausgerufen. Die höchste Warnstufe gilt für den Alpenrand und den Bayerischen Wald. Die Stadt München verschickte eine Unwetterwarnung wegen befürchteter Orkanböen über ihr Katastrophenwarnsystem "Katwarn" - die Nachricht bekommen alle Bürger, die bei dem System registriert sind.

Sturmtief
:"Elon" wütet in Deutschland

Sturmtief "Elon" hat Norddeutschland erreicht. Starke Böen und Gewitter sorgen für Verspätungen bei der Bahn. Durch einen umstürzenden Baum auf einem Hamburger Schulhof werden zwei Mädchen schwer verletzt.

Lebensgefahr herrscht auf den Straßen sowie in den Wäldern und Parks in und um München. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung rät von einem Besuch der Münchener Grünanlagen dringend ab. Durch die extremen Böen könnten besonders alte Bäume so in Schwingung versetzt werden, dass Äste abrrechen oder Bäume umstürzen. Die Warnung gilt für den Englischen Garten, die Maximiliansanlagen und den Schlossgarten Nymphenburg.

Gesperrt war zeitweise die Friedrich-Eckart-Straße in Steinhausen: Dort hatte eine Okranböe eine mehr als zehn Meter hohe Tanne wie ein Streichholz abgerissen. Der umstürzende Baum riss eine Straßenlampe mit und durchschlug das Dach eines Kleinwagens. Die beiden Frauen im Auto kamen mit dem Schrecken davon - um etwa 50 Zentimeter. "Die beiden können zweiten Geburtstag feiern", entfuhr es einem fassungslosen Feuerwehrmann. Die Frauen wurden von Helfern betreut.

In der Ismaninger Straße in Bogenhausen zerrten die Böen so heftig an einem 18 mal 22 Meter großen Baugerüst, dass es umfiel und die Oberleitung der Tram herunterriss. Die Linie 16 wurde über die Schienen der 18er umgeleitet. Ersatzbusse fuhren zwischen Isartor und Herkomerplatz, während die Feuerwehr die Gerüstreste wegräumte und Techniker versuchten, die Oberleitung zu richten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) teilte am Spätnachmittag mit, die Behinderungen könnten sich noch "bis in den Abend hinein" ziehen.

Einen ersten Vorgeschmack haben die Münchner in der Nacht zum Freitag bekommen - größere Schäden blieben bei Böen von bis zu 75 Stundenkilometern aber aus. Während die Münchner Berufsfeuerwehr bis zum Freitagmittag wenig zu tun hatte, verzeichnete das Polizeipräsidium allein bis zum Morgen 39 Einsätze. Der Sturm riss Bauzäune und Mülltonnen um und entsorgte letzte Christbäume.

Autobahn und Bahngleise blockiert

Polizei und Feuerwehr sind in der gesamten Region im Dauereinsatz. Verletzt wurde bei zahlreichen Unfällen bisher zum Glück niemand. Bis zum frühen Nachmittag hatte der Sturm in Bayern allerdings noch nicht zugeschlagen. "Wir haben noch keine Schadensmeldungen", sagte ein Sprecher des Regensburger Polizeipräsidiums.

Ähnlich sah es auch in Oberbayern aus. "Bei uns gibt es noch nichts", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Rosenheim. Auch in der Oberpfalz hieß es: "Wir haben noch keine sturmrelevanten Schäden."

Anders in Richtung Starnberg: Am frühen Nachmittag blockierte ein Baum die Starnberger Autobahn. Auch auf die Autobahn zwischen Ober- und Unterhaching krachte ein Baum. In dieser Gegend wütete der Sturm besonders schlimm, ebenso im Raum Garching-Ismaning. Dort musste im Berufsverkehr die viel befahrene Bundesstraße 471 gesperrt werden. Bäume im Gleis führten unter anderem auf der S7 und der S20 zu Zugausfällen und Verspätungen.

Am Abend bremste der Sturm den Zugverkehr zwischen Rosenheim und Holzkirchen. Wie die Bayerische Oberlandbahn mitteilte, wird es voraussichtlich auch am Samstag noch zu Verzögerungen kommen. Es könne auch kurzzeitige Streckensperrungen geben.

Orkan legt Betrieb auf Zugspitze lahm

Der Sturm legte am Freitag auch den Skibetrieb an der Zugspitze lahm. Um 14 Uhr seien die Lifte an Deutschlands höchstem Berg abgeschaltet worden, sagte die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Verena Lothes. "Ein sicherer Skibetrieb kann nicht mehr gewährleistet werden." Die Eibseeseilbahn war bereits von 10.30 Uhr an außer Betrieb. "Die Zahnradbahn und die Gletscherbahn fahren aber bis auf Weiteres regulär", sagte Lothes.

Auch im Garmischer Classic-Skigebiet an Alpspitze, Kreuzeck und Hausberg mussten im Laufe des Freitags die Lifte schließen. Für den Samstag seien ähnliche Wetterbedingungen vorhergesagt. "Ob unsere Bahnen in Betrieb gehen können, wird erst dann entschieden", sagte Lothes. Es hänge auch davon ab, ob es über Nacht Sturmschäden gebe.

Am Freitagabend bremste der Sturm den Zugverkehr zwischen Rosenheim und Holzkirchen. Wie die Bayerische Oberlandbahn mitteilte, wird es voraussichtlich auch am Samstag noch zu Verzögerungen kommen. Es könne auch kurzzeitige Streckensperrungen geben.

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