bedeckt München 18°
vgwortpixel

Studie über Neu-Münchner:Familien ziehen selten nach München

Der größte Bonus - das überrascht die Experten nicht - ist das große Jobangebot. "Arbeitsplatz und Ausbildung, das sind die dominanten Gründe", bilanziert Hubert Müller, einer der Projektleiter der Studie. "Wenn das nicht mehr funktionieren würde, dann würde der Zuzug versiegen. Es gäbe keinen Grund mehr, in die teure Stadt zu ziehen." Denn viele nähmen wegen der tollen Berufsmöglichkeiten ganz bewusst auch Einbußen an Lebensqualität in Kauf, die beispielsweise die hohen Mietpreise mit sich bringen.

Weniger vorhersehbar war der am zweithäufigsten genannte Grund, nach München zu ziehen: das gute, flächendeckende Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Den Neubürgern ist es demnach wichtig, ohne Auto mobil zu sein. Eine Motivation, die zugleich als Auftrag für die Politik gelten kann, die Stadt der Zukunft möglichst autofrei zu gestalten.

Dann bliebe womöglich noch mehr Muße für den Lebensstil, der bei den Antworten an dritter Stelle rangiert. Biergartenkultur, Isar, Nähe zu Seen und Bergen - München glänzt auch hier, und der Magnet wirkt bis ins Ausland. "Für uns war dieses Ergebnis eher überraschend, zumal der münchnerische Lebensstil in der Wertigkeit fast gleichauf mit dem öffentlichen Nahverkehr liegt", sagt Müller. Und wer hergezogen ist, sei "überaus zufrieden mit seiner Wohnung und seinem Stadtviertel".

Dieses Ergebnis der 400-Seiten-Studie wird den Stadtrat erfreuen, dem die Expertise bald vorgestellt wird. Interessant dabei: Ziehen Einwohner aus der Region nach München, so fühlen sie sich oft schon vorher als Münchner. "Unter München verstehen viele den Gesamtraum", sagt Müller.

Dieses Denken sollte nach Ansicht des Geografen künftig auch für die Stadtentwicklung gelten. Denn Familien, so hat die Befragung ergeben, ziehen nur selten nach München: zu teuer. Andererseits hat die Stadt kaum noch Flächen, die sich für familiengerechte Wohnprojekte eigneten, erklärt Müller. "Wenn jemand mehr Quadratmeter braucht, dann müssen wir den oft ziehen lassen."

Immerhin habe die Befragung ergeben, dass Familien heute länger in der Stadt blieben als noch vor zehn Jahren. Das habe auch mit der schleichenden Urbanisierung des Großraums zu tun: Wer das Land sucht und günstiger wohnen will, muss schon sehr weit rausziehen.

Müller hält eine mit dem Umland abgestimmte Siedlungsplanung für geboten. Arbeitsteilig nennt der Stadtplaner das und prophezeit: "Der Druck auf die äußeren Bereiche wird wachsen."

© SZ vom 09.11.2011/tob
Zur SZ-Startseite