Studie der Kulturveranstalter Auf die Konzertsaaldebatte folgt die Hallendiskussion

Volkstümlich: Andreas Gabalier in der Olympiahalle.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Münchens Kulturveranstalter untermauern ihre Wirtschaftskraft mit einer neuen Studie und fordern mehr Unterstützung

Von Franz Kotteder

Von der Stadt grob vernachlässigt fühlt sich der Verband der Münchner Kulturveranstalter, in dem sich 55 Firmen, vor allem aus dem Bereich der Unterhaltungsmusik, zusammengefunden haben. "Die öffentlichen Stellen zeigen immer Verständnis für uns", klagt Vorsitzender Alexander Wolfrum, "aber damit hat sich's dann auch. Respekt und Anerkennung fehlen." Dabei seien die Veranstalter auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt : Der Jahresumsatz der Branche betrage immerhin mindestens 113,3 Millionen Euro, wie eine Umfrage unter den Verbandsmitgliedern ergeben habe. Jährlich erreiche man mit fast 6300 Veranstaltungen in München mehr als sieben Millionen Menschen.

Die Studie stellte der Verband am Dienstag der Öffentlichkeit vor. Sie basiert auf Fragebögen, die an die 55 Verbandsmitglieder2014 verschickt worden sind. 31 schickten sie anonym ausgefüllt zurück.

Von den 31 Antwortenden veranstalten 81 Prozent Konzerte, 3019 im Jahr 2014, 48 Prozent Partys (2727 in 2014), danach folgen Auftragsevents (39 Prozent), Festivals (23 Prozent) sowie Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Hauptversammlungen und andere Veranstaltungen (zusammen 19 Prozent). Was die gut sieben Millionen Besucher betrifft, deckt man ein breites Spektrum ab, die größte Gruppe stellen dabei mit 29 Prozent die 23- bis 30-Jährigen dar, ähnlich groß ist der Anteil der über 40-Jährigen. Auffallend ist auch, dass elf Prozent der Gäste Touristen sind. "Was Arbeitsplätze angeht", so Wolfrum, "können wir uns zwar nicht mit Siemens vergleichen, aber ganz ohne sind wir auch nicht." So beschäftigten die befragten Veranstalter fast 700 Festangestellte und 567 freie Mitarbeiter, darüber hinaus hingen weitere geschätzte 16 000 Arbeitsplätze von der Branche ab: Sicherheitsdienste, Lieferanten, Caterer und ähnliche Unternehmen.

Angesichts dessen sind die Veranstalter enttäuscht über die "stiefmütterliche Behandlung", die ihnen öffentliche Stellen entgegenbringen, wie Vorstandsmitglied Rüdiger Hoffmann sagt. "Wir können da leider nur neidvoll nach Städten wie Hamburg oder Berlin blicken." Dort würdige man die Kulturwirtschaft sehr viel mehr. Diese Behauptung sollten auch zwei Gäste bestätigen, etwa Jakob Schmid von der Hafencity-Universität in Hamburg, der eine Studie zum Thema Nachtökonomie erstellt hat. Ein funktionierendes Nachtleben sei wichtig für Urbanität, sagte er: "Es besteht nicht nur aus Lärmkonflikten, ist nicht nur lustig oder spannend, sondern es wird damit auch Geld verdient." Aus Berlin war Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcommission gekommen, die etwa 350 Musikspielstätten und 80 Clubs vertritt. Dort habe man zum Beispiel erreicht, dass bei der Genehmigung von Neubauten in der Nähe von Konzerthallen auch Schallschutzauflagen gemacht würden oder bei der Flächenvergabe nicht nur große Immobilienfirmen zum Zuge kommen, sondern auch Investoren aus dem Kultursektor.

Für Alexander Wolfrum ein neuerlicher Grund zur Klage: "Entlang der Spree soll es 60 Musikclubs geben, entlang der Isar gibt es null!" Auch fehle es an Open-Air-Flächen. Auf dem Königsplatz seien pro Jahr nur drei Konzerte erlaubt. Wende man sich an den Freistaat, etwa wegen des Englischen Gartens, werde man nur gefragt: "Brauchen Sie die Absage schriftlich?" Und bei der Planung für einen neuen Klassik-Konzertsaal sei man sowieso nie gefragt worden: "Vom Büro des Kulturministers Ludwig Spaenle haben wir lediglich gehört, dass man unser Gesprächsangebot prüfen werde. Seitdem herrscht Funkstille." Was dabei herauskomme, wenn man Veranstalter ignoriere, sehe man an der kleinen Olympiahalle. Die sei für viele Konzerte ungeeignet, weil man dort nicht mit großen Lastern anliefern könne.

Überhaupt fehle es in München nach wie vor an einer Halle für bis zu 5000 Zuschauer. "Bis 2020, wenn der Gasteig saniert wird", sagt Hoffmann, "muss die da sein." Denkbar sei als Standort die Olympia-Eissporthalle, an der Finanzierung könnten sich auch Sponsoren beteiligen.