bedeckt München 14°

Studie:Der neue Ansatz ist sinnvoller, sagen Experten

Anne Hübner begrüßt den neuen Ansatz der Forscher: "Man kann nicht 1000 Euro Einkommen in München mit 1000 Euro Einkommen in der Oberpfalz vergleichen." Am Ende sei die Kaufkraft entscheidend.

Die Kölner Forscher weisen freilich auch nach, dass es in ganz Deutschland ein starkes Stadt-Land-Gefälle gibt. Im Schnitt liege in Städten die Kaufkraft um neun Prozent unter dem Niveau der ländlichen Bezirke. Entsprechend groß seien auch die Unterschiede bei der Armutsquote. Sie liege zum Beispiel für Bayern insgesamt bei 12,3 Prozent und für Westdeutschland bei 14,8 Prozent. Köln dagegen kommt auf fast 27 Prozent, Berlin und Frankfurt auf mehr als 22 Prozent, Hamburg, Bonn und Düsseldorf liegen zwischen 21 und 22 Prozent.

Im Vergleich dazu schneidet München unter den deutschen Großstädten sogar noch einigermaßen gut ab. Nur 6,3 Prozent der Einwohner bezogen 2014 staatliche Unterstützungsleistungen wie Grundsicherung im Alter oder Hartz IV. In Stuttgart sind es 7,9 Prozent, in Nürnberg 10,9 Prozent, in Frankfurt 12,6 Prozent und in Berlin sogar 17,8 Prozent.

Armutsbekämpfung müsse vor allem Alleinerziehende, Alleinstehende, Personen mit Migrationshintergrund und nicht zuletzt Arbeitslose in den Blick nehmen, betont das Kölner Institut. Dieser Personenkreis mache in den Großstädten fast zwei Drittel der Bevölkerung aus, in eher ländlichen Gebieten aber nur knapp die Hälfte.

Im Herbst 2017 will das städtische Sozialreferat den nächsten Armutsbericht vorlegen, der sich auch ausführlich dem Thema Altersarmut widmen soll. München hat sich als erste Stadt in der Bundesrepublik mit den Ursachen von Armut auseinandergesetzt und erstmals schon 1987 einen entsprechenden Bericht erstellt.

© SZ vom 10.08.2016/hmai
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema