Süddeutsche Zeitung

Strompreise steigen um 13 Prozent:Watt jetzt?

In München steigen die Strompreise. Nach der Erhöhung der Stadtwerke denken viele über einen Wechsel des Versorgers nach. Die SZ erklärt, worauf Verbraucher achten müssen - denn nicht alle Anbieter halten, was sie versprechen.

Es ist ein happiger Aufschlag, der da auf die meisten Münchner Stromkunden zukommt. Zum 1. März werden die Stadtwerke die Preise um durchschnittlich 12,9 Prozent erhöhen. Das ist die höchste Steigerung seit Jahrzehnten. So mancher Verbraucher dürfte deshalb in den kommenden Wochen daran gehen, nach einer Alternative zu suchen.

Wieso steigen die Preise so kräftig?

Die Stadtwerke begründen den Anstieg vor allem mit höheren Abgaben an den Staat, die seit 1. Januar fällig werden. So stieg etwa die Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien von 3,6 auf 5,2 Cent pro Kilowattstunde; hinzu kommen weitere Umlagen, mit denen stromintensive Industrien subventioniert und Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung gefördert werden.

Werden auch andere Anbieter teurer?

Oh ja, und zwar nicht zu knapp. Derzeit rauscht eine Preiserhöhungswelle durchs Land. Laut dem Münchner Vergleichsportal Check24 haben bundesweit etwa drei Viertel der Grundversorger Preiserhöhungen für die ersten vier Monate 2013 angekündigt. "Wir gehen davon aus, dass die noch fehlenden in den kommenden Monaten nachziehen werden", sagt Eva Kollmann von Check24. Im Durchschnitt lägen die Preissteigerungen bei 12,1 Prozent.

Was kann man tun?

Verbraucherschützer raten dazu, den Anbieter zu wechseln - und so den Druck auf die Versorger zu erhöhen. "Der Wechsel ist in der Regel ganz einfach", erläutert die Verbraucherzentrale Bayern. "Sie brauchen sich nur einen Versorger zu suchen und mit diesem einen Vertrag abzuschließen. Alles Weitere erledigt er für Sie."

Wie findet man einen neuen Anbieter?

Im Internet bieten schon seit Jahren Vergleichsportale ihre Dienste an. Ob Check24, Verivox oder Toptarif - in der Regel sind die Vergleiche gratis. Der Verbraucher gibt seinen jährlichen Stromverbrauch (steht auf der Abrechnung) und ein paar weitere Daten ein - dann listet der Rechner die günstigsten Anbieter auf.

Was ist zu beachten?

Wichtig ist, die Preisabfragen bei mehreren Portalen zu starten - und sich so einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Denn die Portale finanzieren sich über Provisionen der Anbieter; manch eines stellt einen Versorger besser dar, als er in Wirklichkeit ist - etwa über Voreinstellungen, die dem Kunden Nachteile bringen können. Wer sich beispielsweise für "Vorauskasse" entscheidet, geht das Risiko ein, dass das Geld weg ist, sollte der Stromlieferant pleite gehen. Deshalb nur Voreinstellungen wählen, die man wirklich haben möchte.

Geht es nicht auch einfacher?

Klar. Wer den Vergleichsaufwand scheut, kann auch zum Telefonhörer greifen und bei seinem bisherigen Versorger anfragen, ob man nicht vielleicht in einen günstigeren Tarif wechseln kann. Denn nicht selten haben die Kunden noch einen Grundversorgertarif - und der ist in der Regel der teuerste. Sondertarife dagegen bieten oft bessere Konditionen. Aber Vorsicht: Da gelten dann oft auch neue Regeln etwa zu Mindestlaufzeiten und Kündigungsfristen.

Was ist noch wichtig?

"Je kürzer die Vertragsbindung ist, umso flexibler ist der Stromkunde", rät die Verbraucherzentrale Bayern - und empfiehlt Vertragslaufzeiten von nicht mehr als einem Jahr. Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen. Eine Preisgarantie ist sinnvoll - auch wenn Anbieter diese oft im Kleingedruckten wieder einschränken oder höhere Steuern und Abgaben doch an die Kunden weiterreichen.

Wie viel lässt sich denn nun sparen?

Laut Check24 zahlt ein Singlehaushalt (Jahresverbrauch: 1500 Kilowattstunden) im Grundversorgertarif der Stadtwerke von März 2013 an 482 Euro im Jahr. Wechselt er zum Anbieter Priostrom, spart er 146 Euro im Jahr. Ein Vier-Personen-Haushalt (4000 Kilowattstunden) führt beim Grundtarif der Stadtwerke von März 2013 an 1142 Euro jährlich ab. Ein Wechsel bringt hier 347 Euro Ersparnis pro Jahr. Und wie gesagt: Auch innerhalb des Stadtwerke-Tarifgefüges gibt es günstigere Angebote.

Und was ist mit Ökostrom?

Viele Verbraucher nutzen den Wechsel zum Umstieg auf Ökostrom. Auch die Stadtwerke legen den Kunden derzeit ihren Internettarif M-Ökostrom ans Herz, um zu sparen. Aber: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Die Stiftung Warentest rät, auf Zertifikate wie das "Ok-power-Label" oder das "Grüner-Strom-Label" zu achten. "Die legen die strengsten Maßstäbe an."

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Quelle:
SZ vom 03.01.2013/afis
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