Streit unter Rockerbanden:Hells Angels prügeln Bandido bewusstlos

Streit unter Rockerbanden: In Tabledance-Bar 'Bad Angel' ist ein Rocker von den Bandidos von mehr als zehn Hells Angels zusammengeschlagen worden.

In Tabledance-Bar 'Bad Angel' ist ein Rocker von den Bandidos von mehr als zehn Hells Angels zusammengeschlagen worden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Mitglied der Rockerbande Bandidos ist in einer Münchner Tabledance-Bar von mehr als zehn Hells Angels attackiert worden. Inzwischen hat ein Spezialeinsatzkommando das Clubheim gestürmt und zwei der Bosse festgenommen.

Von Florian Fuchs

Es war kurz vor sechs Uhr morgens am Samstag, als es krachte in der Tabledance-Bar "Bad Angel" im Bahnhofsviertel an der Ecke Schwanthalerstraße/Schillerstraße. Ein österreichischer Rocker von den Bandidos hatte mit drei Freunden bereits ordentlich gefeiert, als mehr als zehn Hells Angels den Club betraten. Die "Engel", wie die Polizei die Mitglieder des Rockerclubs nennt, gingen in einer Lounge unvermittelt auf den Bandido los, schlugen ihn zu Boden und traten ihn mit den Füßen.

Am Ende gab es vier Verletzte, es folgten Hausdurchsuchungen und Festnahmen mit Hilfe des Spezialeinsatzkommandos (SEK) im Clubhaus der Hells Angels: Zwei der Täter gehören zum Führungszirkel der Rockervereinigung. Die Polizei gibt dennoch Entwarnung: Nach "derzeitigem Lagebild und Aussagen von Rockern", erklärt Andreas Gollwitzer vom Kommissariat für Organisierte Kriminalität, "ist nicht mit Folgeaktionen oder Vergeltungen zu rechnen." Von einem Rockerkrieg soll also nicht die Rede sein, das Motiv für den Überfall ist aber noch unklar.

Verprügelt und bestohlen

Der Bandido erlitt Brüche und Prellungen und ist laut Polizei kurzzeitig bewusstlos gewesen, später fehlte ihm eine teure Armbanduhr und eine Goldkette. Mit seinen drei Freunden gelang ihm die Flucht durch einen Seiteneingang, auch die Mitglieder der Hells Angels verließen das Lokal, bevor die Polizei eintraf. Ein unbeteiligter Gast trug Verletzungen davon.

Noch am selben Tag identifizierten Fahnder bei ihren Ermittlungen zwei Bosse der Hells Angels als Täter. Das Spezialeinsatzkommando stürmte das Clubheim. Anschließend durchsuchte die Polizei den Treffpunkt sowie zwei Privatwohnungen und stellte zahlreiche Beweismittel sicher, darunter auch Kleidungsstücke aus der Tabledance-Bar.

Die Polizei will nun klären, warum der Bandido aus Österreich überhaupt mit Freunden in der Münchner Bar war und warum die Hells Angels über den Besuch dieser Gäste informiert worden waren. Das "Bad Angel" ist der Polizei trotz des Namens bisher nicht als Club bekannt, in dem Mitglieder der Hells Angels verkehren. "Die Vernehmungen und Ermittlungen zu den Hintergründen der Schlägerei laufen noch", sagt Gollwitzer.

Bis zu 180 Rocker gibt es in München

Laut dem Ermittler gibt es in München 150 bis 180 Rocker. Der größte Club in der Stadt sind die Hells Angels, gefolgt von den Bandidos. Andere Clubs wie Gremium MC und Trust MC spielen kleinere Rollen. "Die Lage in München ist anders als in Norddeutschland", sagt Gollwitzer. Die Rocker hier seien nicht derart verfeindet wie etwa in Hannover, weil sie früher in Münchner Clubs organisiert waren und dann erst in Hells Angels und Bandidos aufgingen. "Die sind miteinander aufgewachsen", sagt Gollwitzer.

Allerdings warnte die Polizei bereits im Sommer 2012, dass sich die Rockerclubs zunehmend im Münchner Umland ausbreiten und sogenannte Supportergruppen gründen, um sich bei Straftaten - Drogenhandel, Rotlicht, Waffengeschäfte - nicht selbst die Hände schmutzig zu machen. Erst Anfang März hatte die Polizei bayernweit mit 1750 Beamten 136 Wohnungen und Büros von Rockergruppen durchsucht und Waffen sowie Drogen konfisziert.

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