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Streit unter Musikern:Wer im Wiesn-Zelt für Stimmung sorgt

Anders als im hohen Norden behauptet, spielt nur die Kapelle von Sepp Folger in der Fischer-Vroni.

(Foto: privat)

Darüber können sich zwei Musikanten partout nicht einig werden. So landet der Streit, den der eine als "lächerlich" und der andere als "Kindergarten" bezeichnet, vor Gericht.

So eine Wiesn wie vergangenes Jahr will Sepp Folger nicht mehr erleben. Da stand der Kapellmeister der Fischer-Vroni in eben jener auf der Bühne und wollte eigentlich nur das tun, was er seit über 25 Jahren tut: den Taktstock zur Blasmusik durch die Luft wiegen. Doch die Wiesn-Gaudi wurde ihm vermiest durch diese Artikel einer westfälischen Lokalzeitung, die ihm ständig jemand unter die Nase hielt. Fast wäre der Kapellmeister aus dem Takt gekommen ob der in seinen Ohren ungeheuren Taktlosigkeit, die er da las:

Ein gewisser Eduard S. und seine "Oktoberfest-Musikanten" sollten jahrelang "Stimmungsgarant in der Fischer-Vroni" gewesen sein, war dort zu lesen. Dabei traf das doch nur auf ihn zu, Sepp Folger. Schon im Juli hatte der Kapellmeister eine E-Mail gen Norden in den westfälischen Ort Hagen geschrieben, um auf den Fehler in der Berichterstattung aufmerksam zu machen. Freudig pries die Lokalzeitung dort ihr Oktoberfest an, wo es bayerische "Schmakerln" geben sollte und "a gscheid Musi", eben von Eduard S.

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Der meint nun, die Hagener hätten es mit der Werbung für ihn ähnlich genau genommen wie mit der bayerischen Aussprache. Natürlich sei die Behauptung falsch, dass seine Kapelle in der Fischer-Vroni gespielt hätte, richtig sei aber, dass er und andere Mitglieder seiner Truppe schon öfters in verschiedenen Kapellen auf der Wiesn musizierten. Als Trompeter saß S. sogar schon bei Sepp Folger in der Fischer-Vroni.

Er habe versucht, den Fehler richtig zu stellen, sagt S., nur leider "erfolglos". Sepp Folger sieht das anders. "Ich kann machen, was ich will", soll ihm S. in einer E-Mail geschrieben haben. Folger tat nun auch wonach ihm gerade war: In Garmisch-Partenkirchen, wo S. lebt und spielt, sagte er der Presse, dass "Eduard S. und die Oktoberfest-Musikanten" noch nie auf der Wiesn in München gespielt hätten.

S. will das nun so verstanden haben, als wäre er als Einzelperson noch nie Wiesn-Musikant gewesen, Folger will aber nur die ganze Kapelle gemeint haben. So landete der Streit, den der eine als "lächerlich" und der andere als "Kindergarten" bezeichnet, vor Gericht. Wer nun was gesagt und wenn ja, wie gemeint habe, das konnte auch von der Richterin nicht "abschließend geklärt" werden, heißt es vom Landgericht München II. Die Verhandlung endete in einem Vergleich: Kapellmeister Folger darf nicht behaupten, S. habe nie auf der Wiesn gespielt und S. darf seine Kapelle nicht mehr "Oktoberfest-Musikanten" nennen. Ansonsten droht beiden eine Strafe von 4000 Euro. Auch wenn die zwei sich in kaum etwas einig sind, in einem stimmen sie überein: Zusammen in einer Kapelle werden sie wohl nicht mehr spielen.

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