Streit um Klohäusl am Holzplatz Schrilles Örtchen

Es war mal ein Klohäusl, es soll eine Eisdiele werden - aber der Streit um das denkmalgeschützte Häuschen geht weiter.

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Aus dem Klohäusl am Holzplatz soll eigentlich eine Eisdiele werden. Dagegen regt sich nun wieder Protest. Diesmal geht es um drei Fenster - für Pächter Thomas Bartu geht es aber noch um einiges mehr.

Von Sebastian Krass

Natürlich gab es Momente des Zweifels. Momente, in denen die Frage aufkam, ob es vielleicht besser wäre aufzugeben. Nicht dass Thomas Bartu sich die Frage selbst gestellt hätte. Aber die Leute haben ihn gefragt. "Manche meinen auch, ich sei plemplem", sagt Bartu. Seit ziemlich genau einem Jahr hat er von der Stadt das ehemalige Klohäusl am Holzplatz gepachtet. Eine Eisdiele wollte er dort aufmachen, in bester Lage, mitten im Glockennachviertel. Doch daraus wurde nichts im vergangenen Jahr, daraus wird nichts in diesem Jahr. Und ob überhaupt je etwas draus wird, ist ungewisser denn je.

Bisher hatte Bartu nur Scherereien mit diesem etwas heruntergekommenen und zugleich denkmalgeschützten Pavillon. Aber aufgeben, das kommt für ihn nicht in Frage, "ich bin ein Kämpfer". Und so kämpft er nun vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt und die dortigen Denkmalschützer.

Die gestatten ihm, in eine der acht bisher geschlossenen Wände ein Verkaufsfenster einzubauen. So hatte Bartu es zunächst beantragt. Doch dann beantragte er drei Fenster. Die braucht es, glaubt er inzwischen, um der Eisdiele einen attraktiven Auftritt zu verschaffen - und um sie nicht auch im Hochsommer innen künstlich beleuchten zu müssen. Das wäre widersinnig, findet Bartu. Zumal er Bio-Eis verkauft. Und überhaupt: "Wir wollen ja nicht den Look eines Pissoirs erhalten." Aber drei Fenster "würden das Denkmal zu sehr verändern", erklärt ein Sprecher des Planungsreferats, zu dem auch die Untere Denkmalschutzbehörde gehört. Man habe die Frage im Übrigen auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege besprochen.

Bartu findet die Argumentation inakzeptabel. In der Klage, die seine Anwältin eingereicht hat, heißt es, das Häuschen befinde sich längst nicht mehr im Ursprungszustand von 1900. "Und so wie es derzeit aussieht, muss man sich fragen: Was ist das noch für ein Denkmal?", sagt Bartu. "Die Stadt lässt es verkommen." Er ist darauf eingestellt, dass das Gerichtsverfahren gut und gern eineinhalb Jahre dauern kann. So lang wird sich wohl nichts tun.

Bartu will keine Übergangslösung

Die aktuelle Auseinandersetzung hat inzwischen eine stattliche Vorgeschichte. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass das Kommunalreferat das seit Jahrzehnten ungenutzte Klohäuschen zur Verpachtung ausschrieb. Zunächst bekamen zwei junge Musiker den Zuschlag, die dort eine Würstlbude nach Wiener Vorbild aufmachen wollten. Schnell formierte sich Protest in der Nachbarschaft. Die Anwohner fürchteten zu viel Lärm. Die Musiker überlegten es sich dann ohnehin anders, so kam Bartu zum Zug. Seit dem 1. Mai 2013 ist er Pächter des Häuschens. Auch er musste sich schnell mit Widerstand aus der Nachbarschaft auseinandersetzen. Dem Lärmszenario versuchte er mit der Zusicherung entgegenzutreten, um 22 Uhr zuzusperren und keine Getränke zu verkaufen.

Doch er hatte auch den Verein Kiez und Kultur, der unter anderem den "Pink Christmas"-Markt auf dem Stephansplatz organisiert, gegen sich. Der Verein setzte sich dafür ein, aus dem Pavillon einen Ausstellungsraum zu machen. Das Ziel: an die einstige Verfolgung Homosexueller in München zu erinnern. Denn die nutzten das Klohäusl in früheren Tagen als Treffpunkt, es firmierte auch als so genannte Klappe. Der Verein reichte sogar eine Petition im Landtag ein, um die Umwidmung zur Eisdiele zu verhindern. Doch der beschied, nichts gegen die Pläne zu haben. Der Protest des Vereins ist also ins Leere gelaufen. Der Motor hinter dieser Initiative war im Übrigen ein Mann namens Robert Maier-Kares, der um die Ecke in der Pestalozzistraße selbst eine Eisdiele betreibt.

Dass Bartu es ernst meint mit seinem Kampf, ist klar. Nur, was treibt ihn an? "Es ist mein Ehrgeiz, schöne Eisverkaufsstände an charismatischen Plätzen zu haben", sagt er. Bisher ist sein Unternehmen mit einer Eisdiele in der Wilhelmstraße in Schwabing präsent. Nun will Bartu, der früher unter seinem Namen eine Schuhkette betrieb, die er aber längst verkauft hat, mit seinem Eis weitere Stadtviertel erobern. Eines Tages will er auch am Viktualienmarkt präsent sein.

Bartu könnte es auch anders machen: Er könnte am Holzplatz erst einmal mit einem Fenster aufsperren und abwarten, was der Prozess erbringt. Das wäre aus Sicht des Planungsreferats kein Problem. Aus Sicht von Bartu allerdings schon. Er will keine Übergangslösung. "Der Umbau wird sowieso um die 100 000 Euro kosten. Ich habe keine Lust, später noch mal rumzuschustern", sagt Bartu. "Und wenn ich vor Gericht die Genehmigung nicht kriege, dann sitze ich hinterher mit einem Fenster da, das ist doch auch nix." Erst wenn er vor Gericht verlieren sollte, sagt Bartu, "gibt es die Option aufzugeben".