Streit mit dem Bayerischen Rundfunk Fan-Gesänge und ein Missklang

Der FC Bayern feiert den Pokal - während um die TV-Übertragung Irritationen entstehen

Von Nina Bovensiepen und Philipp Crone

Dass eine fröhliche Fußballfeier zum Politikum gerät, ist eher selten. Doch genau das passierte an diesem Sonntag, an dem der FC Bayern seinen Pokalsieg gegen Dortmund mit einem zweiten Auftritt auf dem Münchner Rathausbalkon krönen wollte, wo vor einer Woche bereits die deutsche Meisterschaft gefeiert worden war. Kurz vor Festbeginn sorgte eine Twitter-Mitteilung des Bayerischen Rundfunk (BR) für Irritationen: "Wegen einer nicht erfüllbaren finanziellen Forderung des FCB können wir die Feier nicht übertragen", hieß es dort um 12.23 Uhr. In der Vergangenheit war eine Live-Übertragung der Feierlichkeiten im BR fast genau so Tradition wie der Auftritt auf dem Rathausbalkon selbst. Was war passiert?

Der FC Bayern wollte dieses Mal der Tradition gewisserweise ein Novum hinzufügen - und den BR an den Kosten der Pokalfeier beteiligen. Konkret fragte der Verein bei dem öffentlich-rechtlichen Sender Ende der vergangenen Woche an, ob er sich mit 150 000 Euro an der Feier beteiligen würde. Insgesamt entstünden für den Verein Kosten in Höhe von etwa 300 000 Euro, ungefähr 75 Prozent davon für die Sicherheit. Das wollten die Bayern nicht zum zweiten Mal kurz hintereinander alleine tragen, daher also die Anfrage. Der Sender habe dies unmissverständlich ausgeschlossen - auch aus rechtlichen Gründen, weil Beitragsgeld nicht für solche Zwecke verwendet werden dürfe, wie der BR argumentiert. Daraufhin beschloss der FC Bayern, mit dem "Automatismus" zu brechen, dass immer der BR live überträgt. Stattdessen wurden die Senderechte an Sport1 gegeben - umsonst. Und der FC Bayern zeigte die Double-Feier auf seiner eigenen Homepage im Live-Stream.

Dass der Vorgang bei Bayern wie BR für größere Friktionen gesorgt hat, zeigte sich dann auch im Umgang damit. Etwa mit dem Tweet sowie einer am Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung des BR - die beide zunächst keine umfassende Erklärung lieferten, sondern nur über die ausfallende Übertragung informierten. Dann allmählich sickerten die Hintergrundinformationen durch. Und dann ließ auch der Pokalsieger eine Pressemitteilung und andere Erklärungen folgen. Ob damit alles gesagt ist zu dem neuen Verhältnis zwischen dem Fußballriesen und dem Senderriesen in der Stadt? Wohl nicht.

Ein anderes Verhältnis bekam am Sonntagnachmittag noch einmal eine neue Wendung: das zwischen dem scheidenden Bayern-Trainer Pep Guardiola und den Fans des FC Bayern, von denen 10 000 zur Pokalsause auf den Marienplatz kamen. Guardiolas letzte Rede war der Höhepunkt der Party, die etwa eine halbe Stunde dauerte. Vom Feiern gezeichnete Spieler schlurften zunächst durch den Hof des Rathauses, viele mit Sonnenbrille, die meisten sahen den Gang auf den Balkon eher als letzte Pflicht vor dem dringend benötigten Schlaf an.

Die Spieler marschierten an den Fans vorbei, Guardiola schrieb Autogramme. Auf dem Balkon standen sie dann vor den Anhängern, jeder Spieler wurde an die Brüstung gebeten und bejubelt, Guardiola stand direkt dahinter und sah all seine Spieler noch einmal an sich vorbeiziehen. Als Einziger hatte er ein Glas Wein in der Hand, das er sich nachfüllen ließ, während etwa Joshua Kimmich beim Anblick von Alkohol abwinkte. Guardiola knuffte Robert Lewandowski, dass der sich vor Lachen schüttelte, sagte etwas zu Franck Ribéry, dass der breit grinste, sang den "Stern des Südens", applaudierte Jérôme Boateng bei dessen Beatbox-Einlage. Der Trainer schüttelte nur den Kopf, als Lewandowski zum Refrain seines Songs "Robert, Robert, Robert" den Pokal umtanzte, als sei es eine Pole-Dance-Stange. Als dann Karl-Heinz Rummenigge das Kunststück fertig brachte, beim Geburtstagssong für Vidal nicht einen Ton zu treffen, war die Bühne für Guardiola bereitet. Er dankte den Fans, der Stadt, dem Land. Er werde all das sehr vermissen, sagte er, und dann, ganz langsam und mit Nachdruck: "Auf Wiedersehen!" Das versöhnliche Ende eines Tages mit manchem Missklang.