Streit in Wählergruppe Einsamer Hut-Chef

Daran, nun selbst den Hut zu nehmen, sagt Zeilnhofer-Rath, denke er nicht.

(Foto: Stephan Rumpf)

In der Wählergruppe Hut gibt es Streit: Entscheidungen trifft Wolfgang Zeilnhofer-Rath gerne im Alleingang. Er gilt daher als "extrem autokratisch". Sechs Vorstandsmitglieder sind nun geschlossen ausgetreten.

Von Andreas Glas

Laut Wikipedia ist der Name der Wählergruppe Hut ja eine Abkürzung - für "humanistisch, unabhängig, tolerant". Aber weil er sich so schön für Wortspiele anbietet, hatten sich die Mitglieder ihren Namen zunutze gemacht, und waren im Straßenwahlkampf stets mit Kopfbedeckung aufgetreten. Inzwischen scheint in der Wählergruppe nur noch einer den Hut auf zu haben: Vorstand Wolfgang Zeilnhofer-Rath, der im März als einziges Hut-Mitglied in den Stadtrat gewählt wurde.

Das jedenfalls berichten sechs Gründungsmitglieder, die Zeilnhofer-Rath als "extrem autokratisch" bezeichnen - und deshalb am Freitag geschlossen aus der Wählergruppe ausgetreten sind. Weil unter den Zurückgetretenen auch die beiden stellvertretenden Vorsitzenden sind, steht Hut-Chef Zeilnhofer-Rath nun ziemlich allein da.

Angefangen hat alles wohl damit, dass die Wählergruppe sich nach der Stadtratswahl auf eine Fraktionsgemeinschaft mit der FDP und den Piraten eingelassen hatte. Was wie eine gemeinschaftliche Entscheidung aussah, stellen die ausgetretenen Hut-Mitglieder nun als Alleingang ihres Stadtrats Zeilnhofer-Rath dar: "Weder der Vorstand, noch die restlichen Mitglieder der Wählergruppe Hut wurden in diese Entscheidung einbezogen", heißt es in der offiziellen Austrittserklärung, deren Verfasser, Hut-Kassenprüfer Thomas Bauerfeind, auch klar macht, dass man niemals für ein Bündnis mit FDP und Piraten gestimmt hätte: "Das geht ja gegen unser Konzept, dass wir politisch unabhängig sein und wegkommen wollen von personenbezogener Politik. Die Leute haben ja dieses Konzept gewählt und nicht Zeilnhofer-Rath." Entsprechend heftig sei die Reaktion der Wähler auf die Nachricht vom Bündnis mit FDP und Piraten gewesen, sagt Bauerfeind: "Es gab bitterböse E-Mails und wir mussten uns echten Beschimpfungen aussetzen."

Nach dem Alleingang ihres Vorsitzenden in der Fraktionsfrage habe man mehrfach versucht, Zeilnhofer-Rath davon zu überzeugen, "Strukturen zu schaffen, um das ursprüngliche Konzept der Wählergruppe Hut noch umsetzen zu können", heißt es in der Austrittserklärung. Man habe Zeilnhofer-Rath vorgeschlagen, einen Beirat zu installieren, der ihm bei der Entscheidungsfindung unterstütze: "Wir wollten, dass er die Wählergruppe über seine Entscheidungen zumindest informiert und vorher mit uns durchgeht", sagt Thomas Bauerfeind. Bei einer Mitgliederversammlung sei dieser Vorschlag dann von Zeilnhofer-Rath "mehr oder minder elegant abgeschmettert worden".

Der Hut-Chef selbst reagierte auf den Austritt und die Vorwürfe verständnislos: "Der Großteil ist an den Haaren herbeigezogen", sagte Wolfgang Zeilnhofer-Rath der SZ. Der Vorschlag der sechs ausgetretenen Mitglieder, ihm einen Beirat zur Seite zu stellen, sei nichts weiter gewesen als der Versuch, "Kontrolle über meine Person zu übernehmen. Sie wollten bestimmen, was ich zu tun und was ich zu lassen habe." Dass ihm nun ausgerechnet "ein Oligarchensystem" mangelnde Demokratiebereitschaft vorwerfe, sei für ihn die eigentliche Unverschämtheit. Deshalb denke er darüber nach, rechtliche Schritte gegen die sechs ausgetretenen Mitglieder einzuleiten. Daran, nun selbst den Hut zu nehmen, sagt Zeilnhofer-Rath, denke er dagegen nicht.