Stream-Festival:Die Hilfe der Netzwerker

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Sabine Gistl

Sabine Gistl ist eine treibende Kraft hinter dem Projekt.

(Foto: Privat)

"Beats for Bukoba" sammelt Geld für eine Schule in Tansania

Von Michael Zirnstein

Vor zwanzig Jahren machte sich ein wilder Haufen Münchner Werbeleute auf den Weg nach Hamburg, um "Chickeria" zu gewinnen, den Grand Prix de la Chanson der Medienagenturen. Sie hatten einen Song im Gepäck, beste Laune und die Original-Knallbonbonkostüme der Band Tschingis Khan, das sollte reichen für den Sieg. Am Ende wurden Tschingis Plan (benannt nach dem Reklameriesen Serviceplan, den sie vertraten) von einer Trommlergruppe geschlagen, "völlig unverdient", wie Sabine Gistl mehr im Scherz als im Schmerz sagt.

Neulich erinnerte sich die Hotel-Designerin und Kinderbuch-Illustratorin ("Der Floffl hat immer Recht") an den Auftritt. Sie saß mit ihrem alten Freund Sebastian Schwarzer, inzwischen "Vize President Creation" bei der Seven One Entertainment Group, und einer Gitarre zusammen, um den Lockdown aufzulockern. Sie spannen herum und setzten sich ein ehrgeiziges Ziel. Ein Projekt müsse her, aber ein richtig "schön stressiges". Bis März wollten sie ein großes Benefiz-Konzert auf die Beine stellen. Sie trommelten die alte inzwischen verstreut lebende Tschingis-Gang zusammen und meldeten sich bei Clemens Mulokozi. Der sei auch dabei gewesen, aber obwohl er Jazztrompete studiert hatte nie als aktives Bandmitglied, sondern eher als Groupie", wie Gistl sagt. Mulokozi hat längst das Agentur- und Consultant-Leben eingetauscht für sein Lebenswerk. 2008 hat der Münchner den Verein "Jambo Bukoba" gegründet, der sich um Schulbildung und Gesundheit von Kindern in der Heimat seines Vaters im Nordosten Tansanias kümmert. Dafür hat ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 mit dem "Startsocial Award" ausgezeichnet. Gistl war auch schon aktiv für den Verein: Sie sprang zusammen mit Mulokozi am 24. Dezember in den eiskalten Riemer See, für diese "Challenge" gab ein Sponsor eine große Summe Geld.

Beim Stream-Festival "Beats for Bukoba" geht es nun um 28 667 Euro. Damit sollen zwei Klassen- und ein Lehrerzimmer an der Ntungamo Grundschule gebaut werden, in der sich derzeit 1264 Schüler in acht Räume zwängen. Das Online-Konzert kostet keinen "Eintritt". Viel mehr wollen Gistl und das Orga-Team mit musikalischen Darbietungen die Herzen der Zuseher öffnen, damit diese eventuell ihre Portemonnaies aufmachen. Zwanzig eigens dafür produzierte Videobeiträge mit Musik und Ansagen "voller Herzblut" sind laut Gistl eingegangen. Die sendet sie am Sonntag, 20 Uhr, in einer zweieinhalbstündigen Show aus der Zentrale, ihrem Wohnzimmer, in dem dann auch Mulokozi und Nina Eichinger sitzen und etwas dazu erzählen. Die Fernsehmoderatorin wohnt im selben Haus wie Gistl, man passt gegenseitig auf die Hunde auf.

Auf so persönliche Weise kamen alle Beteiligten zusammen. So ist Gistl mit der Sopranistin Anna Karmasin befreundet, die nicht nur in der Carnegie Hall und der Münchner Philharmonie singt, sondern auch mal zusammen mit Gistl beim Abenteuerurlaub auf dem "Burning Man Festival" in den USA die tägliche Kaffee-Ration "erjodelt". Für Bukoba singt Karmasin "Summertime" und die Beatles-Ballade "Till There Was You". Gloria del Fogon lernte sie kennen, als sie beim Polo-Spielen in Buenos Aires war. Die Köchin des Abendessens entpuppte sich als singende "Gastrokünstlerin"; seitdem sind sie befreundet. Auch andere knüpften ihr Netzwerk an: Muzokoli brachte die Weltmusik-Feingeister Quadro Nuevo ins Spiel und den R'n'B-Star Dreion. Sebastian Schwarzer kannte die Pop-Band Cosby, die brachten den Hit-Lieferanten Malik Harris mit und Nina Eichinger den Schauspieler und "Masked Singer"-Gewinner Tom Beck. "So puzzelt sich das zusammen", sagt Gistl über eine Wundertüte an Stars und Unbekannten vom sieben Mal für einen Grammy nominierten Norweger Øyvind Gimse über die Grimme-Preisträgerin Anke Greifeneder, Buck Roger & The Sidetrackers aus München und den St. Don Bosco Chor aus Bukoba. Max Raabe und Sting hätten sich entschuldigt, weil sie bis zum Hals in Projekten stecken, sagt Gistl, "beim nächsten Mal kommen sie uns aber nicht aus". Denn es soll auf jeden Fall ein Folgeprojekt geben und am liebsten auch eine Live-Welttournee. Ziele setzen und Optimismus verbreiten ist schließlich die Spezialität von Agenturleuten.

Beats für Bukoba, So., 21. März, 20 Uhr, beatsforbukoba.com

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