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Straßenmusiker in München:Mehr Jazz, weniger Regeln

Straßenmusiker in München

Saxophonist Peter Schrameier tritt regelmäßig in München auf. Es geht ihm nicht ums Geld: "Wichtig ist nichts außer gute Musik."

(Foto: Stephan Rumpf)

Konzertflügel sind erlaubt, Jazz-Saxophone verboten: München reglementiert streng, wer als Straßenmusiker mit welchem Instrument auftreten darf. Dabei täte die Stadt gut daran, ihre Vorschriften zu lockern. Und auch das Musikverbot an Bahnhöfen gehört endlich überprüft.

Ein Kommentar von Andreas Schubert

Fast alle Straßenmusiker Münchens beherrschen ihre Kunst auf Profi-Niveau. Das liegt daran, dass die Stadt sehr streng reglementiert, wer im Zentrum auftreten darf und welche Instrumente die Musiker spielen dürfen. Das erscheint auf den ersten Blick sinnvoll: Passanten sollen in aller Ruhe bummeln dürfen, ohne von allen Seiten mit akustischem Müll beschallt zu werden.

Doch diese Fürsorge der Verwaltung ist übertrieben. Gerade einmal zehn Lizenzen gibt es pro Tag, das ist angesichts der Größe der Innenstadt sehr wenig. Die doppelte Zahl würde wohl keinen stören, im Gegenteil: Straßenmusik ist eine Bereicherung für die Stadt.

Wegen der knappen Lizenzen kommt es zu Rivalitäten unter den Musikern. Viele Gruppen und Solokünstler, die zwar virtuos spielen, aber den behördlichen Standards nicht entsprechen, sind gezwungen, ihrer Kunst illegal nachzugehen und ein Bußgeld zu riskieren. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum eine moderat verstärkte E-Gitarre oder ein Jazz-Saxofon verboten sind, nicht aber eine ebenso laute Klarinette oder gar ein Konzertflügel.

Die Szene in der Fußgängerzone ist lebendig, und sie sollte es auch bleiben dürfen. Wenn Musiker aber Angst haben müssen, wegen hoher Geldstrafen pleite zu gehen, ist die Vielfalt gefährdet. Es täte der Stadt gut, die Vorschriften zumindest ein wenig zu lockern. Sonst wird aus dem abwechslungsreichen Klang der Innenstadt irgendwann ein langweiliger Einheitsbrei.

Auch das generelle Musikverbot in U- und S-Bahnstationen gehört endlich überprüft. In den Bahnhöfen von Weltstädten wie Paris oder New York sind Musiker geduldet und sorgen für besonderes Flair. Nur der Münchner Verkehrsverbund glaubt, dass die Fahrgäste sich prinzipiell gestört fühlen - was für ein langweiliger, provinzieller Trugschluss! Für Fußgängerzonen wie für den Untergrund sollte gelten: Wer nicht zuhören will, der muss schließlich nicht stehenbleiben.

© SZ vom 26.08.2013/wolf
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