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Strafzahlungen:Die S-Bahn muss büßen

Ein S-Bahn-Zug beim Einfahren.

Ob dieser Zug wohl zu spät war? Eine S-Bahn bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die S-Bahn-Fahrer in München sind so zufrieden wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wegen verspäteter und verschmutzter Züge muss das Unternehmen dennoch 1,77 Millionen Euro Strafe an den Freistaat zahlen. Das ist deutlich mehr als 2011 - und deutlich mehr als die S-Bahn in Nürnberg abführen muss.

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr Strafzahlungen in Höhe von 1,77 Millionen Euro an den Freistaat leisten müssen, weil die Münchner S-Bahnen verspätet oder verkürzt unterwegs waren oder weil Qualitätsmaßstäbe, etwa zur Sauberkeit in den Zügen, nicht eingehalten wurden. Das teilte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf Anfrage der SZ mit. Die BEG bestellt und bezahlt im Auftrag des Freistaats bei der Bahn und deren Konkurrenten die Leistungen im Schienennahverkehr. Fahren die Regionalzüge und S-Bahnen verspätet oder mit weniger Waggons als bestellt, behält die BEG Abschläge ein, sogenannte "Pönale".

Im Vergleich zum Vorjahr schnitt die S-Bahn 2012 dabei schlechter ab: 2011 hatte die Bahn als Betreiberin des Münchner S-Bahn-Netzes noch 1,35 Millionen Euro an Strafzahlungen abführen müssen - also 420.000 Euro weniger als 2012. Im vergangenen Jahr hatte die S-Bahn unter anderem während des Frühjahrs mit einem Mangel an Lokführern zu kämpfen gehabt; auch mehrere Gleisbaustellen, etwa am Leuchtenbergring oder auf der Stammstrecke zwischen Ostbahnhof und Pasing, behinderten den Betrieb.

Bayernweit floss der BEG im vergangenen Jahr eine leicht höhere Summe aus Strafzahlungen zu als 2011. 9,79 Millionen Euro behielten BEG-Chef Fritz Czeschka und seine Leute im vergangenen Jahr ein - knapp 300.000 Euro mehr als im Vorjahr. In der Summe sind sämtliche Anbieter enthalten, die die BEG in Bayern mit Zugstrecken betraut hat - also auch Konkurrenten der Deutschen Bahn wie die Bayerische Oberlandbahn (BOB) oder der Anbieter Agilis, der das Schienennetz rund um Regensburg betreibt. Laut Czeschka konnte die BEG 2012 mehr Geld von den Verkehrsunternehmen einbehalten, weil "in einem Großteil der Netze etwas niedrigere Pünktlichkeitswerte" erreicht wurden, die Züge also mit teils deutlichen Verspätungen unterwegs waren.

Die Deutsche Bahn selbst betont allerdings immer wieder, dass sie im Großen und Ganzen mit dem Betrieb der Münchner S-Bahn zufrieden ist. So habe zum Beispiel bei einer Kundenbefragung im Herbst die Zufriedenheit der Fahrgäste den höchsten Wert seit fünf Jahren erreicht. Zudem habe man unter anderem durch Investitionen in neue Stellwerkstechnik (etwa in Pasing oder am Ostbahnhof) den Betrieb stabilisiert. Und das, obwohl die Zahl der Störungen, die beispielsweise durch Personen im Gleis verursacht wurden, im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 262 Fälle gestiegen sei. Auch die Zahl der Notarzteinsätze innerhalb des S-Bahn-Netzes hatte sich laut Bahn 2012 um vier auf 249 erhöht.

Dennoch sehen Fahrgastvertreter weiterhin Verbesserungsbedarf bei der S-Bahn. Insbesondere bei Störungen fühlten sich viele Fahrgäste nach wie vor allein gelassen, kritisiert die "Aktion Münchner Fahrgäste". Auch das Pönalesystem der BEG sei "komplett undurchsichtig" und daher nicht wirklich geeignet, um den Schienennahverkehr zu verbessern, sagt Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Schwachstellen im Schienennetz, für die die Infrastrukturtochter der Bahn verantwortlich sei, würden nicht mit Pönalen belegt.

BEG-Chef Czeschka setzt dagegen weiter auf die Strafen und deren erzieherische Wirkung bei den Betreibern. So hatte die Deutsche Bahn der S-Bahn in Nürnberg lange Zeit Probleme, einen stabilen Betrieb zu gewährleisten. Mittlerweile sind dort neue Triebzüge im Einsatz und zahlreiche Baustellen beendet. Der Betrieb laufe stabiler, "und die Pünktlichkeit ist besser als im Vorjahr", sagt Czeschka. Daher musste die Bahn 2012 auch weniger Strafgeld abführen. In seiner Übersicht listet Czeschka die Pönale 2012 für die S-Bahn Nürnberg auf. Dort steht: 0 Euro.

© SZ vom 12.03.2013/tba

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