Stimmbezirk München-Moosach:"Ich wähle meine Mama"

Lesezeit: 5 min

Der CSU hilft Rüttgers, Genossin Diana Stachowitz ihre Tochter. Sie hat kaum Chancen gegen Joachim Unterländer - will sie aber nützen.

Sven Loerzer

Das rote Kristallherz im Dekolleté leuchtet im Abendlicht, als sich Diana Stachowitz über den Tisch zu zwei älteren Männern im Biergarten des Alten Wirts in Moosach beugt. "Ich habe Ihr Bild an der Bushaltestelle gesehen", sagt einer der beiden. Die SPD-Stadträtin drückt ihm erfreut "ein bisschen mehr an Informationen in die Hand" und stattet ihn mit einem knallroten Bierdeckel aus, mit der Aufschrift "Diana direkt - Für unser München in den Landtag".

Stimmbezirk München-Moosach: Wählerwerbung mit Bierdeckeln betreibt Diana Stachowitz (SPD) im Biergarten Fasanerie.

Wählerwerbung mit Bierdeckeln betreibt Diana Stachowitz (SPD) im Biergarten Fasanerie.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Die Farbe Rot versteckt Diana Stachowitz nicht, für die rotgefärbte 45-Jährige ist das mehr als eine Modefarbe. "Ich stehe ganz klar zur SPD. Die SPD ist eine linke Volkspartei, die für soziale Gerechtigkeit eintritt", sagt die sport- und bildungspolitische Sprecherin der Stadtratsfraktion. Sie ist froh, dass die Personalfragen in der Bundes-SPD geklärt sind.

Die Linkspartei würdigt sie keines Wortes, sagt nur: "Wer das Paradies auf Erden verspricht, ist ein Rattenfänger." Sich selbst will sie keinem Parteiflügel zuordnen lassen. Mit ihrem Kampf für soziale Gerechtigkeit - und für Korrekturen bei Hartz IV - vertrete sie eine eher linke Position, "aber ich gehe trotzdem in die Kirche und bin gläubig", sagt die alleinerziehende Mutter zweier Kinder im Alter von 16 und 18 Jahren.

"Wunderbare Kindheit ohne Konsum"

Obwohl Diana Stachowitz für ihre Biergarten-Tour ein fesches Dirndl angelegt hat, lässt sich auch nach fast 19 Jahren in München nicht ganz verbergen, dass sie aus dem Norden kommt. Geboren in Zeven, aufgewachsen in Ratzeburg - sie stammt aus "eher schlichten Verhältnissen".

Diana Stachowitz verbringt eine "wunderbare Kindheit ohne Konsum", aber mit allen Freiheiten des Lebens auf dem Land. "Ich wollte immer Erzieherin werden, es war mein Traumberuf, mit Kindern zu spielen." Nach dementsprechender Ausbildung macht sie das Fachabitur nach, "weil ich erkannt habe, dass man vom Erzieherberuf nicht groß leben kann".

Ein Grund auch, sich gewerkschaftlich zu engagieren bei der GEW, um dann, vor fast 20 Jahren, in die SPD einzutreten.Stachowitz hatte in einem evangelischen Kindergarten in Traunreut gearbeitet, bevor sie sich als Autorin und Beraterin im Erziehungsbereich selbständig machte. 1996 holte sie der Abgeordnete und bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser erst in sein Landtags- und zwei Jahre später in sein Bundestagsbüro. "Ich habe wirklich viel von ihm gelernt", sagt Stachowitz.

Karatekämpferin betreibt Bildungspolitik

Der Wille, "etwas zu bewegen und zu verändern", hatte die Erzieherin in den Bezirksausschuss geführt. Als "konsequente Weiterentwicklung" sieht sie ihren Einzug in den Stadtrat im Jahr 2002. Dort verbindet sie ihr berufliches Wissen mit gewerkschaftlichem Engagement und betreibt ebenso fleißig wie hartnäckig Bildungspolitik. Dazu kommt die Sportpolitik, ein Feld, das die Karatekämpferin mit ähnlicher Hingabe beackert.

In beiden Bereichen stellt der Freistaat wichtige Weichen, deswegen zieht es Stachowitz jetzt in den Landtag. "Ich will die Rahmenbedingungen verändern, damit die Kommune das machen kann, was die Menschen brauchen." Ihr Kampf gegen das dreigliedrige Schulsystem bedarf eines langen Atems. "Kinder aus bildungsfernen Schichten brauchen mehr Unterstützung", sagt sie und plädiert für Ganztagsschulen und Elternarbeit. In die Schulklassen gehörte längst nicht mehr nur ein Lehrer, sondern auch andere Berufe, um Schulen zu einem "Lebens- und Bildungsraum für Kinder zu machen". Zieht sie in den Landtag, gibt sie ihr Stadtratsmandat auf.

Das Direktmandat im Stimmkreis 105 München-Moosach, zu erringen, der auch Feldmoching, Hasenbergl sowie Teile von Neuhausen und Laim umfasst, sei "schwierig, aber wir sind engagiert und versuchen, überall präsent zu sein". Biergartenbesuche, Radltouren, Spaziergänge, Stachowitz schenkt sich nichts. Vom Bundestagsabgeordneten Axel Berg hat sie sich den Wahlkampf-Kleinbus ausgeliehen und ihr Plakat "Stark für München" aufs Dach geschnallt. Ein "gutes Team" hat ihre Kampagne unterstützt.

"Sie müssen rudern, um durchzukommen"

Aber reicht das, um dem sozialpolitischen Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag, Joachim Unterländer, das von ihm schon drei Mal errungene Direktmandat streitig zu machen? Beim letzten Mal kam er auf 52,9 Prozent, gut 23 Prozentpunkte mehr als der SPD-Bewerber.

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