Süddeutsche Zeitung

Stilkritik:Der Orden der Gleichberechtigung

Dass Frauen sprachlich nicht ausgegrenzt werden sollen, ist mittlerweile Rednern allerorten in Fleisch und Blut übergegangen. So ist es selbstverständlich, dass ein Bürgermeister seine Bürgerinnen und Bürger adressiert, kürzlich wurden bei einer Demo gar die gierigen Bauunternehmerinnen und Bauunternehmer gescholten, und natürlich - weil halt gerade Fasching ist - ist es wichtig, neben den Narren auch die Närrinnen nicht zu vergessen. Die Faschingsgesellschaft Damische Ritter hat dieses Jahr sogar noch weitergedacht und ihren Orden ebenfalls zweigeschlechtlich gestaltet, damit auch die Damischen Ritterinnen nicht zu kurz kommen. Der Orden, gestaltet von Christian Wirtz, hat eine Mitte, die sich drehen lässt. Auf der einen Seite ist ein recht damisch grinsender Herzkönig zu sehen, auf der Rückseite eine eher grimmig und herausfordernd dreinblickende, blonde Rittersfrau als Eichelober respektive Eicheloberin. Das macht die Sache praktisch für Ordensträgerinnen und Ordensträger, sie können sich ihr Motiv aussuchen. Die Närrinnen kommen da narrisch gut weg, schließlich ist so eine Eicheloberin beim Schafkopf ein hohes Tier, während der Herzkönig, na ja, eher so ein Adabei ist. Vielleicht erklärt dies das eher depperte Gschau des Ordenskönigs.

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Quelle:
SZ vom 27.02.2017 / schub
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