Erbschaftssteuer für Immobilien Einen Kredit aufnehmen, um die Steuern zu bezahlen

Stattdessen werden seine Schwester und er einen Kredit aufnehmen, um die Steuern zu bezahlen, den Kredit werden sie von den Mieteinnahmen wieder abbezahlen: 115 000 Euro im Jahr, "von denen wir ja auch Reparaturen bezahlen wollen und müssen". Er wolle mit dem Haus kein Geld verdienen, sagt Donhärl, "nur bei null rauskommen". Dass seine Schwester und er mietfrei wohnen können, ist ihnen Lohn genug. Was er nicht versteht: dass der Staat einerseits eine Mietpreisbremse einführt, die bis heute kaum greift, und andererseits private Eigentümer wie ihn indirekt auffordere, mehr Miete zu verlangen. Weil es der Markt ja hergebe.

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Agnes Fischl ist Fachanwältin für Erbrecht und Expertin für die steuerliche Bewertung von Immobilien. Jedes Jahr begleitet sie bei 20 bis 30 Häusern die Übertragung auf die nächste Generation. Natürlich gebe es private Vermieter, die herausholen wollten, was geht. Es gebe aber auch "ganz viele, die die Miete gar nicht erhöhen wollen". Dass das Haus im Familienbesitz bleibt, sei vielen enorm wichtig. Eigentlich. Seit drei Jahrzehnten ist Fischl in der Immobilienübergabe tätig, und sie sagt: "So viele Verkäufe von Mehrfamilienhäusern wie zurzeit habe ich in München noch nie erlebt". Das werde noch zunehmen. In den kommenden Jahren werde "erheblicher Immobilienbesitz" seitens privater Eigentümer auf die nächste Generation übertragen. Immer mehr Familien würden sich gezwungen sehen, zu verkaufen, auch, weil sich die Steuerbelastung an einem Markt orientiert, auf dem die Bodenpreise in absurde Höhen klettern.

Dass die Stadt München nun das Instrument der Abwendungserklärung verschärft hat, das Investoren in den sogenannten Erhaltungssatzungsgebieten strengere Auflagen macht, um die Gentrifizierung zu verlangsamen - "schön und gut", sagt Fischl, "aber da ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen". Also, das Haus ist verkauft.

Mietshäuser könnten ähnlich betrachtet werden wie Unternehmen

Auch der frühere Stadtrat Georg Kronawitter hat in einem Beitrag im Magazin Standpunkte des Münchner Forums vor einiger Zeit auf das Dilemma hingewiesen. "Vorsicht, Provokation", stand warnend über dem Text. Es handle sich um mehr als ein Luxusproblem. "Klar können die Erben auf Jahrzehnte hinaus zusehen, wie die Erbschaftssteuerlast jeden Monat das Mietkonto plündert und wenig Mittel für fällige Modernisierungen und Reparaturen übrig lässt", schreibt Kronawitter. Sie könnten aber auch verkaufen. "Staatlich geförderte Gentrifizierung" nennt er das - "eine klare Folge einer Steuergesetzgebung, die nicht auf die Lage in den Wohnungsbrennpunkten eingeht".

Und nun? Rechtsanwältin Agnes Fischl will nicht die Erbschaftssteuer abschaffen. Stattdessen schlägt sie vor, Mietshäuser ähnlich zu betrachten wie Unternehmen. Letztere sind von der Erbschaftssteuer befreit, wenn die Erben das Unternehmen weiterführen und somit Arbeitsplätze erhalten. Darüber sollte die Politik auch bei Mietshäusern nachdenken, fordert Fischl, etwa verbunden mit der Auflage an private Eigentümer, bestehende Mieten für einen gewissen Zeitraum unangetastet zu lassen. So wie Wolfgang Donhärl es ohnehin tun will. Trotzdem hat er nun die Mieten um 15 Prozent erhöht. Der Staat, so sagt er, habe ihm keine andere Wahl gelassen.

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