Stephan Pilsinger:CSU-Kandidat Pilsinger plant Infoabend mit umstrittenem Verein

Stephan Pilsinger: Stephan Pilsinger, Bundestagskandidat der CSU für den Wahlkreis München-West/Mitte.

Stephan Pilsinger, Bundestagskandidat der CSU für den Wahlkreis München-West/Mitte.

  • Stephan Pilsinger, CSU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis München-West/Mitte, hat zu einer Informationsveranstaltung mit dem Verein Open Doors geladen.
  • Das evangelikale Hilfswerk ist umstritten, denn es tritt mit einem "Weltverfolgungsindex" in Erscheinung, dessen Informationen Kritiker für unseriös halten.
  • Diesem Index zufolge gibt es auf der Welt 200 Millionen verfolgte Christen - die Täter seien in der Mehrheit Muslime.
  • Pilsinger betont, er trete für Glaubensfreiheit und Menschenrechte weltweit ein.

Von Jakob Wetzel

Christen seien die weltweit am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft, Gewalt gegen sie sei auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften an der Tagesordnung, und die Täter seien meist Muslime: Mit Meldungen wie diesen drängte das Hilfswerk Open Doors zuletzt nach vorne - und hat damit zumindest in Deutschlands großen Kirchen weniger Bestürzung ausgelöst als vielmehr Befremden.

Nicht aber offenbar bei Stephan Pilsinger, dem Bundestagskandidaten der CSU für den Wahlkreis München-West/Mitte: Am kommenden Freitag, an dem im Bayerischen Hof die Münchner Sicherheitskonferenz beginnt, lädt er von 19 Uhr an zu einem Informationsabend mit Open Doors in den Augustiner-Keller. Dabei werfen Kritiker dem Verein gerade eines vor: Seine Informationen seien unseriös.

Open Doors ist ein evangelikales Hilfswerk, das besonders durch einen jährlichen "Weltverfolgungsindex" in Erscheinung tritt. In dieser Statistik listet der Verein 50 Länder auf, in denen Christen nach seinen Erkenntnissen die stärkste Verfolgung erleiden. Im jüngsten Index spricht Open Doors von 200 Millionen verfolgten Christen - in den Vorjahren war die Rede von "nur" 100 Millionen gewesen, nun habe man die Zahl neu geschätzt, heißt es von dem Verein.

Als "mit Abstand bedeutsamste" Triebkraft für die Verfolgung benennt Open Doors die "islamische Unterdrückung". Ein entsprechendes Wertesystem wirke in den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, fort. Im Oktober erklärte der Verein, 743 christliche Flüchtlinge hätten bereits über Drohungen und Übergriffe geklagt, und das sei nur die "Spitze des Eisbergs". Die Täter seien mehrheitlich Muslime gewesen.

Eine pauschale Verurteilung von Muslimen lehnte Geschäftsführer Markus Rode dabei explizit ab. Kritiker werfen Open Doors trotzdem vor, ein fragwürdiges Islambild zu verbreiten und so gewollt oder ungewollt Pegida und der AfD das Wort zu reden. Zudem ist die Methodik des Index umstritten: Unter "Verfolgung" fasst Open Doors ein breites Spektrum von Diskriminierung auf mehreren Ebenen zusammen. Um sie zu erfassen, arbeitet der Verein mit Fragebögen, die von Mitarbeitern und externen Experten ausgefüllt werden. Auf dieser Grundlage rechnet der Verein dann seine Zahlen hoch.

Die Zahlen seien nicht seriös oder überprüfbar, sagen Kritiker

Dieses Verfahren sei weder repräsentativ, noch seien die Daten überprüfbar, kritisiert etwa die katholische Bischofskonferenz. Hinzu kommt, dass Open Doors ausschließlich Zahlen über verfolgte Christen erhebt. Der Eindruck, der bleibt, ist: Christen sind die Opfer, Muslime die Täter. "Es ist aber wichtig, dass in Ländern, in denen Christen verfolgt werden, auch andere verfolgt werden", sagt Axel Seegers, Weltanschauungsbeauftragter des Erzbistums München und Freising. Komplexe Konflikte ließen sich nicht auf die Verfolgung von Christen verengen. Die Zahlen von Open Doors seien "schlicht nicht seriös", urteilt der grüne Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, der bei der Wahl direkt gegen Pilsinger antritt. "Man sollte schon darauf achten, wen man sich da als Referenten ins Haus holt."

Open Doors dagegen weist die Kritik zurück, und auch Pilsinger steht zu seiner Einladung. Die Christenverfolgung sei ein vernachlässigtes Thema, sagt der Kandidat. Er wolle aber nicht, dass sie zum Kampfbegriff werde. Er trete nicht nur für verfolgte Christen ein, sondern für Glaubensfreiheit und die Menschenrechte weltweit. Da wolle er zur Christenverfolgung nicht schweigen. Auf Open Doors sei er nicht zuletzt durch positive Artikel in großen Medien, darunter auch die Süddeutsche Zeitung, aufmerksam geworden, sagt Pilsinger.

Die Kritik könne er nicht bestätigen; er habe bereits einen Vortrag wie den nun geplanten gehört und ihn als sachlich erlebt. Und im Übrigen sei der Abend öffentlich, sagt Pilsinger: Es werde "jederzeit möglich sein, auch kritische Fragen über die Arbeit von Open Doors zu stellen".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB