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Stellenabbau:Jobabbau bei der Hypo-Vereinsbank wird wohl vor allem München treffen

Am deutschen Sitz in München wird der Jobabbau Mitarbeiter treffen.

(Foto: Hess)
  • Bis Ende 2019 sollen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) noch einmal 1500 Stellen wegfallen.
  • Der Stellenabbau soll sozialverträglich ablaufen. Auf betriebsbedingte Kündigungen wolle man verzichten.
  • Die HVB hatte schon 2015 ein umfassendes Sparprogramm begonnen, bei dem 1000 Stellen wegfallen.

Dass noch einmal etwa 1500 Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank (HVB) zusätzlich gehen müssen, das ist seit Dienstag klar. Nun wissen sie auch, zu welchen Bedingungen. Einen Tag, nachdem die HVB-Konzernmutter Unicredit ihre Reform- und vor allem Sparpläne vorgelegt hatte, einigten sich Vorstand und Betriebsräte der deutschen Tochter auf die Konditionen des Jobabbaus - in einer ungewöhnlich langfristig angelegten Vereinbarung.

300 Millionen Euro weniger soll die HVB bis Ende 2019 pro Jahr ausgeben, vor allem dadurch, dass es insgesamt 2500 Mitarbeiter weniger gibt. Davon fallen 1000 im Rahmen eines seit einem Jahr laufenden und 1500 im neuen Sparprogramm weg. An welchen Orten und in welchen Abteilungen genau gestrichen wird, ist noch nicht klar. Höchst wahrscheinlich ist aber, dass es hauptsächlich Mitarbeiter in und um München treffen wird. Hier sitzen in der HVB-Zentrale und anderen Bereichen die mit Abstand meisten Beschäftigten abseits des Privatkundengeschäfts.

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Letzteres wird weitgehend unangetastet bleiben, und damit auch die Filialen. Für die Kunden ändert sich deshalb mit dem neuen Sparprogramm zunächst nichts - auch weil die Bank hier in den vergangenen Jahren schon kräftig eingespart hat: Bis Ende 2015 hatten vor allem in Bayern etwa 240 der zuvor insgesamt 580 Standorte dichtgemacht und rund 1500 Mitarbeiter ihre Jobs verloren. Nun wird hier nicht weiter ausgedünnt, auch weil eine Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Bankführung weitere Streichungen bis Ende 2018 weitgehend ausschließt.

Bis Ende 2025 sichert die Bank nun zudem den Erhalt aller wesentlichen Geschäftsfelder innerhalb der HVB zu, also beispielsweise Privatkunden- und Unternehmensgeschäft, Risikomanagement oder Investmentbanking. So lange soll auch die betriebliche Altersvorsorge unangetastet bleiben und das Münchner Institut mindestens 10 918 Vollzeitstellen erhalten. Den angepeilten Jobabbau eingerechnet besteht bis zu dieser Untergrenze noch eine Differenz von etwa 500 Stellen, die noch abgebaut werden könnten.

Stellenabbau soll sozialverträglich ablaufen

Wer nun gehen muss, auch das ist Teil der neuen Vereinbarung, für den gelten dieselben Sozialplan- und Abfindungsregelungen wie bei den letzten Sparrunden. Auch das geltende Angebot für Altersteilzeit wurde bis Ende 2019 verlängert. Insgesamt solle der Stellenabbau sozialverträglich ablaufen, man habe "die feste Absicht, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten", teilte die HVB mit. Ärgerlich sei aber, dass diese auch dieses Mal nicht definitiv ausgeschlossen wurden, bemängelt der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat, Klaus Grünewald.

Dennoch sei er aber zuversichtlich, dass es wie in der Vergangenheit auch weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen werde. Insgesamt sei er deshalb vorläufig zufrieden mit der Einigung - sie sei aber erst der halbe Weg. "Jetzt muss die praktische Umsetzung gemeinsam mit den Mitarbeitern passen", so Grünewald. Dazu gehöre auch, dass verbleibende Mitarbeiter nicht einfach mehr aufgeladen bekommen. "Das Management muss erst einmal plausibel erklären, wo und wie konkret Arbeit wegfällt. Erst dann werden auch Stellen abgebaut."

Am Dienstag hatte es noch nicht unbedingt nach einer schnellen und geräuschlosen Einigung ausgesehen. Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hatte in London einen tief greifenden Umbau des Konzerns verkündet: Neben 13 Milliarden an frischem Kapital von Investoren und dem Abbau notleidender Kredite vor allem in Italien, spielt dabei ein massiver Stellenabbau im gesamten Konzern eine zentrale Rolle. Insgesamt 14 000 Mitarbeiter sollen demnach bis Ende 2019 gehen, das sind noch mal 6500 mehr als bisher ohnehin schon geplant. Vor allem dadurch sollen die Kosten des Mailänder Finanzinstituts um insgesamt 1,7 Milliarden Euro pro Jahr sinken.

Daheim in München hatten die Betriebsräte verschnupft darauf reagiert - vor allem weil Mustier und seine Leute bereits konkrete Zahlen für die Job-Streichungen auch in Deutschland verkündet hatten, ohne zuvor die Arbeitnehmervertreter zu informieren. Man sei schwer irritiert, solch ein Vorgehen entspreche nicht den Gepflogenheiten, hatte es da noch im Hintergrund geheißen.

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