Steckt da Liebe drin? "Besser als eine Turnhalle"

Mathias Hamann leitet seit Dezember eine Traglufthallen-Unterkunft in Berlin, in der bis zu 300 Flüchtlinge leben

Interview von Martin Hammer, Berlin

Im Berliner Stadtteil Moabit leben seit Dezember vergangenen Jahres Flüchtlinge in zwei Traglufthallen. Die SZ sprach mit Mathias Hamann von der Berliner Stadtmission, dem Betreiber der 2500 Quadratmeter großen Notunterkunft.

SZ: Ist eine Traglufthalle für Flüchtlinge eine akzeptable Unterkunft?

Mathias Hamann: In einer idealen Welt nicht, da würden Flüchtlinge in festen Wohnungen leben. Aber wir leben in der realen Welt, da steigen die Flüchtlingszahlen und es fehlen gerade in Städten wie Berlin die Unterkünfte - es herrscht Not. Entscheidend ist für mich deshalb: Was macht der Betreiber aus solch einer Halle, wie sieht die Gestaltung aus. Steckt da, banal gesagt, Liebe drin? Dann wird so eine Traglufthalle in der Stadt besser als eine Turnhalle oder irgendein Containerdorf am Stadtrand.

Wie kann man so eine Halle zu einem freundlichen Ort machen?

Wir haben einen großen Aufenthaltsbereich eingerichtet, mit Ledersofas und ganz vielen Grünpflanzen, einige nennen es auch Tropical Island. Es gibt eine Kinderspielecke, und wir haben 800 freiwillige Helfer, die eine Willkommenskultur verbreiten. Heute Abend zum Beispiel kommen Sänger der Deutschen Oper und bringen sogar ihr eigenes Klavier mit. Das alles schafft eine positive Atmosphäre, und das ist wichtiger als feste Wände.

294 Flüchtlinge haben unter der Zeltmembran Platz. Gibt es da noch so etwas wie Privatsphäre?

Natürlich ist das nicht vergleichbar mit einer festen Unterkunft mit Zimmern. Aber wir haben in den beiden Schlafbereichen, in denen es auch tagsüber relativ ruhig ist, Kabinen mit jeweils sechs Betten sowie Tisch und Stühlen eingebaut, die sich mit Vorhängen auch abschotten lassen. Der Einbau solcher Elemente geht in einer Traglufthalle sogar besser als in einer Turnhalle, wo man schlecht irgendwas im Parkettboden verschrauben kann.

Wie sind die Reaktionen der Flüchtlinge, die in Ihrer Halle schlafen?

Die meisten Menschen kommen nur für ein paar Tage bei uns unter und werden dann weiter verteilt. Einige von ihnen wollen dann aber sogar wieder zurück, weil es ihnen hier gut gefallen hat. Wer eine feste Unterkunft bekommt, ist dort natürlich besser dran, wenn er dort gut betreut wird. Die Stadtmission hatte in den letzten zwei Wintern auch eine Traglufthalle für Obdachlose - und die war immer voll.

Lässt sich so eine Halle ausreichend gegen Lärm isolieren, heizen und kühlen?

Das Heizen im Winter kostet zwar viel Energie, klappt aber gut, da wird einfach warme Luft reinblasen. Für die Kühlung im Sommer haben wir jetzt auch eine Lösung gefunden. Unsere Halle sollte ja eigentlich nur bis April in Betrieb sein, doch nun wurde die Nutzung um ein Jahr verlängert. Deshalb bringen wir eine sonnenabweisende Schutzfolie an und bauen eine Kühlung ein. Was den Lärm betrifft, so liegt die Halle zum Glück an einem ruhigen Ort.