Kostantinidis' WeihnachtsessenRegierungserklärung von Söder, Musik von Thomas Anders

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Thomas Anders mit Frau Claudia am Dienstag in München.
Thomas Anders mit Frau Claudia am Dienstag in München. (Foto: Stephan Rumpf)

300 Entscheider auf engstem Raum. Das traditionelle Weihnachtsessen von Anwalt Stavros Kostantinidis ist zu größten Teilen harmonisch, angereichert mit ein paar politischen Spitzen.

Von Philipp Crone

Die Erwartungen an den Abend sind hoch, und nicht nur für die Spendensumme. Musiker Thomas Anders, zum ersten Mal beim Weihnachtsessen des mutmaßlich bestvernetzten Münchner Anwalts Stavros Kostantinidis geladen, sagt am Eingang des Café Reitschule nach der Blitzlicht-Dusche durch die Fotografen: „Ich freue mich auf etwas Leichtigkeit, aber es geht schon auch um die gesellschaftlichen Themen, die alle umtreiben.“ Wobei man die auch nicht zu sehr vertiefen dürfe, „das ist hier ja kein Wirtschaftsgipfel.“ Nein, es ist ein Empfang, der seit Jahren immer weiter aus den Fugen gerät. Ursprünglich lud Kostantinidis mal ein paar Weggefährten ein, mittlerweile ist dieser Abend zu einem mindestens Münchner Pflichttermin geworden. Wer einmal kommt, kommt immer, bis auf den inhaftierten Immobilien-Investor René Benko. Dafür etwa TU-Chef Thomas Hofmann, der sich „ein politisches Statement“ vom Redner Markus Söder wünscht.

Die Entwicklung des Essens über die Jahre: weg vom Zicklein auf der Karte, weg vom launischen Frotzel-Grußwort des Ministerpräsidenten, der grundsätzlich mit fast versammelter Ministermannschaft anwesend ist, hin zur politischen Rede. Um zu den hiesigen Unternehmenschefs und auch ein paar -chefinnen zu sprechen. Abgerundet wird der Abend dann von kabarettistischen oder diesmal auch musikalischen Einlagen, sodass am Ende eine möglichst viel stellige Spendensumme für pädiatrische Einrichtungen herauskomme. Dafür allerdings muss sich ein Stavros-Novize wie Thomas Anders erst einmal mit den Gegebenheiten zurechtfinden.

Markus Söder neben Gastgeberin Saskia Greipel und Forschungsministerin Dorothee Bär (von rechts).
Markus Söder neben Gastgeberin Saskia Greipel und Forschungsministerin Dorothee Bär (von rechts). (Foto: Stephan Rumpf)

Kurzer Interview- und Foto-Überfall am Eingang, dann ab in die völlig verstopften Gänge zwischen den Tischreihen. Hier steht auch Kabarettist Helmut Schleich, der später noch ans Mikro darf, und sagt: „Stavros hat ja schon ein relativ einnehmendes Wesen.“ Stavros, natürlich sagt hier niemand den Nachnamen des Gastgebers und seiner Frau Saskia Greipl, die Mehrzahl kennt sich und kumpelt und schulterklopft sich dementsprechend durchs Gedränge.

Die Kunst des Gastgebers ist es zum einen schon immer gewesen, jedem das Gefühl geben zu können, ihn wirklich zu mögen, und zudem auch gleich für seine Sache einzunehmen. Oft begrüßt er die Leute einfach mit: „Du, Peter, ich brauche deine Hilfe.“ So jemand darf den Damen beim Empfang auch mal mit der Hand über die Wange streichen bis zum Pelzansatz.

Die Gespräche an diesem Abend sind solche, die auf eine hohe Spendensumme hoffen lassen: „Ist das aus der Immobilie was geworden?“, fragt ein Anzugmann den anderen. „Aus welcher?“, ist die Antwort. Was eine Konstante geblieben ist in all den Jahren: Männerüberhang, und zwar annähernd wie im Maschinenbau-Studiengang. Das stört Dorothee Bär allerdings nicht. Die Bundesministerin für Forschung kennt das. „Dafür hat Unterfranken zu 80 Prozent weibliche Bundestagsabgeordnete“, sagt sie und sucht nach ihrem Platz. Als dann alle sitzen, tritt der Gastgeber ans Mikrofon und legt schon mal vor, in dem er die Kommunalpolitik zu einem fairen Wahlkampf mahnt.

Gastgeber Stavros Kostantinidis mit CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (Mitte) und Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD)
Gastgeber Stavros Kostantinidis mit CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (Mitte) und Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) (Foto: Stephan Rumpf/Stephan Rumpf)

Clemens Baumgärtner von der CSU und Verena Dietl von der SPD sind geladen und hören den Satz: „Seid anständig und respektvoll miteinander, denn am Ende müsst ihr vielleicht zusammenarbeiten.“ Kostantinidis spricht von Veränderung und einem Scheideweg, dass man die Wirtschaft stärken müsse und Deutschland ein Einwanderungsland sei. Der anschließende Redner Söder frotzelt diesmal noch weniger als sonst, auch er ist überwiegend ernst. Auch zu Beginn, als er vom „wichtigsten Event Münchens“ spricht. Wobei er damit nicht allein ist, auch Schleich bezeichnet das Publikum als ein beeindruckendes „Entscheider-Netzwerk“, das hier zusammenkommt. Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, dazu Chefredakteurinnen und -redakteure oder Kirchenleute.

Söder spricht vor den 300 Gästen davon, dass die Herausforderung größer denn je sei, man in einer Zeit lebe, „in der Gewissheiten wackeln“, und wendet sich dann direkt an den anwesenden US-Generalkonsul mit den Worten: „Die Herausforderung ist größer denn je, ob Zölle oder andere Dinge, das Urvertrauen muss neu erarbeitet werden.“ Und er habe nicht gedacht, dass die Demokratie mal ernsthaft gefährdet sei in diesem Land, aber man spüre, dass sich gerade etwas ändere.

Der Ministerpräsident ergänzt noch „am Ende zu den Gewinnern der Geschichte“ gehören zu wollen, wofür es vor allem eine leistungsfähige Verteidigung und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft brauche, ehe er zum Schluss noch ein paar Minuten lang das gewohnte Loblied auf sich und Bayern singt.

TU-Präsident Hofmann nickt am Ende zufrieden. Vor allem Söders Forderung, dass ein neues Mindset notwendig sein wird, um als Land wieder in die Spur zu kommen und den Abstieg der Gesellschaft zu verhindern, eines mit einer gesteigerten Leistungsbereitschaft, das gefällt ihm. Die Leistungsbereitschaft am Abend ist auf jeden Fall da, für drei medizinische Kinderhilfe-Einrichtungen wird ein neuer Spendenrekord aufgestellt, mehr als 1,4 Millionen Euro.

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