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Startschuss beim Stadtteilfest:Giesinger Wortschöpfungskette

Der Verein Poesieboten betreibt mit dem Spix ein Lyrik-Museum, das künftig auch für andere künstlerische und soziale Projekte offenstehen soll

In einem lange Zeit leer stehenden Ladenlokal am weitgehend unbeachteten östlichen Teil der Tegernseer Landstraße in Giesing blüht eine Oase der Kreativität: das "Spix" mit Eingang an der Spixstraße. Betreiber ist der Verein Poesieboten, der schon durch verschiedene Kunstaktionen und Projekte in der Vergangenheit auf sich aufmerksam gemacht hat. Gereimtes und Ungereimtes, gewebte Worte, Gedichte als typografische Experimente, ein Klangteppich aus Lauten - die gesammelten Schätze des Poesiebriefkastens haben im Spix seit Ende 2017 ein Zuhause gefunden.

Zusätzlich öffnet sich das Mini-Museum nun anderen künstlerischen und sozialen Projekten - ob mit oder ohne Lyrik-Bezug. Ein Raum zum Mitmachen und Ausprobieren für alle Interessierten soll dort nach Angaben der Vereinsverantwortlichen entstehen: Ab sofort können Ideen für das offene Programm eingereicht werden. Alle sind aufgerufen, das Spix mit ihren kreativen Wortschöpfungen zu füllen. Neben einem lyrischen Programm im Spix, das der Verein Poesieboten gestalten wird, bietet der Laden bis mindestens Ende Juli 2020 Platz für kulturelle Veranstaltungen. Kurse, Lerngruppen, Ausstellungen, Sitzungen, Konzerte, Feste in kleinem Rahmen sind somit denkbar. Entsprechende Vorschläge können unter der E-Mail-Adresse info@poesiebriefkasten.de eingereicht oder persönlich an der Tegernseer Landstraße 155/Ecke Spixstraße jeden Freitag- und Sonntagnachmittag besprochen werden. So soll das Spix zu einem lebendigen Treffpunkt im Viertel werden, der das Gemeinschaftsleben der Giesinger bereichert.

Offizielle Neueröffnung ist am Samstag, 7. September, anlässlich des Stadtteilfests "Ois Giasing". Laut Ankündigung startet um 12.30 Uhr vom Spix die Tela-Ost-Entdeckertour, ein Spaziergang im Niemandsland längs des Mittleren Rings. Um 14 Uhr eröffnen die Poesieboten das Spix mit einem offenen Bücherschrank und Phoebes Poesiewerkstatt. Zum sechsten Geburtstag des Poesiebriefkastens gibt es Zwetschgendatschi und poetische Überraschungen. Ois-Giasing-Besucher können sich für vier Euro und bei Vorlage einer ID-Karte ein Radl ausleihen.

Der Poesieboten-Verein fördert nach eigenen Angaben Kunst und Kultur und besonders die Poesie. Er versucht die schlummernden Poesiepotenziale der Menschen zu wecken, unabhängig von Herkunft, Bildung und Alter, frei nach dem Motto: Jeder Mensch ist ein Poet. Die Poesieboten betreiben in Giesing den mutmaßlich bundesweit ersten Poesiebriefkasten, an den alle Dichtenden ihre Werke schicken können. Aus dem wachsenden Archiv an Gedichten sind bereits der Gedichtband "München schillert", liebevoll gestaltete Ausstellungen und kreative Workshops entstanden. Besondere Highlights: In der Villa Stuck hat der Verein bei der Ausstellung "Never give up the Spot" des international renommierten Künstlers Thomas Hirschhorn eine offene Poetenbühne abgehalten. Außerdem bietet die bekannte Lyrikbloggerin Phoebe zusammen mit den Poesieboten regelmäßig eine Poesiewerkstatt an.

Das Spix-Projekt, das offiziell an der Tegernseer Landstraße 155 firmiert, wird vom Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten finanziell gefördert. Öffnungszeiten sind freitags, 15 bis 19 Uhr, und sonntags, 13 bis 17 Uhr, sowie bei verschiedenen Veranstaltungen.