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Start-up:Zwei Münchner erfinden Instant-Balkon

Flexible Lösung: Lisbeth Fischbacher und Daniel Hoheneder auf ihrem Balkon respektive in ihrem Büro in der Maxvorstadt.

(Foto: Robert Haas)
  • Ein Münchner Architektenduo hat bewegliche Türen entwickelt, mit denen sich Räume zu Balkonen umwandeln.
  • Vor allem in Großstädten mit kleinen Wohnungen und hohen Mieten könnte diese Idee das Wohnen verändern.
  • Preise haben beide schon bekommen, aber sie arbeiten noch defizitär.

Es gibt in München alle paar Monate einen Wettbewerb, bei dem Gründer gegeneinander antreten. Sie stellen sich dann auf die Bühne und erzählen von ihren Ideen, von Sensoren und von Apps, gerne auch von digital innovation. Meist von Dingen, die nur auf Bildschirmen sichtbar sind und es ist deshalb durchaus ungewöhnlich, wenn auf solchen Veranstaltungen jemand einmal von Greifbarem erzählt. Von Balkonen zum Beispiel.

Ein Hinterhof in der Maxvorstadt. Früher war hier eine Druckerei drin, heute ein Boxstudio, gleich im Erdgeschoss links haben zwei Architekten ihr Büro, die Flissade GmbH. Sie wollen jetzt die Stadt verändern. "War schwer ein Haus zu finden mit Loch in der Fassade", sagt Daniel Hoheneder, das aber hätten sie gebraucht, um ihren Balkon anzubauen. Er deutet hinüber, zu dem langen Tisch. Später wird der nicht mehr auf dem Balkon stehen, sondern im Büro, er wird den Tisch aber nicht umstellen müssen. Das ist die Idee. Balkone sollen zu einem Teil der Wohnung werden, innerhalb von Sekunden.

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Das mag einfach klingen, könnte aber doch viel verändern. Zum einen sind in immer engeren Großstädten und immer teureren Wohnungen schon ein paar Quadratmeter bedeutend. Zum anderen sind Daniel Hoheneder, 35, und Lisbeth Fischbacher, 36, die ersten mit dieser Idee, sie könnten also nicht nur das Wohnen in München verbessern, sondern vielleicht auch in Shanghai, in New York, in London. Die Großstädte blähen sich auf, Mieten kosten manchmal mehr als 20 Euro, 30 Euro pro Quadratmeter, die Not ist da. Die Architekten müssen jetzt nur noch die Investoren überzeugen, dass ihre Idee die richtige ist. Die Idee mit den Glaswänden.

Schiebt man die an der Front des Balkons zu, soll der Raum zur Wohnung gehören, zur gegenüberliegenden Seite geschoben, sollen die Wände innen und außen trennen. Die Architektin und der Architekt haben die Wände getestet, haben künstlichen Regen prasseln lassen, aus verschiedenen Schrägen, mit verschiedenen Stärken. Auch in einem Hochhaus, in einem zwölften Stock, sollten die Wände noch dicht sein. Nichts tropfte.

Ihr Patent haben die beiden abgeheftet, "ein dünner Fetzen Papier", sagt Hoheneder, er hatte sich mehr erwartet, vielleicht ein Siegel, eine Kordel. Fischbacher und Hoheneder haben an der TU Architektur studiert, in einem Seminar stellten sie ihre Idee mit den Balkonen vor, ihre Aufgabe war es eigentlich, Räume energieeffizienter zu gestalten.

Die ersten Balkone werden gerade gebaut

Der Professor saß vor ihnen und sagte nichts, während des ganzen Vortrags, dabei plauderte er sonst recht gerne. Die Studentin und der Student waren verunsichert, dann sprach der Professor doch noch, er sagte: "Ich glaube, das gibt's noch nicht." Das war 2011. Ein Patent, ein Förderprogramm, eine Gründung und zwei Start-up-Preise später sind die Architekten gerade dabei, ihren ersten Balkon abseits des Büros zu bauen. In einem der Häuser der Stadtwerke, am Dantebad.

Eigentlich ist es verwunderlich, dass so wenige Gründer sich mit Wohnraum beschäftigen, so wenige Architekten. Dem Haus der Architektur sind andere Münchner Start-ups in dieser Richtung nicht bekannt, ebenso der TU. Eine junge Firma namens Cabin Spacey wirbt in Berlin immerhin gerade, Mikrohäuser auf Dächer zu bauen. Ansonsten aber entstehen vor allem Apps, um Wohnungen zu vermieten oder zu teilen. Kaum einer denkt die Wohnungen neu. "Auf Start-up-Events hieß es am Anfang immer, wie wären aus der Baubranche", sagt Fischbacher. Nach einiger Zeit hätten sie es wenigstens in die Rubrik "Smart City" geschafft, gerade findet in München wieder so ein Event statt: "Bits and Pretzels", auch dort geht es vor allem ums Digitale.

Noch schreibt das Unternehmen rote Zahlen

Fischbacher sitzt auf ihrem Testbalkon, früher führte hier eine Laderampe direkt in die Druckerei; einen Mitarbeiter haben sie angestellt, verdienen allerdings kaum. "Wir sind defizitär", sagt Hoheneder, "so heißt das dann doch, oder?" Ihre Wohnbalkone kosteten in etwa die Hälfte mehr als eine gängige Loggia; ob der Raum gesetzlich als Wohlfläche gelte oder als Balkon, werde sich noch entscheiden. So sei das eben mit neuen Ideen. Für die Städte haben sie noch vielmehr.

Ein Wohnhaus zum Beispiel, in dem die Menschen sich die Räume immer wieder neu aufteilen könnten, sobald die eine Familie noch ein Kind bekommt und ein Zimmer mehr braucht, das andere Paar auseinanderzieht. Dann müsste man nicht mehr so oft umziehen, sagt Fischbacher. Das wäre doch gut.

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