Start-up:Was wurde eigentlich aus den Schlafboxen vom Münchner Flughafen?

Start-up: Ein schmales Bett, ein kleiner Tisch, Steckdosen fürs Ladegerät: Die Schlafboxen sind mit dem Nötigsten ausgestattet.

Ein schmales Bett, ein kleiner Tisch, Steckdosen fürs Ladegerät: Die Schlafboxen sind mit dem Nötigsten ausgestattet.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Nur die wenigsten Start-ups etablieren sich erfolgreich am Markt.
  • Auch die jungen Unternehmer von "Napcabs", ausgezeichnet mit einem Innovationspreis, hatten einst große Pläne. Doch das Geschäft entwickelte sich anders als gedacht.
  • Zwar wurden in München gerade zwei neue Schlafboxen aufgestellt - aber an anderen Flughäfen tut sich die Firma schwer.

Von Pia Ratzesberger

Die Tür geht auf, ein Mann tritt aus der Kabine und reibt sich die Augen. Er hat gerade für zwei Stunden am Münchner Flughafen geschlafen, in einer Box. 2,5 Meter breit. 2,7 Meter hoch. Erst am Morgen um acht Uhr ist er in München angekommen, dann Meetings, um acht Uhr am Abend bringt ihn ein Flieger zurück nach Amsterdam. Die zwei Schlafboxen in der Ankunftshalle sind neu, die Idee ist es nicht. Münchner Studenten gründeten vor zehn Jahren die Firma Napcabs - doch mit der lief es ganz anders, als sie sich das vorgestellt hatten.

Meistens hört man nur von den Gründern, die eine Ideen hatten und sie groß machten, man hört von Leuten wie Delia Fischer (Westwing) oder Manuel Thurner (Foodora) oder Jochen Engert (Flixbus). Sie aber sind die Ausnahme. Nur eines von zehn Start-ups wird erfolgreich. Viel alltäglicher sind die Geschichten von Hunderten Gründern, die ihre Idee wieder und wieder verändern. Sie verwerfen, manchmal auch anderen überlassen. Deshalb ist das Interessante nicht unbedingt, dass Napcabs neue Schlafkabinen am Münchner Flughafen aufgestellt hat. Sondern dass Napcabs bisher keine Schlafkabinen in Frankfurt, New York und Peking aufgebaut hat. Das war eigentlich einmal der Plan.

Will man sich mit den Gründern von Napcabs verabreden, kommt Fabian Friedrich, 36, zum Flughafen. Er hat zwei Visitenkarten - auf der einen steht Plan 3 und auf der anderen Napcabs. Die Studenten von damals, sagt Friedrich, seien schon lange ausgestiegen. Sie hätten große Pläne gehabt, hundert neue Schlafkabinen in drei Jahren, solche Dimensionen. Aber so schnell sei es nicht gegangen. In der Münchner Ankunftshalle haben Friedrich und sein Team Anfang des Jahres die zwei neuen Kabinen aufgebaut, im Transitbereich stehen zehn Boxen. In Berlin sind es zwei. Vierzehn Kabinen in zehn Jahren. Nicht hundert in drei Jahren. "Die Gründer hatten sehr sportlich geplant."

Fabian Friedrich sitzt in der Ankunftshalle, die eine Kabine ist frei, die andere wird nun erst einmal geputzt. In der Box steht ein schmales Bett, ein kleiner Tisch, Steckdosen fürs Ladegerät. Die ersten dieser Boxen hat Friedrich vor zehn Jahren mit aufgebaut. Seine Firma Plan 3 kümmert sich eigentlich um Messeauftritte, die Studenten kamen damals auf sie zu. Sie hatten einen Innovationspreis der Technischen Universität gewonnen und wollten das Produkt schnell auf den Markt bringen - schnell auf dem Markt war es auch, aber dann kam die Sache ins Stocken. Eine Gründerin ist heute bei einem großen Mischkonzern, der andere bei einer Unternehmensberatung. Ihre Firma führt jetzt Fabian Friedrich und der sagt: "Das Ganze braucht eben Zeit."

Damit begründet Friedrich, dass noch an kaum einem anderen Flughafen die Boxen stehen, woran es in den konkreten Fällen gescheitert sei, will er nicht sagen - nur, dass das Geschäft mit den Boxen sich trotzdem selbst trage.

Andere Unternehmen expandieren mit ähnlichen Ideen

Es gibt auch andere Unternehmen, die Schlaf am Flughafen verkaufen, Yotelair zum Beispiel. Ebenfalls gegründet vor zehn Jahren, von einem Unternehmer aus England. Die Kabinen haben anders als in München eine Dusche, Yotelair wirbt mit Luxus auf sieben Quadratmetern. Die Boxen stehen in Transitbereichen an Flughäfen in London, Paris und Amsterdam, im kommenden Jahr soll eine Dependance in Singapur eröffnen.

Am Flughafen in Frankfurt hat erst im vergangenen Jahr ein Transithotel aufgemacht, auch dort kann man sich für ein paar Stunden ein Bett buchen. Drei Stunden kosten 79 Euro, bei Fabian Friedrich kostet die Stunde am Tag 15 Euro. In der Nacht zehn Euro. Auch in Frankfurt hat jedes Zimmer ein Bad, manche haben ein Fenster. Der Gedanke dahinter: Wer bereit ist, Geld in ein paar Stunden Schlaf zu investieren, der will Komfort.

Fabian Friedrich aber sagt, mit diesen Modellen vergleiche man sich erst gar nicht, die Napcabs seien doch ein ganz anderes Konzept. Man wolle eben gerade kein Hotel sein, nur mit kleineren Räumen - solche Hotels nämlich bräuchten viel mehr Platz an einem Flughafen als die Schlafkabinen. Eine einfache Box hingegen könne man in jede Ecke stellen, die am Flughafen sonst niemand nutze, ohne Personal und ohne Rezeption. Beim Flughafen Frankfurt heißt es auf Nachfrage, auch wenn es jetzt ein Transit-Hotel gebe, sei nicht ausgeschlossen, dass man an einem anderen Terminal auch noch Napcabs aufstelle. Vielleicht brauche es nur noch ein bisschen Zeit.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema