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Start-Up:Der Online-Dienst, der langes Warten beim KVR überflüssig machen will

Lange Schlangen gibt es im KVR immer wieder - wer Vertrauen und Geld hat, kann sie umgehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ausweise abholen, Autos zulassen, Parklizenzen beantragen: Erledigungen.de übernimmt zeitraubende Behördengänge - für die, die es sich leisten wollen.

Die Schlange im KVR ist lang, obwohl man den Wecker extra früh gestellt hatte. Gleich ist klar: Das kann noch dauern. Dabei will man doch einfach nur die neue Wohnung ummelden. Vorne hustet ein älterer Mann, hinten telefoniert einer im Anzug. Pünktlich in die Arbeit zu kommen, kann man gleich vergessen.

Solche Szenen zu vermeiden, das ist die Idee hinter dem Start-up Erledigungen.de. Wer einen lästigen Behördengang beim Kreisverwaltungsreferat oder anderen Ämtern nicht selbst besorgen will, kann auf der Internetseite einen Auftrag erteilen. Ein Mitarbeiter holt die nötigen Unterlagen ab und lässt sich eine Vollmacht ausstellen - der einzige Weg, um das persönliche Erscheinen zu umgehen. Dann wartet er geduldig in der Behörde und schickt die gewünschten Dokumente zurück, so die Idealvorstellung.

Parkausweis für 40 Euro aufwärts

Im Dezember ging die Seite online, seitdem hat das Münchner Team etwa tausend Aufträge bearbeitet. Einen Anwohner-Parkausweis kann man sich in München für 40 Euro aufwärts abholen lassen. Ab 50 Euro gibt's die Ummeldung des Wohnsitzes. Autozulassungen (ab 90 Euro) und Gewerbeanmeldungen (100 Euro aufwärts) sind teurer. Will man die jeweilige Genehmigung nicht per Post geschickt bekommen, sondern persönlich nach Hause oder ins Büro geliefert haben, zahlt man 15 Euro zusätzlich, ebenso für Expressaufträge. Gegen Aufpreis kann man sich auch beim Ausfüllen der Formulare helfen lassen.

In Frankfurt und Köln, wo Erledigungen.de wenig später startete als in München, bekommt man den Ausweis-Abholservice billiger. "Wir sind derzeit noch in einer Testphase, was die Preise angeht", sagt Mitbegründer Lorenz Neff dazu. Bald will das Start-up auch in Hamburg und Berlin Aufträge entgegennehmen.

In München wird es auch 2016 lange Wartezeiten am Schalter geben, hieß es zuletzt aus dem KVR. Das Problem verstärkt sich noch, weil die Stadt immer weiter wächst und die Behörde mit der Besetzung neuer Stellen kaum hinterherkommt. Neff spricht von bis zu drei Stunden, die man in München warten müsse. Beim KVR selbst wird die durchschnittliche Wartezeit nicht erfasst. "Das ist von der Tagesform abhängig", sagt Sprecherin Daniela Schlegel. Besonders viel los sei an Brückentagen und dienstagsnachmittags, wenn die Behörde länger geöffnet hat.

In der Verwaltung ist Erledigungen.de noch kein Thema. "Wahrscheinlich können unsere Mitarbeiter gar nicht sehen, wer von solch einem Anbieter kommt, schließlich sind die Vollmachten personalisiert", sagt Schlegel. Erledigungen-Mitgründer Neff dagegen sagt: "Viele Schalter-Mitarbeiter finden es angenehm, dass wir alle nötigen Dokumente unserer Kunden beisammen haben." Oft müssten Antragsteller sonst ein zweites Mal zum KVR. Dass man etwa zur Wohnsitzummeldung seit November eine Bescheinigung vom Vermieter braucht, wüssten wenige.

Wer den Dienst in Anspruch nimmt, muss Vertrauen haben

Wer seinen Behördengang erledigt haben will, muss allerdings Vertrauen haben - schließlich überlässt er Fremden wichtige Unterlagen. Die Mitarbeiter sind größtenteils Studenten und nutzen die Wartezeit zum Lernen. Sie würden überprüft und müssten ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, versichert Neff. Außerdem würden die Dokumentenmappen mit GPS-Sendern ausgestattet - bislang können allerdings nur Mitarbeiter sie nachverfolgen, nicht die Kunden.

Alle Beschäftigten bekommen deutlich mehr als den Mindestlohn gezahlt, heißt es. Auch darum muss man sich den Service von Erledigungen.de erst einmal leisten können und wollen. Oder sich einfach selbst ein bisschen Zeit für den Behördengang nehmen.

© SZ vom 22.03.2016/ebri

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