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Hubert und Staller:Das Mundwerk als Waffe

Hubert und Staller Folge 116

"Riedl" und "Staller" (Helmfried von Lüttichau, l.) in der letzten Folge der siebten Staffel von "Hubert und Staller" in der ARD.

(Foto: ARD/TMG/Emanuel Klempa)

Zwei Männer, zwei Welten: Michael Stockhammer arbeitet als Polizeihauptmeister im Wolfratshauser Revier, Paul Sedlmeir spielt den Polizeimeister Martin Riedl in "Hubert und Staller".

Am 7. März erreicht die Wolfratshauser Polizeiinspektion ein Beschwerdebrief aus Hessen. Er kommt von Hannelore B. Sie schreibt: "Jedes Mal, wenn Hubsi aus dem Auto steigt, hängt die rückwärtige Hosenpartie gerade noch mit Mühe an der stärksten Stelle des Rückens." Die Uniformhose des Polizeimeisters Hubert sei kein Ruhmesblatt der bayerischen Polizei. Einmal habe er die Hose um ein Haar ganz verloren. "Das geht nicht", meint Hannelore B. "Sollte der Freistaat die notwendigen Mittel nicht haben, so bin ich gerne zur Finanzierung gegen Spendenquittung bereit."

Michael Stockhammer, 31, vier Sterne, Polizeihauptmeister, muss lachen, als er von dem Brief erzählt. Erst in der vergangenen Woche wurde er selbst wieder auf die Serie angesprochen, halb im Scherz: "Seid ihr die echte Polizei oder von Hubert und Staller?" Es kommt auch immer wieder vor, dass Passanten ihn fragen, wo genau das Revier der Kultkommissare sei. Stockhammer ist jetzt seit zwei Jahren in der Flößerstadt. Nach der Polizei-Ausbildung hat er erst bei der Einsatzhundertschaft gearbeitet, viele Großveranstaltungen, Fußballspiele, Demos. Danach zwei Jahre in der Inspektion Grünwald, bevor er nach Wolfratshausen kam. In eine Stadt, die viele Menschen wie Hannelore B. nur kennen, weil sie "Hubert und Staller" schauen.

Die Serie läuft mittlerweile schon seit Ende 2011 in der ARD. Am vorigen Mittwoch lief die letzte Folge der siebten Staffel im Fernsehen. Es ist insgesamt schon die 116. Episode. Aber wie geht es weiter? Noch im vergangenen Jahr gab Helmfried von Lüttichau bekannt, dass er künftig nicht mehr als Hubert an der Seite von Christian Tramitz zur Verfügung stehen wird. Ein großer Schock für viele Fans. Sicher ist aber immerhin, dass Hubert und Staller am Ende dieses Jahres noch einmal gemeinsam in Wolfratshausen und Umgebung ermitteln: in einem 90-minütigen Weihnachtsspezial.

Besonders gut gefällt Michael Stockhammer, dem echten Polizisten, vor allem eine Sache an der Serie: "Die Leute vergessen oft, dass wir Polizisten auch nur Menschen sind." Aber natürlich gebe es auch jede Menge Dinge, die in der Realität anders laufen als im Fernsehen. Er sagt: "Wer einen gesunden Menschenverstand hat, weiß, dass es bei uns nicht abgeht." So viele Morde wie bei "Hubert und Staller" gebe es in Wolfratshausen zum Glück bei weitem nicht. Viel öfter haben es Stockhammer und seine Kollegen mit Autounfällen oder Streitereien in der Nachbarschaft zu tun. Der Tod von Menschen spiele schon eine Rolle, aber keine omnipräsente. Mordermittlungen würden ohnehin die Kollegen der Kriminalpolizei übernehmen.

Trotzdem weiß der Polizist vor einem Einsatz nie, was ihn am Ort wirklich erwartet. Stockhammer mag genau das an seinem Job, "dem besten Beruf", den er sich vorstellen könne.

"Die wichtigste Waffe, die wir haben, ist unser Mund", sagt er. Danach kämen Kugelschreiber und Block. Seine P7-Pistole von Heckler & Koch musste er noch nie einsetzen. Der Polizeihauptmeister weiß aber auch: "Wir tragen das Ding nicht als Deko." Neben seiner Waffe hat Michael Stockhammer immer Handschellen, Handschuhe, Pfefferspray, Taschenlampe und sein Funkgerät am Mann. Egal, ob er gerade auf Streife ist oder als Dienstgruppenleiter im Büro. Unter der grünen Uniform trägt er eine Schutzweste, "in der Hoffnung, dass ich sie nie brauche".

An seine erste Streife bei einem Raubüberfall erinnert er sich noch besonders gut. Mehrere Täter hatten bewaffnet eine Tankstelle überfallen. Ihre Beute: ein paar Schachteln Zigaretten. Sie hätten aus einer Bierlaune heraus gehandelt, sollen sie später gesagt haben. "Es gibt in diesem Beruf wirklich nichts, was es nicht gibt", sagt Michael Stockhammer.

Mit kuriosen Fällen hat auch der Münsinger Paul Sedlmeir Erfahrung. Er spielt den Polizeimeister Martin Riedl in "Hubert und Staller", oder wie er es ausdrückt: "die arme Sau des Reviers". Riedl hat nur zwei Sterne und muss meistens mit dem Radl fahren, während seine Schauspielkollegen Tramitz und von Lüttichau den Streifenwagen nehmen. "Er steht sich oft selbst im Weg und die anderen tun es auch noch", sagt Sedlmeir über seine Rolle. Er habe vor einiger Zeit von einem richtigen Polizisten gehört, dass es völlig unmöglich sei, in Riedls Alter noch diesen niedrigen Dienstgrad zu haben. Im Supermarkt kam auch einmal eine Frau auf ihn zu, erzählt Paul Sedlmeir. "Sie tun mir Leid", soll sie gesagt und den Riedl gemeint haben. Für die Zukunft wünscht sich der Schauspieler, dass der Polizeimeister öfter in die Fälle eingebunden wird.

Michael Stockhammer ist Polizeihauptmeister in Wolfratshausen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bei den Dreharbeiten kommt es auch immer wieder vor, dass Sedlmeir am Set erkannt wird. Er ist in Münsing aufgewachsen. "Es ist wahnsinnig angenehm hier in der Region zu drehen, weil ich viele Leute kenne und dann ratscht man halt ein bisschen." Dass die Serie mal so erfolgreich werde, habe bei der Pilotfolge noch keiner gedacht, sagt er. Was ist das Geheimrezept von "Hubert und Staller"? "Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau kennen sich schon ewig", erzählt Sedlmeir. Deswegen komme es auch so ehrlich rüber.

"Ich könnte mir schon vorstellen, dass einige Polizisten auch gerne mal so schimpfen würden wie der Hubert."

Michael Stockhammer von der Wolfratshauser Polizei schaut sich die Serie auch gerne an. Das sei einfach gute Unterhaltung, sagt er. Besonders hat er sich aber über den kuriosen Brief aus Hessen gefreut. Sein stellvertretender Dienststellenleiter habe Hannelore B. schon geantwortet und sie in die Inspektion am Hans-Urmiller-Ring eingeladen. "Um sich ein Bild von der neuen bayerischen Uniform zu machen", heißt es im Schreiben.