Denkmalgeschütztes Ensemble in DießenBeschluss über Zukunft der Huber-Häuser soll noch heuer fallen

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Die denkmalgeschützten Huber-Häuser in Dießen waren mal eine Druckerei, nun gehören sie der Gemeinde. Was aus ihnen werden soll, will Bürgermeisterin Perzul noch mit dem amtierenden Gemeinderat klären.
Die denkmalgeschützten Huber-Häuser in Dießen waren mal eine Druckerei, nun gehören sie der Gemeinde. Was aus ihnen werden soll, will Bürgermeisterin Perzul noch mit dem amtierenden Gemeinderat klären. (Foto: Arlet Ulfers)

In einer Sondersitzung informiert sich der Dießener Gemeinderat noch einmal über Nutzungs- und Eigentumskonzepte für die Industriebrache. Bürgermeisterin Sandra Perzul will bis zur Wahl eine Entscheidung erreichen.

Von Armin Greune, Dießen

Sollen die Huber-Häuser in Dießens Zentrum nach der Sanierung vor allem als Treffpunkt und Kulturzentrum dienen? Oder wird in der brachliegenden vormaligen Druckerei mit einem Investor gewinnbringend Wohnraum geschaffen? Will die Kommune ihr denkmalgeschütztes Erbteil verkaufen, vermieten, in Erbpacht vergeben oder ganz behalten? Auch nach der jüngsten Sondersitzung bleibt unklar, welchen Kurs der Marktgemeinderat mit der renovierungsbedürftigen Immobilie anstrebt.

Immerhin sprach Bürgermeisterin Sandra Perzul davon, dass sie einen Grundsatzbeschluss noch vom aktuellen Gemeinderat treffen lassen will – wohl, um das seit Jahren heiß diskutierte Thema weitgehend aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten. „Wir sollten noch heuer ein Konzept – oder eventuell eine Mischung aus einzelnen Vorschlägen – verabschieden und festlegen, was wir als Eigenanteil leisten können“, sagte Perzul. Nun sollen zunächst konkrete Zahlen zur Finanzierung der verschiedenen Nutzungs-, Organisations- und Eigentumskonzepte eingeholt werden.

Während in der Sitzung sechs Gemeinderäte fehlten, waren die Zuschauerränge in der Aula der Carl-Orff-Schule bis zum letzten Platz gefüllt – wie schon Anfang Juni, als die fünf eingereichten Konzepte erstmals öffentlich vorgestellt wurden. Inzwischen haben vier Bewerber ihre Pläne modifiziert. Zwei davon – der Verein „Freie Kunstanstalt“ und die Münchner Firma „EB – Erhaltung von Bauwerken“ – haben sich jetzt zusammengeschlossen. Gemeinsam will man ein „lebendiges Kreativzentrum“ mit Räumen für Gewerbe, Veranstaltungen und neue Wohnkonzepte schaffen. Zur Gegenfinanzierung soll die Gemeinde den westlichen Teil des Areals verkaufen, wo EBM acht Wohneinheiten bauen will.

Die Maklerin Irina Aigner hat ihre im Juni vorgestellten Investoren-Pläne von 37 auf 22 Wohnungen abgespeckt. Im rückwärtigen Bereich des Areals ist nun eine „gewerbliche Nutzung“, etwa mit VHS, Musikschule und Vereinen, vorgesehen.  „Wir wollen eine wirtschaftliche Lösung“, sagte Aigner und bot an, „ehrenamtlich“ die Bauleitung zu übernehmen. Ihr schwebt eine Stiftung vor, an der die Gemeinde einen Anteil von 51 Prozent hält.

Lebendiges Kreativzentrum, Kulturwerkstatt für die Allgemeinheit, gewerbliche Nutzung mit VHS und Vereinen oder Mietateliers: Vier Bewerber haben unterschiedliche Konzepte für die Huber-Häuser in der Johannisstraße.
Lebendiges Kreativzentrum, Kulturwerkstatt für die Allgemeinheit, gewerbliche Nutzung mit VHS und Vereinen oder Mietateliers: Vier Bewerber haben unterschiedliche Konzepte für die Huber-Häuser in der Johannisstraße. (Foto: Arlet Ulfers)

Die beiden anderen Bewerber wollen ganz auf eine gewinnorientierte Vermarktung der Immobilie verzichten.  Architektin Carolin Willy hatte zunächst vor, in den Huber-Häusern kommunale Einrichtungen mit Wohneigentum im Bauherrenmodell zu kombinieren. Jetzt aber spricht sie sich für eine ausschließlich gemeinnützige Lösung mit Mietateliers und experimentellen Wohn-und Arbeitsformen aus: Für ein derartiges Modellprojekt stelle der Freistaat Fördermittel in Höhe von 80 Prozent der Bau- und Sanierungskosten in Aussicht – vorausgesetzt, die Gemeinde bleibt Eigentümer des Ensembles und bringt selbst etwa 3,2 Millionen Euro auf.

Die Sanierung soll 15 bis 20 Millionen Euro kosten und frühestens in acht Jahren erfolgt sein

Im Gegensatz zu den Mitbewerbern hat die „Kulturwerkstatt“ ihr Konzept nicht geändert. Das Prinzip, in den Häuser „zu 100 Prozent Gemeinwohl“ zu realisieren, sei auf „überwältigendes Interesse“ gestoßen, sagt die Bauingenieurin Anna Sander als Sprecherin der Initiative. Man habe „umfangreiche Angebote für Spenden und zinslose Darlehen“ erhalten, falls das Ensemble künftig als Werkstattgemeinschaft, Begegnungs- und Kulturzentrum genutzt werde. Das Netzwerk wachse ständig.

Damit das auch so bleibt, hat die zehnköpfige Gruppe ein sehr professionell wirkendes, zwölfseitiges Faltblatt mit ihren Zielen produziert, das erstmals in der Sitzung verteilt wurde. Auch die Kulturwerkstatt rechnet mit der Städtebauförderung, die neue Initiative „Innen statt außen“ verspricht Zuschüsse von 80 bis 90 Prozent. Den Rest sollen die Gemeinde und eine in Erbpacht eingesetzte Genossenschaft beisteuern, die auch die Verwaltung der Häuser übernehmen würde.

Fabian Fischer von der Regierung von Oberbayern erläuterte die Förderrichtlinien und dämpfte die Erwartungen auf einen raschen Baubeginn: Das Verfahren werde mindestens drei Jahre beanspruchen. Die Kulturwerkstatt erwartet anschließend eine Bauzeit von fünf bis acht Jahren – bei Sanierungskosten von 15 bis 20 Millionen Euro.

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