Sechs offizielle Trails für Mountainbiker gibt es im Würmtal zwischen Gauting und Leutstetten. Die Pfade sind nicht illegal durch Freizeitsportler im Wald entstanden, sondern ein amtlich freigegebenes Netz, das fast unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit extra für die Geländeradler geschaffen wurde. Für die Naherholungsgebiete im Großraum München hat das Projekt damit Beispielcharakter. Von einer Blaupause und einer Vorbildfunktion sprechen daher Ralf Schwarz von der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) und Emil Hudler, der den Forstbetrieb München seit vergangenem Sommer leitet.
Noch Ende 2023 hatten sich Hudlers Vorgänger Wilhelm Seerieder, Starnbergs Landrat Stephan Frey (CSU) und Naturschützer kritisch zum verwinkelten Routennetz geäußert, das im Laufe der Jahre illegal im Würmtal entstanden war. An den Westhängen oberhalb des engen, gewundenen Flusstals führen die Routen durch natursensiblen, von wenigen Fichten durchsetzten Buchenwald, der im unteren Bereich als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) geschützt ist.
Zum „absoluten Breitensport“ habe sich das Mountainbiken im Gelände inzwischen entwickelt, sagt Hudler. Das liege insbesondere an der technischen Entwicklung der Räder, die teils mit Elektromotor ausgestattet sind und somit auch weniger geübte Radler ins steile Gelände bringen. Nur mit Verboten sei der Problematik, dass Freizeitsportler sich ihre Strecken notfalls illegal einfach selbst suchten, nicht beizukommen, findet der Betriebsleiter der Staatsforsten München.
Dafür brauche es vielmehr lösungsorientierte Ansätze. „Ich will lenken. Das ist meine Grundeinstellung, und nicht verbieten“, sagt Hudler. Schließlich habe die Natur besonders im Großraum München auch eine wichtige Erholungsfunktion für die Gesellschaft. Die Mountainbiker auszusperren, sei kein tragfähiges Konzept.
Trotzdem gibt es in der Region teils erhebliche Schwierigkeiten, Lösungen zu schaffen, die der empfindlichen Flora und Fauna, sowie den Bedürfnissen der Freizeitsportler gleichermaßen gerecht werden. So hatte zwar der Deutsche Alpenverein (DAV) den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zur Modellregion eines nachhaltigen Lenkungskonzepts für Mountainbiker erklärt. Trotz jahrelanger Debatte gelang es aber dort nicht, auch nur einen einzigen, offiziellen Mountainbike-Trail auszuweisen, das Projekt endete 2024 ergebnislos.
Und an der Isar im Landkreis München wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt um ein naturverträgliches Konzept für erlaubte Routen gerungen. Erschwert wird das auch durch die vielen verschiedenen Grundeigentümer, die es dort gibt.
Die sechs Trails durchs Würmtal bieten verschiedene Schwierigkeitsgrade
Im Würmtal hingegen gehört das betroffene Gelände allein den Staatsforsten. Diese Tatsache dürfte wesentlich zum erfolgreichen Gelingen des Projekts beigetragen haben. Sechs Trails in drei Schwierigkeitsstufen führen dort nun durch den Wald, auf einer Gesamtlänge von knapp 3,5 Kilometern. „Die Staatsforsten waren an Lösungen orientiert“, sagt Ralf Schwarz, Sprecher und Übungsleiter für die Interessengemeinschaft der DIMB im Fünf-Seen-Land.
Mit den Behörden wie dem Landratsamt Starnberg und dem zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sei an einem gemeinsamen Konzept gearbeitet worden. „Der große Schlüssel war, dass wir uns auf Augenhöhe begegnet sind. Und jeder die Sorgen des anderen ernst genommen hat“, so Schwarz.
Entscheidend war laut dem Sprecher der lokalen Mountainbike-Initiative, dass die örtliche „Biker-Community“ einbezogen wurde. Viele Freizeisportler hätten geholfen, die Wege anzulegen. „Für mich ist das eine ganz tolle Geschichte“, sagt Schwarz. Die Nutzer könnten nun sagen, dass das ihre eigenen, selbst geschaffenen Trails seien. Das erzeuge ein ganz anderes Verantwortungsbewusstsein, als wenn Außenstehende die Trails einfach nur bereitgestellt hätten.
Das Streckennetz im Würmtal ist zudem inklusiv ausgerichtet. So eignet sich der 870 Meter lange „Würmflow-Trail“ auch für Trike und Handbike-Fahrer, die körperbeeinträchtigt sind. Das soll auch bald auf der ganzen Strecke des 610 Meter langen „Burgstein-Trails“ möglich sein. Der „Birmingham-Trail“ ist die schwerste Route der Würmtal-Trails, er bietet Sprünge und enge Kurven. Laut DIMB-Sprecher Schwarz ging es darum, das gesamte Netz der sechs Strecken naturverträglich auszubauen.
Eine Aufklärungskampagne für mehr Naturschutz ist gescheitert
Für die Natur war das bis dato wild entstandene Trail-Netz im Würmtal, das sich zudem ständig veränderte, zunehmend problematisch geworden. Teils hatten die Freizeitradler sogar Erdrampen angelegt. Dieser Entwicklung versuchten die Staatsforsten und das Landratsamt Starnberg von Herbst 2023 an zunächst mit einer Aufklärungskampagne entgegenzuwirken. Laut Pressestelle der Kreisbehörde waren dafür Natur-Guides der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg unterwegs. Auch Hinweisschilder wurden aufgestellt. „Die Aufklärungskampagne zeigte aber nicht die gewünschte Wirkung“, so das Fazit.
Um ein mögliches Trail-Netz zu planen, seien die Staatsforsten dann im Jahr 2024 auf das Landratsamt zugekommen, berichtet dessen Sprecher Stefan Diebl. Die Idee war, dass bestimmte genehmigte Trails Schäden in anderen Bereich des Naturhaushalts vermindern. Die DIMB betreibe bundesweit mehrere Trail-Netze für Mountainbiker und sei daher als geeigneter Partner gesehen worden, um geordnete Strukturen zu etablieren. Ein Landschaftsschutzgebiet habe auch zum Ziel, dass sich Menschen in der freien Natur erholen können, erklärt Diebl.
Durch die DIMB habe sich die Chance ergeben, sich „eng mit der Community zu vernetzen“, betont auch Forstbetriebsleiter Hudler. So ein Träger könne umso besser sicherstellen, dass sich die Mountainbiker an das legale Netz halten und die illegalen Strecken künftig in Ruhe lassen. Das scheint im Würmtal zu klappen. „Bislang ist die Community sehr kooperativ unterwegs“, sagt Hudler.


