Würmtal Hilfe für die Helfer

Würmtal-Insel sucht Sozialpädagogen, der die Flüchtlingsarbeit koordinieren soll

Von Christiane Bracht, Würmtal

Drei Monate lang waren die Helfer auf sich allein gestellt, haben Kleider gesammelt für die 200 Flüchtlinge in der Planegger Turnhalle, Fahrräder organisiert und Sport angeboten von Fußball bis Klettern. Natürlich kümmerten sich die Ehrenamtlichen auch um behördliche Schreiben, um Dolmetscher sowie um ärztliche Untersuchungen und richteten Sprachkurse ein. "Es war ein Fulltime-Job", stöhnt Manuela Suckau. Dann belegte das Landratsamt München auch noch die Turnhalle des Gräfelfinger Gymnasiums, diesmal nicht mit jungen Männern wie in Planegg, sondern mit Familien. Unter den Flüchtlingen waren viele Schwangere. Das stellte den Würmtaler Helferkreis Asyl vor neue Probleme. "Es gab Geburten in der Halle und die Kleider, die der Kreis in Planegg gesammelt hatte, passten nicht. Wir mussten Kinderbetreuungen organisieren, denn in Schulen und Kindergärten werden die Kleinen nicht aufgenommen, da sie nur vorübergehend da sind", berichtet Friederike Rother. Zwar meldeten sich in beiden Gemeinden viele Freiwillige, manche stürzten sich sofort in die Arbeit, andere hatten weniger Zeit. Von den Behörden aber fühlten sie sich allein gelassen. "Wir wussten gar nichts, weder was die Leute brauchen, noch wie wir die Sache anpacken sollten", erinnert sich Suckau.

Der Helferkreis existiert zwar schon seit mehr als 20 Jahren und betreut Asylsuchende in Gräfelfing, Planegg und Krailling, doch bis vor drei Monaten war dies eine überschaubare Zahl an Familien, die dank Patenschaften alle gut integriert sind. Jetzt hat sich die Situation geändert: Knapp 100 Helfer kümmern sich momentan um die 50 Familien in der Gräfelfinger Turnhalle, die 200 Flüchtlinge in Planegg sind am Dienstag nach Unterhaching verlegt worden, das gibt den 100 Ehrenamtlichen dort Gelegenheit durchzuschnaufen. Denn die nächsten 70 kommen erst im Dezember, weitere 70 sollen im Januar in Martinsried untergebracht werden, und Krailling erwartet Ende Januar 100 Flüchtlinge. Auch hier haben sich bereits 70 Freiwillige gemeldet, die den Fremden zur Seite stehen wollen.

Angesichts dieser Zahlen ist in den drei Gemeinden die Einsicht gereift, dass man die Helfer unterstützen muss. Eine Koordinationsstelle soll nun im Sozialnetz Würmtal-Insel eingerichtet werden. Man hofft, bald möglichst einen Sozialpädagogen zu finden, der sich 19,5 Stunden pro Woche um alle Probleme kümmert, die Helfer und Flüchtlinge mit Behörden haben. Die Stelle ist auf zwei Jahre befristet und wird die Kommunen knapp 30 000 Euro kosten.

Die Helfer sind froh. "Es ist wichtig, dass ein Sozialbetreuer da ist, der mit den Daten vom Landratsamt vernetzt ist", sagt Suckau. Denn es kommen Traumatisierte, die eine Fachbehandlung brauchen, andere haben einen Unfall, kommen ins Krankenhaus, und die Rechnung geht den Helfern zu. Situationen, die sie zuweilen überfordern.