Kann man das Große im Kleinen zeigen? Dieser Frage ging der Dokumentarfilmer und Würmanrainer Friedrich Klütsch sozusagen direkt vor der eigenen Haustür mit seiner Kamera nach. Über einen Zeitraum von 15 Jahren arbeitete er an dem Film „Welt an der Würm – Fremde Heimat“, der am Sonntagabend im Gautinger Kino Premiere feierte. Mit beeindruckenden Naturaufnahmen und zahlreichen Interviews mit Menschen, die an der Würm leben oder arbeiten, will er sichtbar machen, welche Auswirkungen Globalisierung, Weltpolitik und Klimawandel auf das Leben entlang des nur knapp 40 Kilometer langen Flüsschens haben.
Das Eindringen des Fremden ist gleichsam das Leitmotiv dieses 60 Minuten langen Dokumentationsfilms. Dieser spannt einen Bogen von den Römern im allgemeinen, die ihren „Lifestyle“ mit Fußbodenheizung mit ins Voralpenland brachten, und jenem Publius Iulius Pintamus im Besonderen, der sich im zweiten nachchristlichen Jahrhundert nahe der Würm in Leutstetten ein Landhaus baute, bis hin zu einem aus China eingeschleppten Virus, das sich im Jahr 2020 von einem Konferenzraum am Würmufer in Stockdorf aus in Deutschland verbreitete und die Welt veränderte.
Aus China kam einst auch das Porzellan, das im 18. Jahrhundert der letzte Schrei an den europäischen Fürstenhöfen war und alsbald auch in einer mit Würmwasser betriebenen Manufaktur in Nymphenburg hergestellt wurde. Ebenfalls eher versehentlich breiten sich Neophyten wie das indische Springkraut und der japanische Knöterich im Würmtal aus. Steigende Temperaturen werden in Zukunft dort die Flora und Fauna verändern. Als Fremde kamen einst auch die russisch-orthodoxen Mönche, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit aus Ladomirova in der Ostslowakei flüchten mussten und in Obermenzing das Kloster des Heiligen Hiob gründeten. Und nicht zuletzt ist das Leid der KZ-Häftlinge, die in den letzten Tagen auf den sogenannten Todesmärschen durch das Würmtal getrieben wurden, unauslöschlich in die Geschichte dieser Kulturlandschaft eingraviert.


Der Film ist nicht geografisch angelegt, folgt also nicht dem Weg der Würm vom nördlichen Ende des Starnberger Sees bis zur Mündung in die Amper bei Dachau. Auch zeichnet er keine historische Abfolge von Ereignissen nach. Vielmehr reiht er assoziativ verschiedene Szenen aneinander, wiederholt einzelne Aspekte mehrmals. Durch den konsequenten Verzicht auf erklärende Texte und Kommentare aus dem Off bleiben zwangsläufig viele Fragen offen. Die Stärke dieses Films liegt aber ohnehin nicht in seiner dokumentarischen Qualität, sondern vielmehr in der liebevollen Hinwendung zu einem Stück Heimat. Bestechend sind deshalb vor allem die Naturaufnahmen, die suggestiven Bilder von fließendem Wasser und stillen Uferlandschaften.

Man könnte sicher darüber streiten, ob der Film angesichts dieser schönen Bilder und der sehr stimmigen Filmmusik von Wolfgang Neumann unbedingt noch Karl Valentin als Maskottchen gebraucht hätte. Aus Schwarz-Weiß-Fotos ausgeschnitten wurde der unglückliche Komiker, der 1948 in Planegg an der Würm starb, in verschiedene Filmsequenzen hinein montiert, mal als Angler und zum Schluss sogar als Ballonfahrer. Auch sein berühmter Satz „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ wird etwas überstrapaziert.
Der Film wird am Sonntag, 1. Februar 2026, und am Sonntag, 8. Februar 2026, jeweils um 11 Uhr, am Dienstag, 17. Februar 2026, um 18.15 Uhr und am Sonntag, 22. Februar 2026, um 13 Uhr im Kino Breitwand in Gauting gezeigt.

