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Wohnungsbau:Tutzing soll Sozialwohnungen selbst schaffen

Am Kallerbach entstehen 70 Sozialwohnungen; Am Kallerbach in Tutzing

Der Baubeginn war für das Frühjahr geplant, nun sind die Bagger angerückt: Am Kallerbach in Tutzing baut der Verband Wohnen 70 Apartments.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Grünen fordern den Aufbau einer gemeindeeigenen Baugesellschaft. Die Bürgermeisterin findet die Idee gut. Der Verband Wohnen des Landkreises kritisiert den Plan.

Von David Costanzo

Endlich laufen die Arbeiten am Kallerbach. Mit mehreren Monaten Verspätung haben die Bagger angefangen, die Baugrube für die fünf Mehrfamilienhäuser des Verbands Wohnen in Tutzing auszuheben. In zwei Jahren sollen Bedürftige die 70 Sozialwohnungen beziehen können. Doch schon jetzt ist absehbar, dass dies bei weitem nicht reichen wird: Denn auf der Warteliste für eine Sozialwohnung in der Gemeinde stehen derzeit 450 Menschen, die Hälfte von ihnen aus Tutzing. Darum fordern die Grünen im Gemeinderat die Gründung einer Tutzinger Wohnungsbaugesellschaft. "Mit reinen Lippenbekenntnissen muss jetzt Schluss sein", erklären Bernd Pfitzner und Christine Nimbach. Während sich Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) offen zeigt, kritisiert die Baugesellschaft des Landkreises, der Verband Wohnen, die Idee.

Ein Tochterunternehmen der Gemeinde - ob als GmbH oder Genossenschaft - soll nach Auffassung der Grünen in Tutzing Grundstücke beschaffen, Wohnungen bauen sowie alte Gebäude herrichten - wie das Mayr-Haus am südlichen Ortseingang, das die Gemeinde vor Jahrzehnten geerbt hat und das leer steht. "Ein Privatmann würde das Mayr-Haus mit einem Kredit sanieren und vermieten", sagt Pfitzner.

Die Gemeinde aber dürfe nicht so leicht Schulden machen wie eine Gesellschaft. Zudem sei die Verwaltung personell nicht für die Aufgaben gerüstet. "Eine Professionalisierung ist hier dringend angeraten", erklären die Grünen. So eine Gesellschaft sei prädestiniert für die Soziale Bodennutzung (SoBon), die Tutzing kürzlich eingeführt hat, erklärt Nimbach: "Die Gemeinde hat die Möglichkeit, günstig an Grundstücke zu kommen. Sie kann den vorherigen Eigentümern vertraglich versichern, dass mit ihren Grundstücken nicht spekuliert wird." Das kommunale Unternehmen soll nicht mit dem Verband Wohnen, dem Tutzing und alle Gemeinden im Landkreis angehören, konkurrieren, sondern ihn ergänzen. Während der Verband sich auf Großprojekte konzentriere, sagt Pfitzner, könne sich die Gemeinde kleinteiligen Maßnahmen widmen.

Bürgermeisterin Greinwald befürwortet die Idee und hat sie bereits in der Verwaltung besprochen. "Wenn der Antrag so funktionieren würde, wäre es gut. Aber die Verwaltung meint, das sei gar nicht so einfach." Der Knackpunkt sei immer das Geld, genauer: ob und wie Kredite den kommunalen Haushalt belasten. Denn Tutzing ist notorisch knapp bei Kasse und hat große Investitionen zu stemmen, die Sanierung der Mittelschule oder den Umbau der Hauptstraße. Das Gymnasium würde die Gemeinde am liebsten gleich ganz an den Landkreis abgeben. Greinwald, die seit Februar im Amt ist, bekennt, dass Tutzing mit seinen Immobilien wie etwa dem Mayr-Haus oder den beiden Obdachlosenunterkünften "kein gutes Bild abgibt". Das liege aber nicht an mangelnder Professionalität, sondern am Sanierungsstau, den die Verwaltung abarbeiten müsse, und am Geld.

Überrascht zeigt sich der Verband Wohnen. "Das wäre natürlich eine Konkurrenz für uns", sagt der Geschäftsführer Michael Vossen. "Wir haben viel Geld in Tutzing investiert und stehen für weitere Projekte Gewehr bei Fuß." Wenn ein Bau unwirtschaftlich für den Verband sei, rechne er sich auch für die Gemeinde nicht. Bislang vermietet der Verband 280 billige Apartments in Tutzing, die Häuser an der Kellerwiese seien zuletzt für acht Millionen Euro saniert worden. Und die 70 neuen Wohnungen am Kallerbach schlagen mit 21 Millionen Euro zu Buche.

© SZ vom 04.09.2018

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