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Wohnungsbau:Ein Drittel ist günstiger

Prix-Gelände wird Wohngegend

Das ehemalige Prix-Gelände neben dem Schondorfer Schulzentrum soll in den nächsten zwei Jahren mit Wohnhäusern bebaut werden.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

Auf dem Prix-Gelände in Schondorf entsteht eine neue Siedlung, ein Teil der Wohnungen wird "sozialgerecht" vergeben

Von Armin Greune, Schondorf

Ab sofort können sich Schondorfer Bürger mit beschränktem Einkommen und Vermögen um günstigen Wohnraum im Quartier auf dem ehemaligen Prix-Gelände bewerben: Wie mit dem Investor beim Verkauf des Areals vereinbart wurde, sind 30 Prozent der neuen Wohnungen und Reihenhäuser an "die ortsverbundene Bevölkerung mit besonderem Bedarf" abzugeben. Erklärtes Ziel der Gemeinde Schondorf ist es, trotz exorbitanter Immobilienpreise Mittelstand und Dorfgemeinschaft im Ort zu erhalten. Auf der kommunalen Homepage www.schondorf.de kann man unter "Prix-Gelände" und "sozialgerechtes Wohnen" die Vergabekriterien einsehen und einen Antrag auf Vergabe von Wohnraum ausfüllen.

Konkret sind sechs Reihenmittelhäuser und 17 Wohnungen mit zwei bis vier Räumen im Angebot, das Vorschlagsrecht für die Käufer oder Mieter liegt bei der Gemeinde Schondorf. Der zwischen Gemeinde und der Bausparkasse "Wüstenrot" vereinbarte Kaufpreis liegt laut Vertrag "weit unter den üblichen Marktpreisen". Über die Zahlen wird im Moment noch verhandelt, doch Bürgermeister Alexander Herrmann zufolge werde der Mietzins zehn Euro netto pro Quadratmeter und der Kaufpreis weniger als die Hälfte des Werts auf dem freien Immobilienmarkt betragen.

Die ohne Preislimit veräußerbaren Wohnungen bietet Wüstenrot bereits im Internet an. Unter dem etwas hochtrabenden Namen "A Riva" - das Prix-Areal liegt zwischen Bahnlinie und Schulstraße und ist eine Viertelstunde zu Fuß vom Seeufer entfernt - beginnen die Preise bei 389 000 Euro für eine 46 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung und enden bei fast 1,47 Millionen Euro für ein Sechszimmerhaus mit 200 Quadratmeter. Eine knapp halb so große Vierzimmerwohnung kostet rund 800 000 Euro. Einschließlich der vergünstigten Objekte entstehen im Quartier insgesamt 75 neue Wohneinheiten: 59 in zwei dreigeschossigen Blocks und 16 in Reihenhäusern, einem Vier- und vier Dreispännern. Laut Wüstenrot soll noch in diesem Sommer mit dem Bau begonnen werden. Die Fertigstellung der Reihenhäuser ist zum Jahreswechsel 2020/21 geplant, die Blocks sollen Mitte 2022 zu beziehen sein.

Für die zum Vorzugspreis je nach Nachfrage vermieteten oder verkauften Objekte gelten Einkommens- und Vermögensobergrenzen. So dürfen Einzelpersonen jährlich maximal 65 000 Euro und vierköpfige Familien 104 000 Euro verdienen; das Gesamtvermögen darf bei Singles 100 000 und bei Paaren 175 000 Euro nicht übersteigen. Käufer und Mieter müssen die Objekte mindestens 15 Jahre selbst nutzen; von der Vergabe ausgeschlossen sind Eigentümer von Wohnimmobilien. Aus allen akzeptierten Bewerbern stellt die Gemeinde eine Rangliste nach einem detaillierten Punktesystem auf: Entscheidende Kriterien dabei sind Wohndauer im Ort (maximal 150 Punkte) beziehungsweise für Auswärtige ein Arbeitsplatz in Schondorf (maximal 60 Punkte); Kinder, Menschen mit Behinderung oder ein festgestellter Pflegegrad im Haushalt bringen pro Person jeweils bis zu 50 Punkte ein. Das gleiche gilt für Eigentum und Vermögen, die auf niedrigstem Niveau jeweils mit 50 Bonuspunkten zu Buche schlagen.

Da alles bis auf einen Punkt genau bewertet wird, sind gleiche Punktsummen von Kandidaten unwahrscheinlich. Ein ähnliches Chaos wie bei der Vergabe von Bauland in Starnberg, wo ein Großteil der Bewerber im Ranking gleichauf lagen, ist also nicht zu erwarten.

© SZ vom 02.06.2020

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