Behutsame Planung:Wörthsee macht's selbst

Die Gemeinderäte entschließen sich dazu, das Raabe-Grundstück samt Traditionsgaststätte in Steinebach zu kaufen und moderat bebauen zu lassen, weil ihnen die Pläne der Investoren als viel zu massiv erscheinen

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Selten waren sich die Wörthseer Gemeinderäte so einig wie an diesem Dienstagabend, auch wenn diese Einigkeit teuer bezahlt werden muss. Nicht ein Investor wird das Raabe-Grundstück mit der Traditionsgaststätte "Kirchenwirt" kaufen und bebauen, sondern die Gemeinde selbst nimmt das in die Hand. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, das Vorkaufsrecht für das etwa 3000 Quadratmeter große Areal in der Steinebacher Dorfmitte auszuüben.

Eine Stunde lang ließen sich die Gemeinderäte hinter verschlossen Türen von Rechtsanwalt Gerhard Spieß über das Vorkaufsrecht beraten, nachdem in öffentlicher Sitzung die zwei Investoren Stefan Schmid und Jürgen Rödig ihre Pläne für das Areal vorgestellt hatten. Dass es für die Unternehmer nicht einfach werden würde, war schnell klar. Denn ihr Vorschlag einer Bebauung war den Gemeinderäten vor allem eines: viel zu massiv. "Das ist Gilching, was wir hier sehen", meinte Monika Ofer (SPD).

Dabei schien schon alles in trockenen Tüchern zu sein. Im vergangenen November stellten Schmid und Rödig ihre Pläne zum ersten Mal nichtöffentlich vor. Sie versprachen dabei, in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde das Areal zu entwickeln und vor allem das Wirtshaus zu erhalten. Am 13. Dezember dann wurde ein Kaufvertrag beim Notar aufgesetzt, eine Woche später teilten Schmid und Rödig als "RFC & Terra GbR" mit, dass sie die neuen Eigentümer seien und mit der Gemeinde "eine bürgernahe Nutzung des Geländes" erarbeiten wollten. Bis dahin hatten sie bereits die Heizung wieder in Gang gesetzt und auch den maroden Dachstuhl abgestützt, wie Rödig am Dienstag berichtete. Doch am 11. Januar habe sie die Nachricht erreicht, dass die Gemeinde eventuell vom Vorkaufsrecht Gebrauch machen wolle.

Dabei stimmen Ziele und Visionen beider Parteien ziemlich überein. Im Bebauungsplan "Areal Kirchenwirt", den der Gemeinderat im Mai 2016 beschlossen hat, sind Gastronomie, Wohnungsbau und Einzelhandel festgelegt. Das prägnante Kirchenwirt-Gebäude muss erhalten, im Erdgeschoss auch wieder eine Gaststätte einziehen, fordert die Gemeinde. Für Schmid und Rödig kein Problem - wenn es denn wirtschaftlich sei. Und das sei es nur, wenn so viel Wohnraum wie möglich entstehe. "Da erwarten wir schon ein Entgegenkommen der Gemeinde", meinte Rödig.

Daraus wird nichts. Quer durch die Fraktionen wurde eine solch massive Bebauung abgelehnt, die offensichtlich weit über die Vorgaben des Bebauungsplans hinausginge. Wie viel, war unklar, denn die Investoren machten überhaupt keine Angaben über die Größe der geplanten Gebäude. "Ich habe noch nie Kaufleute ohne Zahlen erlebt", wunderte sich Klaus Kaplaner (SPD). Als klar war, dass die Entscheidung zugunsten des Vorkaufsrechts ausfallen würde - Schmid und Rödig hatten die Sitzung zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen - waren die Gemeinderäte geradezu erleichtert und euphorisch. "Ich bin froh, dass das jetzt die Gemeinde entwickelt", sagte Konrad Gritschneder (CSU-Fraktion). Behutsam soll das Areal überplant werden, so, dass der Platz belebt werde, aber als Dorfmitte noch erkennbar sei.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal (SPD) sagte am Mittwoch, dass jetzt so schnell wie möglich ein Fachmann zu Rate gezogen werden solle, der eruiere, welche Arbeiten am Kirchenwirt am nötigsten seien, damit das Gebäude nicht weiter verfalle und bald wieder genutzt werden könne. Die früheren Eigentümer, Wilhelm und Andrea Raabe, sowie die Bürger könnten sich jetzt darauf verlassen, dass das Wirtshaus erhalten bleibe.

Er hoffe, dass die Gemeinde das jetzt schnell umsetze, sagte Stefan Schmid am Mittwoch. Ein wenig gewundert habe er sich schon über den Beschluss, "das hätte man auch schon vor eineinhalb Jahren machen können". Aber da er demnächst selber Steinebacher werde, wünsche er sich, dass es weitergehe am Ort.

Keine Sorgen macht sich Kämmerer Thomas Dischner. Auf die Frage, ob die Gemeinde sich den Kauf überhaupt leisten könne, kommt ein eindeutiges "Ja". Der Grundstückspreis liegt dem Vernehmen nach bei 2,1 Millionen Euro. Dazu kommen Maklerkosten und die Grunderwerbssteuer.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB