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Wörthsee/Weßling:Endspurt auf der Weßlinger Umfahrung

In einem Monat wird die neue Trasse für den Verkehr freigegeben. Und Wörthsee gibt seine Hinhaltetaktik auf

Das Kriegsbeil ist begraben, der Grundstücksstreit zwischen den Nachbarn Wörthsee und Weßling beendet. Der Gemeinderat in Wörthsee signalisierte am Mittwoch den Weßlingern, zwei Areale an der neuen Umgehungsstraße zu verkaufen. Das Landratsamt Starnberg müsste damit kein Enteignungsverfahren einleiten.

Es war eine komplizierte Geschichte, denn die beiden Flächen beidseitig der Trasse - 1725 und 1415 Quadratmeter groß - gehörten früher einem Schulverbund. Dieser wiederum setzte sich aus mehreren Ortsteilen der heutigen Gemeinden Wörthsee und Seefeld zusammen. Während Seefeld sofort bereit war, seinen Anteil an den Grundstücken an Weßling zu verkaufen, blieben die Wörthseer stur. Schließlich waren sie von Anfang an gegen den Bau der umstrittenen Umgehung, die durch ihr Wasserschutzgebiet läuft. Aber jetzt, da die Ortsumfahrung am Montag, 28. November, eröffnet wird, sahen selbst die Wörthseer ein, dass die Hinhaltetaktik nichts mehr bringt. "110 Jahre war die Sache ungeklärt. Zeit, dass sich das ändert", sagte Vize-Bürgermeister Konrad Gritschneder.

"Das ist ja mal eine gute Nachricht", sagte Weßlings Bürgermeister Michael Muther am Donnerstag. Drei Euro pro Quadratmeter Wald bezahlt er, plus den Wert des Bestands. Bauträger der Ortsumfahrung ist das Staatliche Bauamt. Aber da Weßling das Projekt in Sonderbaulast vorfinanziert, muss auch die Gemeinde die dazugehörigen Grundstücke kaufen, um dann alles an den Freistaat übergeben zu können. Ziemlich kompliziert das alles.

Aus den alten Schulverbund-Unterlagen hat das Verwaltungsgericht ermittelt, dass von den insgesamt 3140 Quadratmetern vier Fünftel der Gemeinde Seefeld und ein Fünftel Wörthsee zustehen. Aber da sei vielleicht mehr drin, meinte Konrad Gritschneder am Mittwoch. "Vielleicht können wir uns auf wenigstens 40 zu 60 einigen." Nachbarbürgermeister Wolfram Gum habe jedenfalls schon Zustimmung signalisiert.

Um 14 Uhr wird das Band am 28. November durchschnitten, dann geht die Umfahrung von Weßling in Betrieb. Schon in den 1970er Jahren habe es Pläne für eine Verkehrsentlastung der Gemeinde gegeben, erinnert sich Muther. Die dann wieder in der Schublade verschwunden sind. Im Februar 2010 dann erließ die Regierung von Oberbayern den Planfeststellungsbeschluss. Doch bis zum offiziellen Baubeginn im April 2015 dauerte es: Klagen mussten verhandelt, Grundstücke erworben werden.

Die 3,3 Kilometer lange Umfahrung kostet etwa zehn Millione Euro. Der Freistaat zahlt 85 Prozent der förderfähigen Kosten, 15 Prozent muss Weßling übernehmen. Muther geht von einer Summe zwischen 2,3 und 2,5 Millionen Euro aus. Ganz genau weiß er es voraussichtlich im ersten Quartel 2017, wenn die Schlussrechnung eingegangen ist.

© SZ vom 28.10.2016
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