Premiere für den neuen Veranstaltungssaal beim Kirchenwirt: Zwar hatte es seit vergangenem Oktober schon ein paar Probeläufe gegeben, aber der Neujahrsempfang für die ehrenamtlich engagierten Bürger der Gemeinde Wörthsee war das erste große von der Kommune organisierte Event. Bürgermeisterin Christel Muggenthal verlieh dem Abend mit ihrem funkelnden, paillettenbesetzten Rock den passenden Glanz. Im Ort werden noch alte Tugenden wie „Anstand, Höflichkeit und Toleranz gelebt“, lobte sie. Die wahren Stars der Gemeinde aber sind die Ehrenamtlichen, die ebenfalls in festlicher Kleidung, in Tracht oder Ausgehuniform der Feuerwehr kamen.
Sie verkörpern Werte wie „Engagement, Ausdauer und Empathie“, betonte Muggenthal in ihrer Rede auf der Bühne an einem Rednerpult mit Gemeindewappen, das erst am Nachmittag fertiggestellt wurde. Auch die neue Tonanlage und die Scheinwerfer wurden gerade noch rechtzeitig zum Empfang installiert. So konnte die „Zwiderwurzn“, „die griabige Tanzlmusi vom Wörthsee“, wie sich die Musiker um Peter Guntz nennen, die Akustik gleich mit ihren Instrumenten wie Klarinette, Akkordeon, Tuba und einem gesungenen „Hallo Wörthsee, Servus“ testen. Viel besser als in der Grundschule, lautete das Resümee. Denn dort hatte der Neujahresempfang in den vergangenen Jahren stattgefunden. Mit dem „Klarinettenmuckl“ leiteten die „Zwiderwurzn“ – zumindest sprachlich – geschickt zu Muggenthals Ansprache über.
Der Saal bietet Platz für etwa 100 Besucher. Er ist im puristischen „Nude-Look“ gestaltet: teils unverputzte Sichtbetonwände, ölgewachstes Industrieparkett aus Eiche, Treppengeländer aus schwarzem Stahl. Ein Hublift erleichtert den Zugang für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen vom Foyer in den Saal. An der Decke sind Akustiksegel aus Holz angebracht, eine Leinwand, Beamer, Tische und Stühle stehen bereit. Eine kleine Teeküche, Toiletten sowie eine Garderobe ergänzen die Ausstattung.
Juliane Seeliger-von Gemmingen, Kulturamtsleiterin der Gemeinde, hat bereits Künstler aus der Gegend durch die Räume geführt, die schon einmal die neue Location „gecheckt“ haben wie der Pianist und Kabarettist Martin Schmitt aus Weßling. „Er war begeistert von der Akustik“, erinnert sich Seeliger-von Gemmingen. Auch Kabarettistin Constanze Lindner habe sie ein „Heimspiel“ im Saal in Aussicht gestellt.

Ein wenig gedulden müssen sich die Künstler allerdings, auch wenn im Saal alles schon für die Auftritte bereitsteht. Die neue gemeindliche Einrichtung braucht nämlich noch ein Nutzungskonzept, eine Haus- und Gebührenordnung. Sie sollen in der nächsten Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung stehen. Dann wird der Gemeinderat bestimmen, wer den Veranstaltungssaal nutzen und mieten darf. Neben Kulturschaffenden sollen örtliche Vereine, Privatleute und Firmen den Saal mieten können. Konzerte, Versammlungen, Jubiläen, Vorträge, Filmabende – vieles ist möglich, aber nicht alles wird erlaubt sein.
So hat der Gemeinderat heftig darüber diskutiert, wie mit Anfragen von politischen Parteien umgegangen werden soll. Eine Entscheidung steht noch aus. Fest steht bisher nur, dass Veranstaltungen aus Rücksicht auf die Anwohner nach 22 Uhr „ohne Lärmbelästigung“ und „nicht im Freien“ erlaubt sind, wie es auf der Gemeindehomepage heißt. Derzeit wird ein Kulturverein gegründet, der sich um das Programm kümmert. „Ideen haben wir genug“, versichert Seeliger-von Gemmingen. Sie steht mit den Nachbargemeinden Weßling, Herrsching, Seefeld und Gauting in Kontakt, um von deren Erfahrungen mit Kulturräumen zu profitieren.
Rund 15 Personen – vom Tontechniker über eine Filmproduzentin bis zur Buchhalterin – möchten sich aktuell im neuen Wörthseer Kulturverein einbringen. „Es sind auch Leute dabei, die gut im Organisieren sind“, freut sich die Kulturamtsleiterin. In Kürze wird der Verein mit der Vorstandswahl und einer Vereinssatzung offiziell gegründet. Der Öffentlichkeit wird er seine Ideen und Pläne im Frühjahr vorstellen. Seeliger-von Gemmingen rechnet damit, dass der Betrieb im Veranstaltungssaal im März losgehen könnte. Sie schwärmt von der Aufbruchsstimmung: „Da entsteht etwas richtig Gutes“.

