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Zuviel Verkehr:Shuttlebus zum Wörthsee für Touristen

Parkplätze sind in der Etterschlager Straße Mangelware.

(Foto: Arlet Ulfers)

Anwohner der Seegemeinde ärgern sich über Ausflügler, die Straßen und Einfahrten zuparken. Ihr Vorschlag: ein Parkplatz am Ortseingang

"Wörthsee wegen Überfüllung geschlossen" - eine solche Warnung auf einem Digitalschild an der Autobahn war einer der Vorschläge, um die Gemeinde vor der Verkehrsflut an schönen Sommertagen zu schützen. Ihr privilegierter Wohnort in Seenähe wird den Bürgern langsam vergällt. Der Verkehr durch die Etterschlager Straße habe sich laut einer Zählung des Staatlichen Bauamts Weilheim in den letzten vier Jahren fast verdoppelt. Der Parkdruck ist gewaltig. "Ich komme nicht mehr aus meiner Ausfahrt raus", berichtete Anwohner Andreas Preussner. Andere meldeten sich bei der CSU-Veranstaltung zum Thema "Wohin mit dem Verkehr?" zu Wort und berichteten von ähnlichen Erfahrungen mit zugeparkten Zufahrten und Rettungswegen, Staus und blank liegenden Nerven.

"Der Verkehr ist das Thema Nummer 1 in Wörthsee", sagte Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Philip Fleischmann. An diesem Abend musste das Nebenzimmer im Augustiner am Wörthsee dank mobiler Trennwände vergrößert werden. Rund 80 Bürger waren gekommen, um über Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Am radikalsten war dabei der Vorschlag, in Seenähe nur mehr Parkplätze für Anwohner auszuweisen, "für Auswärtige gibt es Knöllchen". Diese Lösung hatte der Wörthseer Gemeinderat in einem Pilotprojekt für den Moosbichl- und Brückenweg in Steinebach vorgehabt. Dort war ein Anwohnerparkbereich vorgesehen. Noch bevor es in Kraft getreten war, wurde es vom Gemeinderat ad acta gelegt. Viel zu kompliziert sei die praktische Umsetzung gewesen und die Beschränkung auf einen Anwohner- und einen Besucherparkplatz pro Haushalt war manchen Anliegern zu gering bemessen erschienen. Mehr Parkplätze zu schaffen, wäre jedenfalls keine Lösung, so CSU-Bürgermeisterkandidat Thomas Ruckdäschel. Das würde lediglich noch mehr Verkehr anziehen "und ein Jahr später fehlen wieder Parkplätze".

Applaus gab es für den Vorschlag vor der Gemeindegrenze einen großen Parkplatz anzulegen und die Badegäste mittels Shuttlebussen oder einer Bimmelbahn zum See zu bringen. Vom S-Bahnhof mittels Seilbahn runter zum See, warf Fleischmann in die Diskussion. Statt dieser nicht ganz ernst gemeinten Vision könnten Leihfahrräder an der S-Bahnstation die Lust mit der Bahn zu fahren, steigern. Elisabeth Kruppa erinnerte an ihre Jugend, als Badezüge wahre Völkerwanderungen an Menschen an den See gebracht hätten. Jetzt erhofft man sich durch die zweite Stammstrecke mehr Leute in eine häufiger fahrende, und günstigere S-Bahn zu bekommen.

Um das Zuparken der Straßen zu verhindern, waren in der Gemeinde die Zufahrten zum See in weiten Bereichen zu Rettungswegen deklariert worden, es herrschen Park- beziehungsweise Halteverbote. Das hat bei den Ausflüglern zu Unmut geführt. Seit Jahren besucht Patrik Heider mit seiner Familie den Wörthsee. "Es ist einer der schönsten Badeseen Bayerns", erklärt der Münchner in einer Zuschrift an die SZ-Redaktion. "Zugegebenermaßen war die Parkplatzsituation nie einfach, aber wir haben immer einen ordnungsgemäßen Parkplatz gefunden", erinnert er sich. In diesem Jahr war er nicht fündig geworden. Der Grund seien die neuen Park- und Halteverbote und Rettungswegausweisungen in Seenähe gewesen. "Das Parkverbot zieht sich bis zur Bundesstraße. Man fühlt sofort - Auswärtige ab sofort unerwünscht", ärgert sich Heider. "Ein tolles Gefühl sich so willkommen zu fühlen, wo man doch nur einige Kilometer weiter lebt. Gratulation an die Gemeinde und den Anwohnern, dass sie ihre wundervolle Region alleine und exklusiv genießen können", sagt Heider sarkastisch.

Dabei gehört der See keineswegs nur den Wörthseer Bürgern. Laut Artikel 141, Paragraf 3 der Bayerischen Verfassung ist "der Genuß der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur (. . . ) jedermann gestattet". Darum sind "Staat und Gemeinde berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen (. . .)." Das ist auch den Wörthseern bewusst: "Ich kann die Münchner verstehen. Die wollen bei 30 Grad auch nicht in ihren Wohnungen vor dem Fernseher sitzen", meinte Fleischmann.