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Wörthsee:Protest gegen Baumfällung

Wörthsee: Kuckuckstrasse - Protest gegen bevorstehende Waldrodung

An der Kuckuckstraße protestieren Anwohner gegen die bevorstehende Fällung von Bäumen.

(Foto: Nila Thiel)

Alte Buchen sollen in Steinebach einem Supermarkt weichen. Die Gegner fragen sich, ob es ein Geschäft dieser Größe braucht.

Von Patrizia Steipe

Zwischen den Bäumen an der Kuckuckstraße in Steinebach haben Anwohner und Gegner der Supermarktpläne zwei Banner befestigt. "Riesenmarkt und viel Asphalt zerstören nicht nur den Kuckuckswald" steht darauf. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Supermarkt, aber gegen die Größe", erklärte Dorothea Muggenthaler, Sprecherin der Initiative für Artenvielfalt, die sich den Kritikern bestehend aus Anwohnern, Umweltschützern und künftigen Bewohnern angeschlossen hat. An der Protestaktion hatten sich 20 Bürger beteiligt. Sie kritisieren, dass das Bauvorhaben ein großes Waldstück "voller wunderbarer, alter und ursprünglicher Buchen" gefährde. Für die Einfahrt zum Markt müssten einige dieser Buchen gefällt werden. Der Eingriff würde auch Frösche, Kröten und andere Amphibien treffen, die Richtung Pfeiferwinkelmoos und Schluifelder Moos wandern. Das sei verantwortungslos.

Grundsätzlich stelle sie die Frage, ob ein zweiter Laden dieser Größe in der Gemeinde überhaupt notwendig sei, der außerdem zu einer Lärmbelästigung für die Anwohner und einem erhöhten Verkehrsaufkommen führen würde. Zur virtuellen Bürgerversammlung hat sich Muggenthaler ebenfalls mit einer schriftlichen Anfrage an Bürgermeisterin Christel Muggenthal gewandt. Darin erinnert Muggenthaler daran, dass Wörthsee den "Klimanotstand" ausgerufen hat.

Die Gemeinde plant seit längerem, das Gelände hinter dem alten Tengelmanngebäude neu zu bebauen. Es soll in einem Neubau im Erdgeschoss ein Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von 975 Quadratmetern zuzüglich eines 80 Quadratmeter großen Backshops entstehen. Im Obergeschoss sind 20 Wohnungen geplant. Der Standort soll über Ein- und Ausfahrten an der Kuckuckstraße erreicht werden. Vor dem Supermarkt sind 59 Parkplätze vorgesehen. Die Bewohner im Obergeschoss bekommen eine Tiefgarage für ihre Fahrzeuge. An das Plangebiet grenzt im Norden ein Grundstück, auf dem Mehrfamilienhäuser mit rund 60 Wohnungen entstehen sollen. Rückendeckung für das Supermarkt-Vorhaben hat die Gemeinde durch ein städteplanerisches Gutachten bekommen. Der derzeit einzige Supermarkt im Ort sei lediglich "für einen relativ geringen Teil der Bevölkerung Wörthsees fußläufig zu erreichen", heißt es darin.

"Das geht aber auch kleiner", entgegnet Dorothea Muggenthaler. Noch gibt es keine Planreife. Die Kritiker bereiten ihre Einwände für die zweite Auslegung vor. Muggenthaler und ihre Mitstreiter hoffen jetzt auf ein Umdenken im Gemeinderat, so dass die Pläne abgespeckt werden.

© SZ vom 16.11.2020

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