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Geplanter Neubau:Drei Bewerber für den Supermarkt in Wörthsee

Nahversorger Wörthsee

Tiefgarage, Supermarkt, Wohnungen: So soll der neue Nahversorger in Wörthsee nach Plänen der Max-Kaufmann- und HKS-Architekten aussehen. Simulation: Quest AG/oh

In fünf Wochen entscheiden die Bürger, ob sie einen weiteren Laden im Ort haben wollen. Max von Bredow, Bauherr und Chef der Quest AG, zeigt sich nach wie vor überzeugt von dem Projekt.

Von Christine Setzwein

Die Buchen an der Straße "Zum Kuckucksheim" stehen immer noch. Eigentlich hätte ein Teil der Bäume jetzt gefällt werden sollen, damit die Bauarbeiten für einen neuen Nahversorger beginnen können. Doch nichts rührt sich auf dem Acker, sogar die Archäologen, die hier nach Überresten vergangener Jahrtausende graben, pausieren. Alles wartet auf den 21. März, wenn die Wörthseer in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob sie an dieser Stelle überhaupt einen Supermarkt wollen oder nicht. Bauherr Max von Bredow nimmt es gelassen: "Das ist einfach Demokratie."

Der Vorstandsvorsitzende der Quest AG, ein Familienunternehmen mit Sitz in Kolbermoor, ist überzeugt von seinem Projekt. Er sieht sich auch nicht in der Rolle des Investors. "Wir entwickeln und konzipieren Lebensräume mit dem Ziel, dass Menschen dort langfristig glücklich sind", beschreibt der 41-Jährige die Firmenphilosophie. Unter Baukultur verstehe er das Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie, regionalen und sozialen Aspekten. Wenn die Quest AG Wohnungen oder einen Supermarkt baut wie in Weyarn, verkauft sie normalerweise die fertigen Objekte, "Wörthsee behalten wir", sagt von Bredow. Das Grundstück hat er der Quest AG gesichert.

Den Vorwurf des Bündnisses "Rettet den Kuckuckswald", das den Vollsortimenter zu Fall bringen will, zu spät informiert worden zu sein, kann Max von Bredow nicht ganz nachvollziehen. Mitte 2019 seien die ersten Pläne zusammen mit dem renommierten Architekten Hermann Kaufmann, der an der TU München eine Professur für Entwerfen und Holzbau hat, im Gemeinderat vorgestellt und seitdem nur in Details verändert worden. Auch bei der Präsentation des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (Isek) für Wörthsee seien erste Pläne für einen neuen Nahversorger im Zusammenhang mit dem Genossenschaftswohnprojekt auf der freien Fläche "Am Teilsrain" vorgestellt worden. Das Isek findet von Bredow übrigens "super". Dass eine Gemeinde eine Analyse für den ganzen Ort machen lässt, habe er noch in keiner anderen Kommune erlebt.

Nahversorger Wörthsee

Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest AG, sieht sich nicht als Investor, sondern als Entwickler von Lebensräumen. Dass Bürger den Nahversorger verhindern wollen, ist für ihn "einfach Demokratie".

(Foto: Quest AG/oh)

Supermärkte gehören in Gewerbegebiete, das hört von Bredow immer wieder. Falsch, sagt er. Sie gehören in die Orte, denn "Vollsortimenter bringen Frequenz in die Ortsmitte, dadurch überleben die kleineren Läden eher". In Zeiten des demografischen Wandels seien auch kurze Wege für die älteren Menschen wichtig. "Der Bedarf ist da, der Standort rentabel", da ist sich der Unternehmer sicher, auch wenn sich nicht weit entfernt ein Edeka-Markt befindet. Es gebe drei Interessenten als Betreiber für den neuen Vollsortimenter, der nur eine Verkaufsfläche von 940 Quadratmetern haben soll: Edeka, Rewe und Feneberg. Wer das Rennen machen wird - auch diese Verhandlungen liegen momentan auf Eis. "Aber das Konzept regional erzeugter Lebensmittel von Feneberg gefällt uns gut", sagt von Bredow. Für die angeschlossene Bäckerei mit kleinem Café "wollen wir auf alle Fälle einen regionalen Betreiber". Mit einem liefen bereits Gespräche.

Das Gebäude soll in Holzbauweise errichtet werden. "Wir verbauen 380 Kubikmeter Holz und sparen damit 380 Tonnen CO₂ ein", rechnet von Bredow vor. Die Buchen, die für die Zufahrt zum Nahversorger - aber auch für einen Geh- und Radweg zu den Wogeno-Genossenschaftswohnungen, zur Kinderkrippe und zum geplanten neuen Kinderhaus - gefällt werden müssen, würden dem Holzkreislauf wieder zugeführt. Außerdem schaffe die Quest AG zwei Ausgleichsflächen mit Mischwald, "die uns 80 000 Euro kosten".

Die Fragen beim Bürgerentscheid

Ratsbegehren: Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wörthsee im Planungsgebiet "Am Teilsrain" die planungsrechtlichen Voraussetzungen für Wohnraum für alle Generationen und Einkommensgruppen und einen der Nahversorgung dienenden Supermarkt (Vollsortiment) schafft, wie derzeit in den Bebauungsplanverfahren Nr. 76 und Nr. 68 vom Gemeinderat beabsichtigt?

Bürgerbegehren: Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wörthsee für den geplanten Neubau eines Lebensmittelvollsortimenters mit Wohnungen keine planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft und deshalb das Bauleitplanverfahren für den Bebauungsplan Nr. 76 "Sondergebiet Lebensmittelvollsortimenter und Wohnungen nördlich Zum Kuckucksheim" sowie die "7. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Wörthsee" hinsichtlich des Sondergebietes "Lebensmittelmarkt und Wohnen" einstellt und nicht weiterverfolgt?

Die Stichfrage wird wichtig, wenn beide Fragen jeweils mehrheitlich mit Ja oder Nein beantwortet werden. Welche Entscheidung soll dann gelten? Es gibt zwei Möglichkeiten: "Die Planungen der Gemeinde sollen fortgeführt werden" (Ratsbegehren) oder "Die Planungen für einen Vollsortimenter sollen gestoppt werden" (Bürgerbegehren). csn

Die Hanglage mache es möglich, dass unter dem Markt eine Tiefgarage gebaut werden könne, auf dem Markt entstehen 16 kleine "Starterwohnungen" für junge Leute mit wenig Einkommen. Für ein Ein-Zimmer-Appartement "verlangen wir eine Kaltmiete von 400 Euro", sagt von Bredow. Für die Kunden stehen 52 Parkplätze zur Verfügung, "normal sind 84".

Sollten sich die Wörthseer am 21. März für den Vollsortimenter entscheiden, könnte im Herbst - wenn wieder Bäume gefällt werden dürfen - mit dem Bau begonnen werden. Max von Bredow rechnet mit einer Bauzeit von maximal zwei Jahren, wenn es gut läuft, mit eineinhalb. Bis dahin werden auch die 30 Wohnungen des Verbands Wohnen an der Straße "Zum Kuckucksheim" bezogen sein. Und die 40 Seniorenwohnungen des Projekts "Leben am Quartiersplatz" auf dem Kirchengelände an der Etterschlager Straße gegenüber sollen 2023 fertig sein.

© SZ vom 12.02.2021
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